Michael Busch Mit der linken Hand den Totmannschalter leicht gedrückt halten. "Nicht zu fest und nicht zu leicht", erklärt Alexander Höpfel, Lehrer am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum in Herzogenaurach. Mit dem vorderen linken Daumen wird Reset gedrückt, mit Rechts Z1 und schon bewegt sich der Roboterarm. "Tja, bin dann doch nur Landrat", lacht Alexander Tritthart auf. Der Chef des Landkreises Erlangen-Höchstadt hat zwar alles nach Anweisung gemacht, nur bewegen tut sich erst einmal nichts.

Dass er einen solchen Roboterarm, wie er auch in der Industrie eingesetzt wird, selber bedienen soll, überraschte den Politiker allerdings auch. Zunächst einmal war er in die Berufsschule gekommen, um das Exzellenzzentrum zu besuchen. Zusammen mit Schulleiter Martin Wirsching und Julia Schröder, stellvertretende Sachgebietsleiterin Finanzen und Schulen, ging es darum, der Öffentlichkeit vorzustellen, wohin und in welche Mittel sowie Projekte die Gelder des Förderprogrammes "Exzellenzzentren an Berufsschulen" geflossen sind.

Tritthart sagte: "Die Digitalisierung wirkt sich auf Aus- und Weiterbildung der Metall- und Elektroindustrie aus." Es gelte daher frühzeitig, "am direkten Bindeglied zwischen Betrieb und Schule anzusetzen". Die zunehmend digital werdendere Welt müsse den Menschen vermittelt werden. Daher habe man sich im Landratsamt auch sehr schnell entscheiden, das Förderprogramm des Freistaates in Anspruch zu nehmen.

Digitale Transformation

Bayern fördert damit die Anschaffung technischer Anlagen, damit die Berufsschüler praxisnah an modernsten Einrichtungen ausgebildet werden können. "Kern der Maßnahme ist die umfassende Digitalisierung der industriellen Produktion", ergänzte Schulleiter Wirsching. Mit dem Programm setze man neue Impulse für leistungsfähige und zukunftsorientierte Bildung.

Nach wenigen Minuten und einem Reset bewegten sich die drei Arme vor Tritthart, Wirsching und Schröder. Die Aufgabe war banal: Eine Schraube mit den Greifern packen und auf einen neuen Platz setzen. Eine der Aufgaben, mit denen den Schülern die Praxisnähe vermittelt werden soll. Wenn auch diese ersten Schritte erahnen lassen, dass es sich um ein großes Spielzeug handeln könnte, wird es bei den nächsten Aufgabenbeschreibungen dann doch komplexer zu. Es geht darum, den Bewegungsablauf zu programmieren, zu automatisieren. Es geht darum, mit den "kollaborierenden Produktionsrobotern" das Handeln zwischen Mensch und Maschine abzugleichen. "Der Mensch ist meistens der nicht berechenbare Part", erklärt der Schulleiter.

Aber man muss mit dem Menschen rechnen. Denn ganz ohne Geld geht es nicht. Die Regierung von Mittelfranken setzte mit dem Bewilligungsbescheid bereits im Oktober 2018 einen Fördersatz auf 50 Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtkosten fest. Der Höchstbetrag der Förderung beläuft sich auf 112 500 Euro. Insgesamt nimmt der Freistaat fünf Millionen Euro in die Hand, um die digitale Transformation vorwärtszutreiben. Der Landkreis stellt für das Projekt "Exzellenzzentrum" 206  500 Euro zur Verfügung.

Vier Millionen Euro investiert der Landkreis in diesem Jahr in diese Digitalisierung. 683 000 Euro stehen alleine für die Berufsschule zur Verfügung. Davon wurden angeschafft: Fünf PC, 880 iPads mit Zubehör, 70 iPad pro, 54 Apple TV, 38 Standardbeamer und 14 iMacs. "Wichtig war uns", erklären Wirsching und Tritthart unisono, "dass jeder Schüler die Möglichkeit hat, mit diesen Mitteln zu arbeiten." Das Problem sei oftmals, dass nicht jeder sich zum Beispiel ein Pad leisten könne. "Der hängt im Unterricht hinterher" bestätigten die Fachlehrer vor Ort.

Moderne Technologien

Der Landrat war vor Ort von den praktischen Möglichkeiten beeindruckt. Zwischen 16 und 20 Schüler haben die Möglichkeit, sich mit 3D-Druckern zu beschäftigen, Automatisierungsprozesse zu lernen und zu erarbeiten und an Modellen zu realisieren. Auch ein Roboter bewegt sich durch den Raum und bietet ungeahnte Möglichkeiten im Klassenraum.

Für den Landkreis ist diese Entwicklung ein weiterer Meilenstein im digitalen Entwicklungsprozess. Bereits 2018 erhielt der Kreis ein Qualitätssiegel "Bildungsregion in Bayern" und 2020 den Siegel "Digitale Bildungsregion in Bayern". Das Berufsschulzentrum wurde 2018 in das Förderprogramm "Exzellenzzentrum an Berufsschulen" des Bayerischen Ministeriums für Unterricht und Kultus aufgenommen. Im Mai 2018 gab es bereits den Antrag dafür, im September desselben Jahres gab es den Aufnahmebescheid.

Stolz ist Wirsching dafür, dass die Weichen nicht erst in Coronazeiten gelegt wurden. "Wir konnten im Grunde durch diese Initiative vollständig mit digitalem Unterricht in die Coronazeit einsteigen."

Die Lieferung und Inbetriebnahme der kollaborativen Roboter war allerdings erst im Juli möglich. Das heißt, Landrat Tritthart und Schulleiter Wirsching waren sozusagen mit die ersten Schüler an den Greifarmen. Deren Glänzen in den Augen wird ab nächsten Schuljahr dann sicher auch in den Augen der Berufsschüler zu sehen sein.