Michael Busch Volle Körbe, viel Obst, weniger Nudeln, aber ausreichend Lebensmittel und Klopapier. Der Mahmoud Al Ibrahim Moustafa und Uli Kanzel luden im April die durch den Rewe-Markt in der Würzburger Straße bereitgestellten Lebensmittel in den kleinen Transporter ein. "Es gibt von manchen Dingen ein bisschen weniger", hatte Kanzel vor gut fünf Monaten erklärt.

Mahmoud Al Ibrahim Moustafa war zum ersten Mal auf einer Tour dabei. "Ich will einfach nur helfen und ein bisschen von der Hilfe zurückgeben, die mir gegeben wurde." Der aus Syrien stammende Mann ist heute, im September nicht mehr dabei. Aber er steht auf einer Liste, wenn seine Hilfe wieder benötigt wird. "Momentan läuft alles ganz gut", sagt die Leiterin Elke Bollmann. Das aber nach einer sehr schwierigen Zeit, wie sie erklärt. "Am Anfang lief nicht alles glatt." Gerade die ersten acht Wochen seien eine große Herausforderung gewesen, da die Supermärkte leergekauft waren. Herzogenaurach und die dortige Spendenbereitschaft sei tatsächlich eine Ausnahme gewesen. In Erlangen gab es zum Teil keine Waren mehr von den Märkten.

Die Situation verschärft sich

Bollmann sagt: "Das konnten wir ein Stück weit abfangen durch Spenden von Privatpersonen. Diese wurden zum Kauf von Lebensmitteln verwendet." Bis zum Juli hin habe es eine "Normalisierung" gegeben, doch der Blick in die Zukunft sei eher düster. Der Grund sei das Steigen der Kundenzahlen. "Coronabedingt sind mehr Menschen in die Bedürftigkeit geraten."

Menschen, die ihren Job verloren haben, die aus den gebeutelten Bereichen Gastronomie, Kultur, Selbstständigkeit oder dem Niedriglohnsektor kommen. Menschen, die nun bei der Tafel stehen und um Lebensmittel bitten. "Das werden sicher noch mehr Menschen werden", prophezeit die Leiterin. Die unsichere Wirtschaftslage trage ihren Teil dazu bei.

Mit Blick in Richtung Herzogenaurach ergänzt sie, dass es dort den Bewohnern noch recht gut ginge, Erlangen sei da anders zu beurteilen. So kommen zum Beispiel die ausländisch Studierenden hinzu, die ihre Nebenjobs - vor allem in der Gastronomie - verloren haben. Aber auch die steigenden Mieten spielen eine Rolle - "Die Anzahl der bedürftigen Senioren steigt massiv", sagt Bollmann - aber das sei kein coronaspezifisches Problem, wenn es auch die Situation verschärfe.

Coronabedingt wurde allerdings der Ablauf der täglichen Arbeit verändert. Zum einen blieb ein Teil der ehrenamtlichen Mitarbeiter Zuhause. "Kolleginnen und Kollegen, die durch ihr Alter zur Risikogruppe gezählt wurden, fielen weg", sagt Bollmann. Dank des Engagements von Schülern, Studenten, Menschen, die in Kurzarbeit waren, oder Flüchtlingen wie Mahmoud Al Ibrahim Moustafa wurden diese entstehenden Lücken gefüllt.

Aber auch bei den Ausgabestellen gab es Änderungen. Hygienekonzepte wurden entwickelt und umgesetzt. "Speziell in Herzogenaurach lassen wir nur noch einen Kunden in die Ausgabestelle, da diese nicht so groß ist." Die Mitarbeiter sind in Erlangen und Herzogenaurach durch Plexiglasscheiben von den Kunden getrennt, Abstandsregelungen und Maskenpflicht gelten ebenso.

Glücklich ist Bollmann darüber, dass es von unterschiedlichen Stellen immer wieder Unterstützung gibt. Sei es durch Aktion des Fränkischen Tages "Franken helfen Franken" oder auch Privatinitiativen. Aktuell gab es zum Beispiel eine indirekte Hilfe über die Aktion Retter-Shirt. Durch den Erwerb eines Retter-Shirts unterstützen Käufer unkompliziert und direkt Menschen, die aufgrund der Corona-Krise in wirtschaftliche Not geraten sind. Eine Spende ging als Gutscheine für Taxifahrten an die Tafel. Die Idee dahinter: Ältere Menschen und (Fuß-)Kranke aus werden per Taxi zum Arzt oder der Apotheke gebracht. Es wird den Bedürftigen über die Tafel geholfen, aber auch die gebeutelte Taxibranche profitiert von dieser Idee.

Hilfe für Bedürftige

Die Tafel Erlangen ist in Trägerschaft der Diakonie Erlangen und wird vom Förderverein Tafel Erlangen unterstützt. Der gemeinnützige Verein ist in der Stadt Erlangen und im Erlanger Umland aktiv. Rund 140 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, sammeln überschüssige, aber qualitativ einwandfreie Lebensmittel im Handel und bei Herstellern und verteilen diese gegen ein symbolisches Entgelt von einem oder zwei Euro an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen. Woche für Woche nutzen rund 550 Familien das Angebot der Tafel, aber auch zahlreiche Rentner sowie Flüchtlinge und andere Bedürftige. Die Erlanger Tafel ist Mitglied im Bundesverband Deutsche Tafel, gegründet 1995, der die lokalen Tafeln als Dachverband gegenüber Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft vertritt.