Wort zum Sonntag für den 15. August:

A n diesem Sonntag hat die Kirche einen besonderen Gedenktag. Sie feiert Maria Himmelfahrt. Maria wird mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.

Eine Legende besagt: "Maria, die Mutter Jesu, lebt nach dem Tod ihres Sohnes Jesus, dessen Auferstehung und Himmelfahrt einige Jahre in Jerusalem. Eines Tages geht ihr eigenes Leben dem Ende entgegen. Die Freunde und Freundinnen von Jesu spüren dies, sie versammeln sich um sie. Es ist an Ostern.

Alle sind versammelt, nur der Apostel Thomas fehlt. Es ist wohl sein Schicksal, zu spät zu kommen. Und dann erleben die Anwesenden mit, wie Maria einschläft, wie sie heimkehrt zu Gott. Ein Leben lang - bis zu seiner Himmelfahrt - hatte sie ihren Sohn auf seinem Weg begleitet. Nun geht sie selbst ihre letzte Wegstrecke. Sie entschläft der irdischen Welt."

Nach ihrem Tod begraben die Apostel Maria vor den Toren der Stadt Jerusalem im Kidrontal. Dort, wo sie mit dem Sohn ungezählte Stunden verbracht haben, wo sie von ihm eingeführt wurden in sein Denken und Fühlen, wo sie den Himmel auf Erden gespürt haben. Die Apostel begraben Maria. Sie sind voller Trauer, weil die Mutter ihres Meisters auch ihnen zur Mutter geworden war.

Gleichzeitig sind sie voller Zuversicht und Hoffnung. Sie wissen die Mutter auf ihrem Weg zum Sohn, auf ihrem Heim-Weg.

Ortswechsel: Eine schmale und steile Treppe. Sie führt hinab in die Krypta der Benediktiner-Abtei "Dormitio" auf dem Berg (Z)Sion in Jerusalem. Die Kirche ist der "Entschlafung Mariens" gewidmet: Dormitio. In der Mitte der Krypta eine Skulptur: Maria. Sie schläft - umgeben von Blumen und Kerzen. Geheimnisvolle Stille füllt den Raum.

Eine andere, eine breite Treppe, führt über viele Stufen hinab in einen tief unter der Erde liegenden Raum. Öllampen hängen von der Decke herab und verbreiten ein nahezu unwirkliches Licht. In einer Ecke des Raumes befindet sich eine alte Grabkammer: das Mariengrab im Kidrontal in Jerusalem. Das Grab ist leer!

So erzählte die Legende weiter: "Alle Apostel gehen am nächsten Tag - zusammen mit Thomas - zum Grab der Mutter Jesu. Und wie damals am Ostermorgen finden sie keinen Leichnam. Sie finden duftende Blumen und Kräuter. Maria ist nicht hier. Blumen verströmen einen intensiven Duft. Die Apostel verstehen: Maria ist heimgegangen. Geblieben ist der Duft ihres Lebens.

Ich ahne und glaube: Es ist nicht dein Privileg, o Maria, erwartet zu werden, heimzukehren, zu leben in Gottes Nähe. Was dir als Erster geschenkt wurde, ist auch mir und uns verheißen und versprochen. Um diesen Glauben wach-zu-halten,

um diese Hoffnung immer neu zu stärken, um unsere Liebe zu beleben, schenkt Gott auch uns immer wieder einen Blumenstrauß: als Liebeserklärung, als Dank für unsere Treue, als Einladung, ihn anzusehen, als Zusage, von ihm angesehen zu sein, als Ermutigung, offen zu sein für sein Wirken in unserem Leben,

als Versprechen, dass er mich bei meinem Heimgang bei meinem Namen nennt.

Gott mutet auch mir und uns allen auch Passionsblumen zu, und weiß um meine Tränen und kennt meinen Schmerz. Aber hinter allem Spröden und Vergänglichen gibt es Fruchtbarkeit. Vieles in meinem Leben wird von Dornen erstickt oder wird zertreten. Aber es bleiben die Blumen als Zeichen der Hoffnung und Zuversicht: Mein Leben versinkt nicht fruchtlos ins Nichts.

Ich danke dir, Gott, für jeden Blumenstrauß, den ich geschenkt bekomme. Er ist - auch - von dir. Und wenn ich heute Blumen verschenke, dann verschenke ich sie auch in deinem Namen. Mit meinem Blumenstrauß komme ich zu Dir, Maria.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende und gute Erholung!

Kim J.N. Sell

Diakon der Pfarreiengemeinschaft St. Georg - Maria Ehrenberg