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Langenzenn
Pflegeeinrichtung

26 Todesfälle nach Corona: Ex-Mitarbeiterin erhebt schwere Vorwürfe gegen Seniorenheim

26 Todesfälle musste das Seniorenheim Langenzenn in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hinnehmen. Nachdem die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet hatte, gelangten nun neue Vorwürfe an die Öffentlichkeit. Die Hygienemaßnamen seien schon vor der Pandemie nicht eingehalten worden, kritisiert eine ehemalige Mitarbeiterin.
 
Acht Corona-Todesfälle in Pflegeheim im Kreis Fürth
Insgesamt 26 Todesfälle musste das Seniorenheim Langenzenn in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hinnehmen. Eine ehemalige Mitarbeiterin wirft der Einrichtung vor, dass die Hygienemaßnahmen bereits vor der Pandemie häufig nicht eingehalten worden seien. Foto: NEWS5/Oßwald

Nach den Vorermittlungen in Langenzenn (Landkreis Fürth) gibt es jetzt neue Vorwürfe gegen das Seniorenheim: Eine ehemalige Mitarbeiterin berichtete gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass die Hygienemaßnahmen bereits vor der Pandemie oft nicht eingehalten worden seien. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegen das AWO-Seniorenheim in Langenzenn Vorermittlungen eingeleitet - diese sind mittlerweile jedoch eingestellt worden.

Der Bayerische Rundfunk hatte bereits zuvor über angeblich nicht beachtete Hygienestandards berichtet. Demnach hatten sich mehrere Mitarbeiter über nicht eingehaltene Maßnahmen beschwert. Genau diese Medienberichte waren der Auslöser für die Vorermittlungen, so die Oberstaatsanwältin. Jetzt hat sich erneut eine einstige Angestellte der Einrichtung an die Presse gewandt.

Update vom 06.08.2020: Ex-Mitarbeiterin erhebt schwere Vorwürfe gegen Altenheim

Eine ehemalige Mitarbeiterin des Seniorenwohnheims Langenzenn klagte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk über die Hygienestandards in der Pflegeeinrichtung noch vor der Pandemie. "Wenn ein Patient aus dem Krankenhaus kam und den MRSA-Keim hatte, war keine Schutzausrüstung vorhanden. Keine sterilen Handschuhe und kein Schutzkittel. Dann lagen teilweise die vollen Einlagen auf den Matratzen von den Bewohnern oder unter den Betten, weil einfach die Kollegin sie nicht zur Seite getan hat", so die ehemalige Mitarbeiterin. 

Auch über die Entsorgung der Schutzkleidung beschwert sich die Ex-Angestellte. Die Mitarbeiter hätten teilweise durch die komplette Einrichtung laufen müssen, um diese zu entsorgen. Trotz Meldung bei der Heimleitung seien die Zustände nicht geändert worden. Zudem seien Reinigungskräfte bei der Essensausgabe behilflich gewesen, in den Zimmern der Bewohner habe sie selbst oft nachputzen müssen.

Die Heimleitung reagiert auf die Vorwürfe mit vehementem Widerspruch. Weder von Pflegern noch von Angehörigen seien diese bekannt. Die externen Kontrollen des medizinischen Dienstes hätten solche Mängel auch nicht nachgewiesen, sagte Robert Schneider, Geschäftsführer des AWO-Seniorenheims, dem BR.  

Schwere Vorwürfe: Wurden Infizierte nicht von Gesunden getrennt?

Laut den wiedergegebenen Schilderungen eines anderen Mitarbeiters soll es im März und April 2020 an Schutzausrüstung gemangelt haben, obwohl mehrere Heimbewohner und Pfleger infiziert waren. Es soll außerdem vonseiten der Heimleitung weder eine klare Einweisung in den Gebrauch der Schutzausrüstung noch ein Hygienekonzept für Pfleger gegeben haben. Infizierte Patienten seien mit Nicht-Infizierten auf einem Zimmer gelegen. Viele seien mit der Situation überfordert gewesen, heißt es weiter. Die Namen der Informanten gab der BR nicht bekannt.

Das Seniorenheim Langenzenn war durch eine hohe Anzahl an Coronavirus-Fällen aufgefallen. Von den 113 Bewohnern war mehr als die Hälfte erkrankt. 26 Bewohner starben. Auch bei 43 Mitarbeitern wurde das Virus festgestellt. 

Vorermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung

Der Geschäftsführer des Seniorenheims, Robert Schneider, äußerte sich am Donnerstag (4. Juni 2020) nicht zu den Vorwürfen: "Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir Ihnen leider momentan keine Auskünfte geben", gab er gegenüber inFranken.de bekannt.

Oberstaatsanwältin Gabriels-Gorsolke machte allerdings auch deutlich, dass es sich aktuell nur um Vorermittlungen handelt: "Wir prüfen gerade, ob es überhaupt einen Anhaltsverdacht für eine Straftat gibt." Man befinde sich noch in der Anfangsphase, so die Oberstaatsanwältin weiter. "Wenn es zu Ermittlungen kommt, dann wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung." 

Mittlerweile ist das Verfahren durch die Staatsanwaltschaft eingestellt worden.

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