Fußball ist ein Ergebnissport, doch diesmal überwiegt die Sorge um Peter Heyer - selbst bei denen, die verloren haben: Mit einem 0:5 gegen den 1. FC Sand hat sich der Baiersdorfer SV in der Landesliga Nordwest in die Winterpause verabschiedet, sendet aber beste Genesungswünsche an den Sander Stürmer. Dieser hatte sich bei einem Foul schwer verletzt.

Baiersdorfer SV - 1. FC Sand 0:5

Einige Stunden nach Spielende herrschte bittere Gewissheit: Heyer erlitt einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch und fehlt auf unbestimmte Zeit, mit Sicherheit aber etliche Monate. "Ich bin immer noch geschockt und muss das Ganze erst einmal verarbeiten. Unsere Gedanken sind alle bei Peter. Der Sieg ist Nebensache", sagte Sands Trainer Bernd Eigner. Die schwere Verletzung überstrahlte am Ende alles, selbst bei den Hausherren hielt sich der Ärger über das 0:5 in Grenzen. "Ich wünsche ihm auf diesem Weg gute Besserung. Das ist das einzig Wichtige", sagte BSV-Trainer Helmut Wolff nach einer Partie, deren Verlauf unweigerlich mit der üblen Verletzung des Gäste-Stürmers zusammenhängt. 0:0 stand es nach 28 Minuten, viel geschah nicht auf dem Rasen. Sand versuchte etwas, Baiersdorf unterband es.

Doch dann: Heyer tankte sich erstmals gefährlich durch, lief alleine auf BSV-Schlussmann Marc Oertelt zu. Dieser eilte aus dem Strafraum heraus, verschätzte sich aber im Zeitpunkt seines Tackling - und während Heyer das Spielgerät schon vorbeigespitzelt hatte, erwischte Oertelt in vollem Tempo das Standbein des Sanders. Schienbein prallte auf Schienbein. Dass etwas Schlimmes passiert sein musste, war sofort klar. "Es ist schrecklich, was passiert ist. Ich war mir sicher, an den Ball zu kommen, bin dann aber einen Schritt zu spät dran und kann nicht mehr zurückziehen. Es tut mir unglaublich leid. Als Sportler wünscht man sich, an solchen Szenen nicht beteiligt zu sein", sagte Oertelt zu der fatalen Szene.

Eine 20-minütige Unterbrechungsphase war die Folge, mit aufgebrachten Sander Fans, die nur mit Mühe in Zaum gehalten werden konnten. Ein Rettungswagen brachte den 19-Tore-Mann schließlich nach Erlangen ins Krankenhaus. Dort bestätigte sich wenige Stunden später das, was schon auf dem Platz befürchtet wurde: ein doppelter Schien- und Wadenbeinbruch. "Nach der schweren Verletzung haben wir uns entschieden, weiterzumachen und das Spiel durchzuziehen. Der Sieg ist aber einzig allein Peter gewidmet", sagte Eigner.

Für Keeper Oertelt endete dieses Foul schließlich mit der Roten Karte, Schiedsrichter Manfred Winkler aus Rittersbach entschied auf eine Mischung aus Notbremse und rohem Spiel.

Kein Ersatzkeeper parat

Was nun aber folgen sollte, ist irgendwo zwischen tragisch-komisch und absurd anzusiedeln: Baiersdorf hatte schlicht keinen Ersatztorhüter auf der Bank sitzen; etwas, das einem Landesligisten eigentlich nicht passieren sollte. Zumal der BSV eine erfolgreiche U19 in der Landesliga an den Start schickt, da hätte sich doch jemand finden müssen? Der zweite Torhüter Christian Menzner stand aber beim zeitgleichen Spiel der Reserve im Tor, der dritte Keeper Jonas Harrer war verhindert. Und aus der Jugend war auch keiner greifbar. "Das ist das erste Mal in dieser Saison, dass wir diese Konstellation hatten", sagte Wolff. Also musste jemand anderes ins Tor, die Wahl fiel schließlich auf Cescutti, einem gelernten Stürmer, der seine Dienste als Torhüter freiwillig anbot. "Letztes Jahr war ich gelegentlich bei der Zweiten im Tor, auch zu meiner Buckenhofener Zeit stand ich manchmal im Kasten", sagte Cescutti.

Dass er natürlich kein gleichwertiger Oertelt-Ersatz ist, zeigte sich schon im Freistoß, der ans Heyer-Foul folgte: Dominik Rippstein hob das Leder aus 18 Metern zum 1:0 in die Maschen (31.). Und als Cescutti kurz später etwas zu eilig aus dem Tor stürmte, dabei einen Sander rasierte und Daniel Rinbergas den fälligen Elfmeter zum 2:0 versenkte (38.), war im Grunde schon alles klar.

Nach der Pause hielt sich Baiersdorf angesichts der Umstände lange Zeit ordentlich, auch, weil Sand seine vielen Chancen vorerst nicht nutzte. Erst in der Schlussviertelstunde fielen die drei weiteren Tore: Thorsten Schlereth mit einem Doppelpack (75./81.) und Lucas Wirth (87.) trafen zum 5:0-Sieg, über den sich die Sander aber verständlicherweise nicht freuen konnten. "Die drei Punkte haben wir sehr, sehr teuer bezahlt. Wir alle hätten lieber eine Niederlage in Kauf genommen", sagte Eigner.
Oertelt hat sich unterdessen schon bei Heyer in einem Gespräch entschuldigt, das sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen. "Peter hat meine Entschuldigung angenommen und mir keine Vorwürfe gemacht. Das ist etwas, das mir sehr wichtig ist", sagte Oertelt.