Franken
Himmelsphänomen

Lichtpunkte am fränkischen Nachthimmel: Astronom klärt auf

Am Wochenende haben zahlreiche Menschen Lichtpunkte am Himmel über Franken beobachtet. Ein Astronom klärt auf, was dahinter steckt.
 
Zahlreiche Menschen haben sich am Wochenende über Lichtpunkte am fränkischen Nachthimmel gewundert. Die Anordnung der Starlink-Satelliten wurden von Engelhardsberg aufgenommen. Foto: Anton Waltschew
Zahlreiche Menschen haben sich am Wochenende über Lichtpunkte am fränkischen Nachthimmel gewundert. Die Anordnung der Starlink-Satelliten wurden von Engelhardsberg aufgenommen. Foto: Anton Waltschew

In der Nacht von Freitag auf Samstag (28. Dezember 2019) haben mehrere, akkurat übereinander angeordnete Lichtpunkte am Himmel über Franken aufgeleuchtet. Frank Fleischmann, Betreiber der Feuerstein-Sternwarte bei Ebermannstadt (Kreis Forchheim), erreichten daraufhin viele Anrufe von aufgeregten Menschen aus Oberfranken und Mittelfranken. Im Gespräch mit inFranken.de erklärt der Astronom, was es damit auf sich hatte.

Lichterkette am Nachthimmel: Musk-Satelliten werfen Lichtreflexionen

Bei den Lichtpunkten habe es sich um Lichtreflexionen von Satelliten gehandelt, die Teil des Raumfahrtprojektes von Tesla-Gründer Elon Musik seien, erklärt Fleischmann. Diese seien erst kürzlich von einer Rakete abgeworfen worden und schweben deshalb relativ nah beieinander in der Erdumlaufbahn umher. In mehrere Hundert Kilometern Höhe sollen die "Starlink"-Satelliten Internetzugang an den abgelegensten Orten des Planeten möglich machen. "Von Tag zu Tag wird ihr Abstand größer. Die präzise Anordnung, die am Wochenende zu sehen war, wird sich bald verändern", sagt der fränkische Astronom. Ein Kollege Fleischmanns, der eigentlich die aktuell gut sichtbare Venus in einem Foto festhalten wollte, erkannte die Leuchtpunkte und drückte ab.

Dafür, dass die Lichtpunkte in der Nacht auf Samstag so deutlich zu erkennen waren, macht Fleischmann mehrere Tatsachen verantwortlich. Der Mond habe nicht hell geleuchtet, was die Sicht auf die Lichterkette verbessert habe. Zudem sei zufällig gutes Wetter gewesen, sprich es hätten keine Wolken des Himmel bedeckt. Solche Lichterformationen könnten auch in Zukunft zu bestaunen sein. Die Homepage heavens-above.com bietet einen Überblick für Interessierte, wann und wo die Lichterketten am Nachthimmel auftauchen könnten.

Was viele Franken am Wochenende beschäftigt hat, ist auch in anderen Regionen beobachtet worden. Auch in Hessen war das Phänomen am Freitagabend zu sehen.

Das "Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene" verzeichnete in den vergangenen Monaten zahlreiche Anrufe besorgter Beobachter: "Die Anrufe bei uns haben stark zugenommen. Viele Frauen und Männer zeigen sich besorgt oder verwundert über die Lichtpunkte und ihre Formation", sagte Hansjürgen Köhler vom "Cenap" der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Europäische Weltraumorganisation "Esa" bestätigte der dpa, "dass in den vergangenen Tagen Starlink-Satelliten sehr sichtbar über Deutschland zu sehen waren".

Das Unternehmen "SpaceX" steht hinter dem Projekt. Startpunkt war im Mai 2019: Damals wurden rund 60 Satelliten entsandt, 60 weitere folgten Mitte November. Unter Astronomen ist das Projekt umstritten. Es erhöhe die Gefahr von Kollisionen in der Erdumlaufbahn, merken Kritiker an. Im September musste ein "Esa"-Satellit einem "Starlink"-Satelliten ausweichen, um einen Crash zu vermeiden. Tausende weitere Satelliten sind laut "Space X"-Angaben geplant. Es könnte also bald des öfteren zu Zusammenstößen im Erdorbit kommen. "Im Orbit gibt es keine Vorfahrtsregeln. Es gibt noch nicht einmal eine Vorschrift, dass man überhaupt ausweichen muss", sagte Holger Krag, Leiter des "Esa"-Programms für Weltraumsicherheit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.