Guter Rat ist teuer. Medizinischer Rat ist besonders viel wert. Das wird jeder bestätigen, der einmal krank war. Doch bei gesundheitlichen Beschwerden an die Expertise eines Facharztes zu kommen, ist gar nicht so leicht. Wer einen Untersuchungstermin bei einem Augen-, Haut-, HNO-Arzt, Neurologen oder Orthopäden haben will, der muss oft Geduld mitbringen.

Hartnäckig hält sich die Behauptung, dass Privatversicherte leichter einen Termin bekommen und gesetzlich Versicherte länger warten müssten. Doch stimmt das auch? Der FT Forchheim hat den Test gemacht.

Wen haben wir getestet?

Wir haben 20 Fachärzte im Landkreis Forchheim und der näheren Umgebung telefonisch um einen schnellstmöglichen Termin gebeten. Per Zufall wählten wir je vier Augen-, Haut-, HNO-Ärzte und Orthopäden sowie vier Neurologen aus.

Wie haben wir es gemacht?

FT-Redakteurin Stefanie Gleixner und Redakteur Ronald Heck haben an zwei Tagen im Februar mit den jeweils selben "Krankengeschichten" angerufen. Der Unterschied: Einmal war die Patientin/der Patient gesetzlich versichert, einmal privat. Die ausgemachten Termine haben wir am Ende natürlich abgesagt.

Das Ergebnis unserer kleinen Test-Umfrage ist eindeutig:

Ja, privatversicherte Neukunden müssen nicht so lange auf einen Termin warten. Im Durchschnitt dauert es bei ihnen 26 Tage, bis sie bei einem Facharzt vorstellig werden können. Gesetzlich Versicherte hingegen, die erstmals bei einer Facharztpraxis anfragen, haben durchschnittlich eine Wartezeit von 28 Tagen.

Doch die Zeiten variieren je nach Praxis sehr stark. Ein Beispiel: In unserem nicht repräsentativen Test kam es vor, dass der Kassenpatient (durch Glück) bereits am Folgetag in die Praxis kommen hätte können, während der Privatpatient mehrere Wochen warten musste. Unterm Strich allerdings hat der Privatversicherte bei den Wartezeiten die Nase vorne, wenn auch nur knapp.

Viele haben Aufnahmestopp

Doch die größte Erkenntnis des FT-Fachärzte-Testes: Egal ob privat oder gesetzlich versichert - Neukunden können froh sein, wenn sie überhaupt einen Termin ausmachen können. Unter 18 Anrufen (einige Fachärzte sind in Praxiszentren organisiert) konnte unser Kassenpatient zehn Termine ausmachen, der Privatpatient zwölf. Bei durchschnittlich fast jedem dritten angerufenen Facharzt kam die Antwort: "Entschuldigung, wir nehmen keine neuen Patienten mehr auf."

Auch unter den Fachrichtungen gab es große Unterschiede: Wie viel schneller Privatversicherte dran kommen, unterscheidet sich wiederum je nach Fachgebiet. Die größten Unterschiede gab es bei den HNO-Ärzten. Statt der 38 Tage, die ein gesetzlich Versicherter warten musste, bekam der Privatpatient bereits nach 15 Tagen einen Termin.

Versorgung ist grundsätzlich gut

Am schwierigsten war es, einen Untersuchungstermin bei einem Neurologen zu bekommen. Hier war die Wartezeit im Durchschnitt am längsten: 39 Tage als Kassenpatient und 28 Tage als Privatpatient. Das deckt sich auch mit dem Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern: Grundsätzlich ist die Facharztversorgung im Landkreis Forchheim gut. Laut der Bedarfsplanung herrscht lediglich bei den Nervenärzten in der Region eine leichte Unterversorgung.

Unser Fazit: Wie lange man als Privat- oder Kassenpatient aus dem Landkreis Forchheim auf einen Facharzttermin warten muss, unterscheidet sich gar nicht so groß. Aber die Chance, als neuer Patient - ohne Überweisung - überhaupt in einer Praxis aufgenommen zu werden, stehen nicht gut.

Kommentar: Nicht nur der Patient braucht Geduld

von Ronald Heck

Großes Lob an alle Praxismitarbeiterinnen! Bei allem Ärger, den unser Gesundheitssystem bei Patienten verursacht, trifft der Frust in vielen Fällen die Falschen - nämlich die Ärztinnen, Ärzte und ihre Helfer. Das ist meine persönliche Erkenntnis unseres Fachärzte-Testes - vielleicht sogar die wichtigste.

Ja, es stimmt. Ich und meine Kollegin haben oft zu hören bekommen, dass keine Neukunden aufgenommen werden können. Aber die Frau am anderen Ende des Hörers hat wirklich alles versucht, mich unterzubringen. Während die wartenden Patienten an der Rezeption drängen, macht die Kollegin nebenan gerade einen Folgetermin aus. Das Terminbuch ist voll, aber mit ruhiger Stimme hört sie sich meine "Krankengeschichte" an. Die Augen seien schwächer geworden, der rötliche Ausschlag auf der Brust juckt, die Nase ist verstopft, das Knie schmerzt oder die Hand zittert. Ist es akut? Ähm, nein. Beim Hausarzt checken lassen? Nein. Überweisung? Fehlanzeige.

Zugegeben: Dass in so vielen Facharzt-Praxen Aufnahmestopp herrscht, hat mich überrascht. Aber unser Test beweist noch nicht, dass die Menschen in der Region nicht ausreichend versorgt sind, wenn sie dringend medizinischen Rat benötigen. Da steht der Kreis im Gegensatz zu anderen ländlichen Gegenden noch ganz gut da. Das Positivste: Die geduldigen Praxisdamen fragten auf der Suche nach Terminen nie selbst nach, ob ich Kassen- oder Privatpatient bin.