Details wollte Hammer nicht verraten. Jetzt entscheidet das Gericht auf dem "Büroweg", das heißt, dass den Betroffenen die Entscheidung per Post zugestellt wird. Das wird bis spätestens zum Ende der nächsten Woche erwartet.

Keine Details preisgegeben

"Der Richter war selbst vor Ort und hat sich mehrfach mit den Betroffenen und eben auch mit den Kindern unterhalten", sagt Hammer. Die Entscheidung betreffe den "Kernbereich privater Lebensgestaltung", weshalb es nicht möglich sei, bereits jetzt Details des Verfahrens preiszugeben.

Dem Richter stehe bei dem Sorgerechtsstreit indes ein breites Spektrum an Möglichkeiten zur Verfügung. "Ein Sorgerechtsstreit heißt nicht automatisch, dass man das Sorgerecht entzieht oder jemand anderem überträgt", sagt Hammer. Es könne auch bei den Eltern verbleiben - verbunden mit speziellen Aufgaben oder Auflagen.
Auch sei es möglich, nur Teilbereiche des Sorgerechts zu übertragen.

Damit das Verfahren ins Rollen kommt, reicht bereits eine Meldung. "Wenn der Verdacht besteht, dass das Kindeswohl bedroht ist, dann muss sich das Gericht darum kümmern", erklärt Hammer.

Große Verantwortung

Der Justizpressesprecher reagierte auch auf die Vorwürfe, das gesamte Prozedere dauere viel zu lang. "Es dauert genau so lang, wie es dauern muss", sagt Hammer. Dieser Fall berge eine große Verantwortung für den Richter. "Man muss kein Psychologe sein, um zu wissen, dass es für die Kinder immer traumatisch ist, sie aus ihrer Familie zu nehmen. Das ist nie der Königsweg", so Hammer. Für den Richter sei es deshalb keine leichte Entscheidung. "Zudem ist das Prozedere nicht so einfach, wie es sich Teile der Öffentlichkeit vorstellen", erklärt Hammer.

Sensibilität, Fingerspitzengefühl und Genauigkeit sei gefragt. Ein Gutachten brauche einfach Zeit - und das nicht etwa, weil der Gutachter schlafe. Vielmehr sei dieser oft bei den Betroffenen gewesen, habe viele Gespräche geführt und genau beobachtet. "In einem solchen Fall darf und wird es keine Hau-Ruck-Entscheidung geben", so Michael Hammer.

Christine Wiesneth, Großmutter der Sektenkinder, möchte dem Gericht keinen Vorwurf machen. Sie ist sich bewusst, dass der Richter eine äußerst schwierige Entscheidung zu treffen hat. Sie gehört auch nicht zu den Menschen, die sich darüber beklagen, dass das Verfahren lange gedauert hat. Nur eines stört sie: "Man hätte das Gutachten schon viel früher in Auftrag geben müssen."

Bereits am Wochenende hat sie über Facebook erfahren, dass die für gestern angesetzte Entscheidung vertagt wurde. "Ich war natürlich enttäuscht und habe mich gefragt, warum man es jetzt wieder verschiebt", sagt Christine Wiesneth.

Hoffen und warten

Was sie selbst für die richtige Lösung hält, möchte sie öffentlich nicht sagen. "Ich vertraue jetzt einfach auf den Richterspruch." Erfahren wird sie vom Ergebnis nur über Umwege. Für Christine Wiesneth geht die Zeit des Wartens jetzt weiter. Viel kann sie nicht tun, "nur warten und hoffen".