Drei Kandidaten standen zur Wahl. Prognosen wollte im Vorfeld keiner abgeben, denn irgendwie war diese Wahl anders. Am 10. September starb der erst im März wiedergewählte Bürgermeister Heinrich Süß. Tiefe Betroffenheit und der Abschied von dem engagierten Bucher sind noch immer in den Köpfen der Weisendorfer vorhanden.

Dazu kam der Wahlkampf in Pandemiezeiten. Für alle drei Kandidaten, Karl-Heinz Hertlein (CSU), Ernst Rappold (B90/Die Grünen) und Franz Dellermann (UWG) ungewohnte Bedingungen. Ebenso ungewohnt war der Wahlabend im Rathaus. Lediglich einer der Kandidaten war dort zu finden: Kandidat und bisheriger stellvertretender Bürgermeister Karl-Heinz Hertlein. Das war dann aber auch derjenige, der jubeln durfte, als die Ergebnisse verkündet wurden.

Wobei verkündet eher nicht die richtige Wortwahl an dieser Stelle ist. Gemeinderätin und Parteifreundin von Hertlein, Angelika Hertlein, stürmte freudestrahlend von außen in das Foyer des Rathauses und jubelte über 60 Prozent, die "ihr Kandidat geschafft hat". Presse und Hertlein, die innen auf das Ergebnis warteten, waren durchaus angesichts dieses Informationsweges überrascht; die Erklärung war dafür umso einfacher. Keine Info hintenrum, sondern über die Homepage der Gemeinde Weisendorf.

Dort standen bereits die Zahlen: 60,05 Prozent hatte der Kandidat der CSU erhalten. 27,12 Prozent gingen an Dellermann, 12,83 Prozent an Rappold. Erster Gratulant war einer der Vorgänger Hertleins, der aktuelle Landrat Alexander Tritthart. Mit gebührendem Abstand, mit Maske und dennoch einem sichtbaren Lachen gratulierte er diesem zu seinem Erfolg.

Bevor es eine offizielle Stellungnahme gab, wurde allerdings erst einmal die Familie informiert, wie Hertlein unumwunden zugab. "Das war meine Heimatadresse", lachte er auf die Nachfrage des wichtigen Anrufes.

Die Arbeit wird fortgeführt

In allen Stimmbezirken setzte der zukünftige Bürgermeister sich durch. Bei einer Wahlbeteiligung von 59,35 Prozent gab es in den Stimmbezirken keinen, in denen er unter die Hälfte der Stimmen gefallen wäre. Von den 5104 Wahlberechtigten wurden 3024 gültige Stimmen ausgezählt, lediglich 5 Zettel mussten als "ungültig" aussortiert werden. Hertlein sieht sich nicht als "Übergangsbürgermeister". Er sagt selbstbewusst: "Ich habe mich für dieses Amt beworben und werde es auch voll ausfüllen." Er ist angesichts des Ergebnisses glücklich. Immerhin war es ja auch ein eher ungewöhnlicher Wahlkampf. "Keine Versammlungen, keine Werbeveranstaltungen - es war eine sehr ruhige Wahlzeit, das habe ich auch so empfunden", erklärt der Sieger.

Ungewöhnlich war aber auch die Atmosphäre im Rathaus: Keiner der anderen Kandidaten war vor Ort. Es gab nur wenige Besucher. Allerdings gab es Sicherheitskräfte, die im Vorfeld der Wahl durch das Landratsamt gefordert worden sind. "Es ging darum, dass diese gegebenenfalls eingeschritten wären, wenn die Abstände bei den Wählern in den Wahllokalen nicht eingehalten worden wären." Hertlein sagt, dass die Planungen für diese Wahl ein wenig anders als sonst waren.

Er sagt: "Wir konnten zum Beispiel keine Feuerwehrler als Wahlhelfer einplanen." Der ausgerufene Katastrophenfall ist der Grund dafür, auf die Einsatzkräfte muss gegebenenfalls schnell zurückgegriffen werden. Dennoch wurde alles mit Fingerspitzengefühl angegangen. Um 19 Uhr durften die Sicherheitskräfte das Rathaus verlassen, nachdem sich abzeichnete, dass keine Bürger die Infos zur Wahl vor Ort abholen wollten.

Nun geht alles seinen Gang, erläutert Hertlein. In der nächsten Gemeinderatssitzung gehe es um den stellvertretenden Bürgermeister, also den Nachfolger seiner Person. Man habe da im Vorfeld noch nicht planen können, da es genausogut zu einer Stichwahl hätte kommen können, die dann am 31. Januar absolviert worden wäre.

Und das letzte ungewöhnliche dieser Wahl: Eine Party wird es auch nicht geben. Der Infektionsschutz und die Ausgangsbeschränkungen standen dem im Wege. Aber Zuhause, mit seiner Familie, da wird er sicher auf den Sieg angestoßen haben.