Novum im Seßlacher Stadtrat: Erstmals behandelte das Gremium bei seiner Sitzung einen Bürgerantrag. "Rettet die Nachtigall - Schützt unsere Hecken" lautet die Forderung nach einem artenschonenderen Rückschnitt von Hecken, Gehölzen und Büschen. Stellvertretend trägt er Unterschriften der Seßlacher Angela Francisca Endress, Peter Franz und Peter Ludwig. 49 Bürger der Stadt haben die Petition unterzeichnet. Damit war das notwendige Quorum von einem Prozent der Bürger erfüllt.

Ein glatter, schräg angesetzter Schnitt

Feldgehölze und Büsche auf städtischem Grund sollen insbesondere entlang der Feld- und Flurbereinigungswege gemäß dem Praxishandbuch "Kommunale Grünflächen" behandelt werden. Konkret wird verlangt, dass Hecken nur alle sieben bis 15 Jahre "auf den Stock gesetzt" werden dürfen, damit sie nicht überaltern. Dazu sollten die Gehölze etwa kniehoch über dem Boden mit einem glatten, schräg angesetzten Schnitt gekürzt werden. Pro Pflegegang soll abschnittsweise maximal ein Viertel bis ein Drittel der gesamten Hecke entnommen werden, wobei die Abschnitte 15 bis 25 Meter lang sein sollten. Bis der nächste Abschnitt an der Reihe ist, gelte es, drei bis vier Jahre zu warten. "So kann sich die Hecke regenerieren und die Lebensraumqualität bleibt erhalten", heißt es in dem Antrag.

Auf unterschiedliche Arten achten!

Weiterhin wird gefordert, schlecht ausschlagfähige Bäume wie Kirsche, Wildbirne oder Mehlbeere, aber auch Sträucher wie den Weißdorn vom Schnitt zu verschonen. Als Begründung führen die Antragsteller an, in der Seßlacher Flur werde durch die einheitliche und rigorose Art von Schnitt Natur geschädigt. "Anfang des Jahres 2021 wurden teilweise in einem Zug Hecken auf 100 Meter Länge und mehr abgeschnitten und entfernt", ist die Beobachtung der Antragsteller. Insgesamt seien mehrere Tausend Meter betroffen. "Dadurch wurde der Lebensraum unserer Nachtigall und vieler anderer Lebewesen zerstört." Einzelheiten, welche Maßnahmen zulässig seien, regle das vom Bayerischen Gemeindetag, Städtetag und Landkreistag veröffentlichte Handbuch für Bauhöfe. Die Forderung: "Die dortigen Vorgaben sollen künftig in Seßlach zum Schutz der Natur beachtet werden."

Neeb schlägt vor, sich direkt draußen umzusehen

Bürgermeister Maximilian Neeb (FW) empfahl, den Antrag in den Grundstücks- und Bauausschuss zu überweisen. Vorgespräche mit den Landwirten hätten ergeben, dass ein Termin draußen in der Flur sinnvoll sei, sagte Neeb. Die Antragsteller würden dazu eingeladen, die Jagdgenossenschaft und Frank Reißenweber vom Landschaftspflegeverband sollten eingebunden werden, versicherte der Bürgermeister. "Wir brauchen einen Dialog, keine neuen Regeln und Verbote", forderte Daniel Angermüller (CSU). Die Jagdgenossenschaften kümmerten sich seit Jahren um die Pflege und sollten sich nicht überwacht fühlen. Ähnlich sah es Axel Dressel (FW), der selber der Jagdgenossenschaft in Gemünda vorsteht. "Über den Heckenschnitt gibt es immer wieder unterschiedliche Meinungen", sagte der Gemünner. Neeb möchte in einem gemeinsamen Termin alle Seiten für das Thema sensibilisieren. Auch Stadträte, die nicht dem Bauausschuss angehören, könnten daran teilnehmen, um gegebenenfalls ihre Expertise einzubringen, betonte er. Ohne Gegenstimme billigte das Gremium den Vorschlag des Stadtoberhaupts. Ein Termin steht noch nicht fest.

Baugebiet soll 2022 erschlossen werden

Ebenfalls einstimmig fasste der Stadtrat den Grundsatzbeschluss, das Baugebiet Heiliggrund II in Heilgersdorf in einem Bauabschnitt zu erschließen. Dies ergebe aus finanziellen Gründen grundsätzlich Sinn, hatte Neeb zuvor betont. Die Verwaltung soll nun die Kosten eruieren und die Maßnahme in den Katalog für 2022 aufnehmen.

Vereidigung von Ortssprechern

Vier neue Ortssprecher wurden inzwischen gewählt. Drei davon konnte Neeb vereidigen: Andreas Morgenroth vertritt neu den Stadtteil Autenhausen, auch Walter Bartsch ist als Vertreter Hattersdorfs erstmals dabei. Weiterhin für die Belange seines Heimatorts Unterelldorf setzt sich Bernd Schleicher ein. Verhindert war der neue Ortssprecher von Merlach, Thomas Bösel.

In ihren Ämtern bestätigt wurden der neu gewählte Kommandant der Feuerwehr, Christian Schirling, und sein Stellvertreter Gerhard Eiermann.