"Wir werden alles versuchen, um es Coburg so schwer wie möglich zu machen", kündigte Kapitän Dennis Marquardt vom TSV Bayer Dormagen vor der Partie an. Trainer Jörg Bohrmann stufte den HSC sogar richtig hoch ein: "Coburg zählt zu den stärksten Mannschaften der 2. Bundesliga, hat das Potenzial, um am Ende mit vorne zu stehen." Am Samstag war davon aber wenig zu sehen.

Coburg stand nämlich nach der 29:33-Niederlage erst einmal mit leeren Händen da. Jan Gorr kann es wohl schon fast nicht mehr hören, dass sich Coburg's Gegner Woche für Woche zum Außenseiter machen und dann groß aufspielen. Das tat Bayer Dormagen nämlich.
Coburg machte es ihnen aber auch allzu leicht: "Wir haben viel zu viele einfache Fehler gemacht", so ein enttäuschter Trainer Jan Gorr.

Roth muss passen

Der hatte die am Ellenbogen angeschlagenen Florian Billek (zehn Treffer) und Dominic Kelm dabei, musste dafür aber auf Sebastian Roth verzichten, der an einer Rückenverletzung laboriert. Deshalb wurde Anton Lakisa auf die Spielerliste gesetzt, quasi als Absicherung.

Die Coburger brachten den linken Rückraumspieler der gastgeber, Bettin, zu keinem Zeitpunkt unter Kontrolle. Im Angriff lief es auch nicht. Einige Fehlversuche, weil viel zu schnell abgeschlossen wurde, hatten zur Folge, dass die Gastgeber aus dem 1:3 ein 6:4 machten, ein erstes klares Zeichen für einen schwachen HSC-Tag.

Torwart-Wechsel half auch nicht

Der HSC hatte Probleme mit der teils sehr offensiv ausgerichteten Abwehr des TSV, die immer wieder Lücken bot. Die nutzte der HSC viel zu selten, ganz im Gegensatz zu Bettin auf der anderen Seite, der sich die Ecke viel zu oft aussuchen konnte. Coburg verschob auch in der Deckung nicht energisch genug. Jeder Wurf war für den TSV bis zum 10:7 (18.) ein Treffer, da nutzte auch ein Torwart-Wechsel von Oliver Krechel auf Havard Martinsen nichts.

Zudem hatte Coburg Glück, dass Ronny Göhl beim 8:7 bereits seinen zweiten Siebenmeter im Nachwurf verwandelte, sonst wäre Dormagen schon weiter enteilt gewesen.

Aber das unkonzentrierte Angriffsspiel der Coburger mit zu vielen Einzelaktionen fand seine Fortsetzung. In Richtung Kreis ging kaum etwas, doch hier hätte man auch öfters Foulspiel für Dominic Kelm entscheiden können, der meist schon gehalten wurde, lange bevor ein Ball in der Nähe war.

Hinten musste Coburg nach 23 Minuten bereits den siebten Treffer von Bettin hinnehmen. Spätestens jetzt tobte Jan Gorr an der Seitenlinie, aber das nutzte nichts, Dormagen ging mit einer verdienten Führung in die Pause.
Direkt nach Wiederanpfiff vergab Andersson auch den dritten Strafwurf für den HSC, diesmal gab es auch keine Option für den Nachwurf, kurz darauf brach Matthias Gerlich dann doch den Siebenmeter-Bann zum 17:16. Immer wieder gab es unerklärliche Ballverluste auf Seiten der Coburger, die trotzdem dran blieben, aber auf eine Führung vergeblich warteten.
Endlich war auch Oliver Krechel einmal zur Stelle, parierte drei freie Bälle. Aber das Motto an dem Tag war - wie gewonnen, so zerronnen. Die Chancen zur ersten eigenen HSC-Führung wurden verspielt.

Chance zur Führung verspielt

Viel besser war die Abwehrarbeit auch jetzt noch nicht, immer wieder brauchten die Gastgeber nur mit Dampf zu kommen, Coburg fehlte es weiter an der Übersicht, auch um Pässe an den Kreis zu unterbinden.

Hinzu kam auch noch Pech mit Pfostentreffern, aber Dormagen präsentierte sich weiter mit sehr guter Spielanlage, immer mit Auge für den Mitspieler und spätestens beim 28:24 (53.) musste ein an dem Tag schwacher HSC, für den weder Till Riehn noch Philipp Seitle diesmal das Heft in die Hand nehmen konnten, anerkennen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
Da nutzte es auch nichts, dass Coßbau Bettin kurz wegnahm. Es blieb immer noch Dormagens Ideengeber Dennis Marquardt, mit sehenswerten Anspielen an den Kreis und die Effektivität des TSV bei der Chancenverwertung. Zwar nicht mehr ganz so hoch wie in den ersten 30 Minuten, aber für einen Sieg über den HSC an diesem Tag völlig ausreichend.