Es ist fast auf den Tag genau sechs Jahre her. Am 21. September 2014 ist Dieter Kurth auf der Kegelbahn in Gompertshausen in Thüringen an einem Sonntagvormittag plötzlich umgefallen und wäre fast gestorben. Einen Tag zuvor stand er noch für die SpVgg Oberfranken Bayreuth im Regionalligaspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth an der Außenlinie. Warum der "Fußball-Narr" immer noch vom Trainervirus infiziert ist und große Lust verspürt, mit dem Bezirksliga-Spitzenreiter SC Sylvia Ebersdorf Berge zu versetzen, wollten wir von dem am Dienstag 58 Jahre alt gewordenen Ex-DDR-Oberligaspieler wissen. Aber nicht nur das.

"Der Fußball hat mein Leben schon immer begleitet und gehört einfach dazu. Ich arbeite sehr gerne mit jungen Menschen zusammen, freue mich, wenn ich mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben kann", klärt er gleich zu Beginn des Gespräches auf. In der Zeit des Corona-Lockdowns habe er gemerkt, wie sehr ihm der Kontakt und der Austausch mit den Jungs und den vielen Leuten im Verein tatsächlich fehlt.

Herr Kurth, wie geht es Ihnen? Was macht das Herz?

Dieter Kurth: Ich war erst letzte Woche zum jährlichen Rundum-Check in Bad Neustadt und habe den "Herz-TÜV" erfolgreich bestanden. Es wurden keine gravierenden Mängel festgestellt. Ich fühle mich wohl und mir geht's sehr gut.

Haben Sie keine Angst mehr von einem erneuten Herzinfarkt? Schließlich ist doch auch die Zeit in der Bezirksliga mit dem SC Sylvia Ebersdorf ziemlich stressig. Sie wollen ja mit Ihrem Team in die Landesliga aufsteigen, oder?

Gesundheit ist natürlich das Wichtigste für einen Menschen überhaupt. Gerade erleben wir, wie eine Pandemie unsere Gesellschaft, die gesamte Welt und den Umgang miteinander beeinflusst. Es wird noch länger dauern, bis wir unser normales Leben wieder zurückhaben. Verantwortungsbewusstsein und Beachtung bestimmter Regeln helfen dabei. Ich versuche den Stressfaktor im Rahmen zu halten, ertappe mich aber schon ab und an dabei, dass ich mich sinnlos aufrege.

Über was zum Beispiel?

Wenn der Fußballverband die Vereine ständig hinhält und den Spielbetrieb immer weiter nach hinten verschiebt.

Sie sind uns noch eine Antwort schuldig ...

... ach ja. Selbstverständlich peilen wir den Aufstieg mit Sylvia Ebersdorf an und werden in die Restrunde alles reinlegen.

Wie haben Sie sich auf den Wiederbeginn vorbereitet?

Nach Freigabe des Trainings haben wir uns zuerst in kleinen Gruppen getroffen, nur um erstmal wieder zu kicken. Nachdem der Re-Start für das erste September-Wochenende angekündigt war, haben wir ab 20. Juli eine Vorbereitungsperiode geplant und begonnen. Es hat natürlich gedauert, bis die Jungs nach vier Monaten ohne Training wieder einigermaßen belastbar waren. Ich habe bewusst auf Gewichtskontrollen verzichtet.

Ist die Motivation der Spieler vergleichbar mit der in der Zeit vor Corona? Oder mussten Sie einige Ihrer Jungs erst aus dem Sommerschlaf wecken?

Nachdem unser geplanter Beginn nochmals verschoben wurde, hat man schon den Frust und die Enttäuschung bei vielen gemerkt. Wir wollen endlich wieder um Punkte und vor Zuschauern spielen. Für unsere Amateur-Vereine sind diese Einnahmen und der Wettkampfbetrieb unersetzlich. Die Motivation, nur zu trainieren und Testspiele ohne Zuschauer durchzuführen, ist sehr gering.

Viele Jungs verlieren einfach die Lust. Nur ein Beispiel aus unserem Verein: Spieler, die aus der Jugend in den Herrenbereich hätten wechseln können, hören auf, weil ihnen die Motivation und der Antrieb fehlen.

Aber nachdem letztens die Fortsetzung der unterbrochenen Runde offiziell bestätigt wurde, kommt jetzt richtig Zug rein. Alle sind heiß auf das erste Punktspiel nach der langen Pause. Ich werde am Wochenende - vorausgesetzt es verletzt sich kein Spieler mehr - bei der Aufstellung die Qual der Wahl haben. Unsere Testspiele waren ordentlich und es ist ein gesunder Konkurrenzkampf entstanden.

Zum Hygienekonzept: Wie sieht das in Ebersdorf genau aus? Was müssen die Zuschauer beachten?

Unser Hygienekonzept richtet sich natürlich nach den Vorgaben des Bayerischen Fußball-Verbandes. Auf unserer Anlage am Hügelsee haben wir den Vorteil, dass wir alles sehr gut umsetzen können. Unsere Vorstände Gerd Friedrich und Hans-Günter Siller haben in Zusammenarbeit mit unseren Helfern sehr gute Arbeit geleistet.

Die Testspiele der letzten Wochen haben gezeigt, dass es bei Beachtung der geltenden Regeln funktionieren kann. Wir rechnen mit vielen Zuschauern, aber leider dürfen nur 200 reingelassen werden. Wir wollen natürlich unsere gute Tabellenposition ausbauen. Viele Fans haben zuletzt immer wieder gefragt, wann es endlich weitergeht.

Hauptsponsor Stefan Finzel ist nicht nur großzügig, sondern gilt auch als Visionär. Was haben Sie in den nächsten Jahren noch alles vor mit der Sylvia? Kann der Klub in die Fußstapfen des kriselnden Nachbarn VfL Frohnlach treten?

Unser Hauptsponsor Finori, vertreten durch die Familie Finzel, hat einen großen Anteil an der Entwicklung von Sylvia Ebersdorf. Eine erfolgreiche Firmen-Philosophie und erfolgreiches nachhaltiges Wirtschaften zeichnen die Firma aus. Stefan Finzel begeistert mich immer wieder mit seinen Ideen und Visionen. Manchmal müssen wir ihn zwar etwas bremsen, sind ihm aber für seine Unterstützung sehr dankbar. Der Aufstieg in die Landesliga ist unser aller Ziel. Dort mitzuhalten und sich zu etablieren, wird nicht einfach. An höhere Spielklassen denkt im Verein derzeit niemand.

Stimmt Sie die Entwicklung Ihres ehemaligen Klubs VfL Frohnlach traurig? Den "Blauen" droht nach der Serie das Aus ...

Der VfL Frohnlach wird auf lange Zeit der erfolgreichste Fußballverein der Region bleiben. Die Erfolge der glorreichen Jahre werden schwer zu erreichen sein. Mir blutet ehrlich gesagt das Herz, wenn ich die Entwicklung beim VfL sehe. Ich hatte das große Glück nach der politischen Wende in Frohnlach eine berufliche und sportliche Heimat zu finden. Ich war sowohl als Spieler und später als Trainer erfolgreich und wünsche mir, dass die aktuelle Situation gemeistert wird.

Aber zurück nach Ebersdorf. Wie sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?

Wir haben aktuell einen sehr guten Kader beisammen. Mich freut vor allen Dingen, dass unsere jungen Spieler sehr engagiert und lernbegierig sind. Mit Michael Eberhardt haben wir im sportlichen Bereich einen absoluten Fachmann dazugewinnen können, und wir werden weiterhin auf junge entwicklungsfähige Talente schauen. Über Ergänzungen des Kaders reden wir zu gegebener Zeit. Wie gesagt, zur Landesliga ist es noch ein weiter Weg.