Clotilde und Pierre verfolgen einen perfiden Plan. Sie wollen altgediente, aber längst lästig gewordene Freundschaften stilvoll beenden, um auf diese Weise in ihrem eng getakteten Terminplan mehr Zeit füreinander zu gewinnen. Ihre vermeintlich geniale Idee: Ein Abschiedsdinner, bei dem die Eingeladenen freilich nicht wissen, dass es das letzte gemeinsame Dinner ist, soll zum Finale für eine 30-jährige Freundschaft werden.

Flotter Auftakt

Als Coburger Erstaufführung im Landestheater bildet das 2014 uraufgeführte Erfolgsstück "Das Abschiedsdinner" von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière den Auftakt der Schauspielsaison - ein flotter Auftakt, der davon erzählt, wie raffinierte Pläne doch keine Garantie dafür bieten, dass alles so läuft, wie ursprünglich geplant.

Schon der Beginn dieses Abschiedsdinners läuft für Clotilde (Eva Marianne Berger) und Pierre (Frederik Leberle) ganz anders, als gedacht. Denn statt gemeinsam mit Bea steht am Abend des Abschiedsdinners Antoine allein vor der Tür. Mehr noch: Antoine durchschaut nur allzu rasch den Zweck dieses nicht Abschiedsdinner genannten Dinners.

Spielfreudiges Darsteller-Trio

Ein Kammerspiel für ein spielfreudiges Darsteller-Trio, das aus der Spannung von innerer Nähe und äußerer Distanz unter dem Diktat der Corona-Abstands-Regeln beachtliche Sogwirkung erzählt - so bringt Gastregisseur André Rößler das Stück des Autorenduos auf die Coburger Bühne.

Verbale Handgreiflichkeiten

Simone Grassmann liefert Rößler dazu mit ihrer Ausstattung den perfekt passenden Rahmen - eine kühle Wohnungskulisse, die zum Schauplatz eines Ringens mit Worten wird und mit einem großen Bildschirm in der Mitte der Bühne die Möglichkeit für witzige Einspieler bietet.

Das Abschiedsdinner, das zum Abgesang auf eine eigentlich längst überlebte Freundschaft wird - für dieses Darstellertrio wird es zur furios genutzten Gelegenheit, temporeiche Spielfreude zu demonstrieren, allem äußeren Abstand zum Trotz. Denn die verbalen Handgreiflichen, die Clotilde, Pierre und Antoine austauschen, sind schmerzhafter als jeder körperliche Angriff es sein könnte. Dieses Coburger Abschiedsdinner - es erzählt auf pointenreiche und amüsante Weise davon, wie Pierres Vorhaben, einen alten Freund stilvoll abzuservieren, unweigerlich zum Scheitern verurteilt ist.

Denn Pierres Traum, sich endlich einmal heldenhaft durchzusetzen im Freundschafts-Alltag, muss ein Traum bleiben. Das dürfte ihm reichlich Ärger mit Clotilde bescheren, wenn sich der imaginäre Premieren-Vorhang geschlossen hat. Dem ausdauernd applausfreudigen Publikum im Landestheater aber beschert es einen Theaterabend, der endlich wieder befreiendes Lachen zulässt - trotz Corona, in manchen Szenen auch über Corona.

Start in die Schauspielsaison am Landestheater Coburg

Theater-Tipp "Das Abschiedsdinner (Un dîner d'adieu)"

von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière, Deutsch von Georg Holzer

Besetzung

Inszenierung: André Rößler; Bühne und Kostüme: Simone Grassmann; Dramaturgie: Fabian Appelshäuser

Darsteller

Clotilde - Eva Marianne Berger

Pierre - Frederik Leberle

Antoine - Nils Liebscher

Termine 24. Oktober, 12. November, 19.30 Uhr; Tickets an der Theaterkasse red