Das ist kein Schauplatz, wo die Hoffnung wohnt. Die letzten Reste friedlichen Lebens, Sessel, Stühle, verloren in der düsteren Landschaft, bieten keinen Rückzugsraum mehr vor den metallen schillernden Palisaden des Krieges, die in die schwarze Höhe ragen. Die Männer, allesamt Kriegsgesichter, gehen ihren "Geschäften" nach, die drei Frauen finden keinen Platz mehr. Torsten Schilling zeigt in Gabriele Wasmuths untergehender Welt auf der Bühne des Landestheaters Coburg Friedrich Schillers "Wallenstein"-Trilogie, wirkungsvoll auf einen Abend zusammengezogen, zu drei Stunden packenden Theaters, welches das Landestheater als seinen Anteil zum Reformationsjubiläum bietet. -


Keine Angst vor "Wallenstein". Die letzte große Produktion dieser Saison bietet noch einmal großes Theater. Atmosphärisch dicht, keinesfalls niederdrückend trotz des die Seelen verheerenden Kriegsszenarios, sondern das Innere beleuchtend, reflektierend, mit eindringlichen, Ehrfurcht gebietenden Worten mahnend, sogar aufrichtend. Schiller eben. Gastregisseur Torsten Schilling gelang das Mammutwerk, in vereinter Kraft mit einem überzeugenden Coburger Schauspielensemble, sprachlich klar, so dass man mühelos folgen kann.


Es ist Krieg, 30-jähriger Krieg, und ich begehre nicht schuld daran zu sein (Matthias Claudius). Schiller analysiert und gibt Einblick mit dramatischer Wucht. Und Torsten Schilling vergegenwärtigt die Gefahr, die Folgen menschlicher Selbstüberhebung, an historischem Beispiel, ohne uns mit der Nase ins Heutige zu stoßen.


"Wallensteins Lager" abstrahiert Schilling in einem alles andere als niedlichen Puppenspiel, dargeboten von Eva Marianne Berger, Kerstin Hänel und Alexandra Weis, später dann Wallensteins hilflos ausgelieferte Ehefrau, die sich in die Männerwelt einmischende Gräfin Terzky und Thekla, das unschuldige, verlorene Kind Wallensteins verkörpernd. Die Situation wird dargelegt, die Welt ist nur noch zu unterscheiden in das, was zur Armee gehört und was nicht zur Armee gehört. Der geniale Feldherr Wallenstein wird geradezu mythisch verehrt.


Die Stärke von Schillings (mit Carola von Gradulewski erstellter) stark gestrichener Fassung liegt nicht nur in der spannenden Erzählstruktur, die bruchlos über "Die Piccolomini" zu "Wallensteins Tod" führt. Sie schafft Raum für die verschiedenen Beziehungskonstellationen, was diesen Theaterabend erst so vielschichtig und tief wirken lässt.


Frederik Leberle ist ein eindrucksvoller, zwar zweifelnder, aber keineswegs mehr wirklich suchender Wallenstein: "Das Heer ist mir Sicherheit, die Macht ist mein." Und: "Mein Name ist Wallenstein. Wer sollte sich mir nähern?" Er meinte es durchaus einmal gut, schreckt aber in seinem Größenwahn, in seiner Verblendung nun vor keiner Anmaßung, vor Verrat mehr zurück. Ihm ist nicht mehr zu helfen.


Eindrucksvolle Gestalten

Erschreckend, unter die Haut gehend sind die Gestalten um ihn herum, wie sie das Coburger Ensemble zeigt. Wallensteins heimlicher Gegenspieler Octavio Piccolomini wird von Niklaus Scheibli als Machtstratege vom gleichen Format gezeigt, der hinter Wallensteins Rücken mit dem Gesandten des Kaisers (Thomas Straus) Ränke schmiedet. In der Auseinandersetzung mit seinem Sohn Max wird beider Tragödie sichtbar.


Max wiederum, lodernd, schmerzlich, dargestellt von Benjamin Hübner, ein von Wallenstein und dem Leben als Krieger überzeugter Junger, begegnet in der Liebe zu Thekla dem eigentlichen Leben. Er wehrt sich gegen die lügenhaften Verstrickungen. Der Weg muss grad sein, sagt er zum Vater wie zum Feldherrn, weshalb seiner noch vor den anderen im Tod endet. Nils Liebscher als Graf Terzky, Ingo Paulick als Illo, Oliver Baesler als Isolani und Stephan Mertl als gekränkter, mörderischer Buttler sind die unterschiedlichen Charaktere in Wallensteins Kriegswelt, eine in sich funktionierende, abgehobene Gesellschaft, für die nichts anderes mehr zählt, als dass der Krieg den Krieg ernährt.-
's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre...



Die Dramentrilogie an einem Abend

Landestheater Coburg "Wallenstein". Dramentrilogie von Friedrich Schiller. Inszenierung Torsten Schilling, Bühnenbild und Kostüme Gabriele Wasmuth, Dramaturgie Carola von Gradulewski, Guido Huller

Darsteller Wallenstein: Frederik Leberle, Herzogin von Friedland: Eva Marianne Berger, Thekla: Alexandra Weis, Octavio Piccolomini: Niklaus Scheibli, Max Piccolomini: Benjamin Hübner, Gräfin Terzky: Kerstin Hänel, Graf Terzky: Nils Liebscher, Illo: Ingo Paulick, Buttler: Stephan Mertl, Isolani: Oliver Baesler, Questenberg/Wrangel Thomas Straus

Weitere Termine 29. Juni, 7., 12. Juli, 19.30 Uhr