Mit einem Knall wurde gestern das neue Artilleriemuseum auf der Veste Coburg eröffnet - wie denn auch sonst. Der von der Coburger Schützengesellschaft abgeschossene Auftaktböller machte weithin hörbar, dass die Kunstsammlungen jetzt "den Kern einer Burg revitalisiert haben", so Direktor Klaus Weschenfelder, wie ihn die Besucher erleben wollten.
"Coburg bekommt seine Kanonen wieder", freute sich Oberbürgermeister Norbert Tessmer. Bei der Eröffnung der neuen Dauerausstellung unter dem Titel "Gebt Feuer! - Artillerie sehen und erleben", zu welcher der Musikverein Beiersdorf im Hof spielte, stiegen sich auf der jetzt sogar barrierefrei zugänglichen, mit modernsten museumspädagogischen Mitteln ausgestatteten Gedeckten Batterie gestern zahlreiche Gäste auf die Füße, so groß war das Interesse an der Wiederpräsentation der "Coburger Kanonen"; allerdings nicht auf die Füße von Finanzminister Markus Söder (CSU), zu dessen Haus die Bayerische Schlösserverwaltung und damit die Veste Coburg gehört. Der hatte wegen anderweitiger Verpflichtung den Amtschef des Heimatmuseums geschickt.
Ministerialdirektor Harald Hübner aus Nürnberg verwies darauf, dass man "relativ viel Geld" in die Hand genommen habe, um diese 400 Quadratmeter große Plattform zu schaffen und mit einem modernen Treppenhaus zugänglich zu machen. Der Freistaat werde sich weiter engagieren mit der Verbesserung der Parkplatzsituation und der Zugänglichkeit der Burgschänke. Außerdem biete dieser Museumsstandort jetzt auch sicheren W-Lan-Zugang für die Besucher.
Als Hauptsponsor zeigte Vorstandsvorsitzender Karl Heinz Kipke auf, wie der Begriff Artillerie bis heute intensive Verwendung findet. Es sei ganz im Sinne der Gründer der Genossenschaftsbank, wenn ihr heutiges Engagement für die Region dazu helfe, aus den guten Zeiten von heute in die historischen Hintergründe zu blicken.


Historische Artilleristen

Auch Klaus Weschenfelder verwies mit seinem Rückblick auf die Geschichte der Bewaffnung der Veste Coburg darauf, dass es mit der effektvollen Präsentation der elf Coburger Kanonen in diesem luftigen Wehrgang hoch über der Stadt vor allem darum geht, ihre ursprüngliche Bedeutung wieder spürbar werden zu lassen.
"Der besondere Trumpf dieses neuen Museums ist das alltägliche Material aus der Sammlung der Veste", so Weschenfelder. Mit den unterschiedlichen Kugeln, einer Vielzahl von technischem Gerät, den Medienstationen und geschickter Präsentation werden die eigentlichen Zusammenhänge verdeutlicht.
Höhepunkt ist sicherlich die eindrucksvolle Projektion über einer tatsächlichen Kanone, in der die "Artillerie des Fränkischen Kreises 1757 - 1763" Schritt für Schritt die Vorbereitung und Benutzung einer Kanone vorführt. Mit dieser Historiengruppe aus der Nachbarstadt würden doch tatsächlich jetzt die Kronacher die Veste Coburg erobern, so süffisant Klaus Weschenfelder. Großes Lob und Bewunderung galten den eigentlichen Ausstellungsmachern: Alfred Geibig als Experte für historisches Kriegsfeuerwerk für sein eingängiges fachliches Konzept, Restaurator Heiner Grieb und Museumsgestalter Josef Starkl für seinen darstellerischen Einfallsreichtum.



"Gebt Feuer!
Artillerie sehen und erleben": Elf große historische Geschütze und 130 weitere zum Teil noch nie ausgestellte Exponate, darunter Mörser, Granatgewehre, Visiereinrichtungen, Lade- und Zündzubehör und Spezialmunition werden in dem neu geschaffenen Artielleriemuseum auf der Veste Coburg präsentiert. Medienstationen mit Videoclips unterstützen die Darstellung der Geschichte der pulverbetriebenen Artillerie. Für die neue Dauerausstellung wurde die Gedeckte Batterie in einer aufwendigen Baumaßnahme als überdachte historisierende Kanonen-Plattform im inneren Ringmauerverlauf mit Treppenhaus und Aufzug zugänglich gemacht.

Finanzierung Die Gesamtkosten in Höhe von 330 000 Euro trugen als Hauptsponsor die VR-Bank Coburg-Rennsteig (50 000 Euro), das Bayerische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der Europäische Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes ( 179 000 Euro), die Oberfrankenstiftung (49 000 Euro), die Bayerische Landesstiftung (19 000 Euro), die Coburger Landesstiftung und die Kunstsammlungen der Veste Coburg (33 000 Euro).