Ein ungewöhnlicher Neubau am Ortsrand, ökologisch aus Holz und Lehm errichtet. Mit vielen großen Fenstern, die den Blick auf den nahen Wald und die Burgruine Straufhain gleich hinter der Landesgrenze zu Thüringen ermöglichen. Das Heim, das Mirka und Jürgen Schröder im kleinen Bad Rodacher Stadtteil Rudelsdorf gebaut haben, erinnert nicht von ungefähr an die Scheunen, die es umgeben. "Wir hatten auch optisch den Anspruch, uns hier im Dorf einzufügen", sagt die Hausherrin. Für das gelungene Ergebnis wurden die Schröders am Mittwoch mit dem Baukulturpreis 2020 der Initiative Rodachtal (IR) ausgezeichnet.

"Das Haus hat eine Form, die zum ländlichen Raum passt", lobte Ummerstadts Bürgermeisterin Christine Bardin. "Um aus Bauen und Wohnen tatsächlich Baukultur zu machen, müssen viele Dinge zusammenkommen", fügte die Architektin hinzu. Dinge, die bei dem vom Studio Gründer Kirfel (Schloss Bedheim) entworfenen Anwesen offensichtlich passten, das von den Bauherren selbst umgesetzt wurde. Immerhin wurde mit dem Anwesen Rudelsdorf 26 zum ersten Mal ein Neubau prämiert. "Das Beispiel zeigt, wie Innenorte vital bleiben und durch das Füllen von Lücken abgerundet werden können", meinte Ahorns Bürgermeister Martin Finzel, der sich mit Bardin den Vorsitz der IR teilt. Bad Rodachs Bürgermeister Tobias Ehrlicher sagte: "Gerade in den kleinen Stadtteilen ist es wichtig, dass sich auch junge Familien integrieren wollen." Den Schröders sei dies vorbildlich gelungen.

Ein ehemaliges Kloster

Den Preis wie das Preisgeld in Höhe von insgesamt 4000 Euro teilt sich das Ehepaar Schröder mit Michael Hunstock aus Heldburg. Über 15 Jahre hat Hunstock ebenso behutsam wie aufwendig das um 1600 erbaute ehemalige Kloster in der Reitbahn 115 saniert. Sein 14-jähriger Sohn Albert, mit dem er das Anwesen bewohnt, war noch gar nicht geboren, als Hunstock es 2004 erwarb. Die gesamte Hofanlage in Fachwerkbauweise, die an die Stadtmauer grenzt, zählt als Einzelkulturdenkmal zum Denkmalensemble "Historische Altstadt Heldburg". Zum Wohnhaus gehören Scheunen aus dem 16. und 18. Jahrhundert. Letztere wurde zu einer Praxis für Physiotherapie und Osteopathie umgebaut. Das Besondere am Dreiseithof ist das Natursteinerdgeschoss mit Rundbogentür am Haupthaus, das eine ehemalige Feuerstelle und einen großen Flachbogen beherbergt.

Bereitgestellt wurde das Preisgeld - wie seit der Schaffung des Baukulturpreises 2016 - von der VR-Bank Lichtenfels-Ebern. Bei Vorstand Hans-Joachim Autsch rannte die Initiative Rodachtal "offene Türen ein", wie er gestand: Selber hat der Weidhausener über 15 Jahre ein altes Bauernhaus renoviert. Beworben um den Preis hatten sich elf Objekte aus neun Mitgliedskommunen.