Neun Jahre nach Abschluss der Bauarbeiten für die A73 im Coburger Land kommt in die Pläne für den Bau einer Raststätte auf Gebiet der Gemeinde Meeder Bewegung. Auf Tageblatt-Nachfrage hat jetzt Edith Kolarik, Pressesprecherin der Autobahndirektion Nordbayern, einen Termin bestätigt: "Ein Baubeginn lässt sich frühestens für das Jahr 2020 absehen."
Wie die Raststätte mit herrlichem Blick über das Coburger Land aussehen soll, steht ja zumindest in groben Zügen schon fest. Vor gut drei Jahren haben das Bundesverkehrsministerium, die Oberste Baubehörde in München und die Autobahndirektion Nordbayern gemeinsam einen Architektenwettbewerb zur Gestaltung der Raststätte ausgeschrieben. Diesen gewann ein in Kooperation entstandener Entwurf der Brugger-Landschaftsarchitekten (Aichach) und des Ingenieurbüros Mayr (Untergriesbach). Diese haben jetzt den Auftrag bekommen, die Vorentwurfsplanung mit Schwerpunkt in diesem Jahr zu erstellen. Wie es dann weitergeht, erläuterte Kolarik auch: "Nach dessen Genehmigung werden die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren aufbereitet, mit dem Baurecht geschaffen werden soll."


Klagen sprengen den Zeitplan

So ein Planfeststellungsverfahren ist aber kein Schnellschuss. Im Rahmen dieses aufwändigen Verfahrens wird die Öffentlichkeit beteiligt. Das heißt: Alle Betroffenen und Beteiligten bekommen die Gelegenheit, zur Planung Stellung zu nehmen. Dazu gehört auch die Gemeinde Meeder, wo Bürgermeister Bernd Höfer (CSU) dem Projekt optimistisch entgegen blickt. Er geht davon aus, dass sich der Gemeinderat mehrheitlich für das Projekt aussprechen wird - zumindest sei dies die Tendenz, die in den Fraktionsbesprechungen zu erkennen sei. In Meeder wartet man auch deshalb auf den Raststätten-Bau, weil dieser für Infrastruktur der Gemeinde wichtig ist. Bernd Höfer erwartet "eine nicht unerhebliche Leistung zur Finanzierung unserer Kläranlage in Kösfeld", wenn die Raststätte gebaut wird. Irgendwo müsse das Abwasser der Anlage ja hin, da dürfte der Anschluss ans Ortsnetz in Drossenhausen einzige Möglichkeit sein.
Weil ein Planfeststellungsbeschluss rechtssicher sein sollte, geht die Autobahndirektion davon aus, dass frühestens im Jahr 2020 mit dem Bau der Raststätte begonnen werden kann. Dieser Zeitplan dürfte aber nur einzuhalten sein, wenn keiner der Betroffenen juristisch gegen den Planfeststellungsbeschluss vorgeht. Auch der Bürgermeister weiß um diese Ausgangslage: "Wenn eine Rastanlage vor die Türe gesetzt wird, dann ist sicherlich auch Unsicherheit und folglich Protest zu erwarten." Zudem sei der Eingriff in die Landschaft und Natur nicht unerheblich, wobei Höfer in diesem Punkt auf den Wettbewerb zur landschaftsplanerischen Gestaltung verweist. Dieser werde sicher in das Planfeststellungsverfahren mit einfließen.
Zweifel an der Notwendigkeit für den Bau einer Raststätte gibt es bei den Fachbehörden nicht. Nach den Grundsätzen, die das Verkehrsministerium für Autobahnen festgelegt hat, sollen Autofahrer alle 50 bis 80 Kilometer die Möglichkeit haben, eine Tank- und Rastanlage anzufahren. Wer schon einmal auf der A 73 zwischen Nürnberg und Suhl unterwegs war, weiß: Auf der gesamten Strecke gibt es keine derartige Möglichkeit. Nimmt man den Standort der geplanten Rastanlage "Lange Berge" als Fixpunkt, liegt die nächstgelegene Raststätte an der A 71 am "Geraberg" - also 71 Kilometer weit weg.


Regional liegt im Trend

Immerhin: Was das Angebot von Parkplätzen mit Toilette (Fachbegriff: PWC-Anlage) betrifft, ist die A 73 schon besser ausgestattet. Etwa 15 Kilometer von den "Langen Bergen" in Richtung Lichtenfels entfernt liegt der PWC "Coburger Forst", er wurde 2007 eröffnet. In Fahrtrichtung Suhl haben die Autofahrer die Gelegenheit, nach elf Kilometern nördlich von Eisfeld eine "Pinkelpause" einzulegen. Dies entspricht voll und ganz den Richtlinien für Autobahnen: Dort steht, dass solche Anlagen alle 15 bis 20 Kilometer zur Verfügung stehen sollen.
Angesichts der Bedeutung der Rastanlage für die A 73 dürfte sie nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens schnell in Angriff genommen werden. Das Berliner Bundesverkehrsministerium rechnet mit rund zehn Millionen Euro Baukosten für die Verkehrs- und Freiflächen, die Gebäude der Raststätte und der Tankstelle sind da noch nicht einmal mit dabei. Gesichert ist die Finanzierung - im Jahr der Verwirklichung über den Bundeshaushalt.
Noch offen ist momentan die Struktur der Raststätte, bei der es immer hieß, sie solle Vorbildcharakter bei der Vermarktung regionaler Produkte bekommen. Nach der Privatisierung der deutschen Raststättenbetriebe vor über 20 Jahren werden die Konzessionen für den Bau und den Betrieb der Autobahnnebenbetriebe europaweit in einem öffentlichen und wettbewerblichen Verfahren ausgeschrieben - deshalb können sich alle geeigneten Unternehmen um eine Konzession für eine Raststätte bewerben. Inzwischen zeigt die Erfahrung beim Betrieb der Raststätten, dass die Pächter gut damit fahren, wenn sie auf die regionale Schiene setzen. Deshalb geht man beim Bundesverkehrsministerium davon aus, dass dies auch in Drossenhausen der Fall sein wird.