Links und rechts neben Michael Stoschek sitzen die beiden Neuzugänge von Brose Bamberg: Trainer Johan Rojakkers, seit Mittwoch vergangener Woche Trainer des neunfachen deutschen Basketballmeisters, und Philipp Galewski, seit Montag Geschäftsführer des oberfränkischen Bundesligisten. Beide hören genau zu, als der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins das Ziel für die neue Saison formuliert: "Wir haben einen Etat zur Verfügung, mit dem sich im Vorderfeld der Liga Basketball spielen lässt. Die Vorgabe lautet daher wie in den vergangenen Jahren das Erreichen des Halbfinales."

Roijakkers und Galewski sollen es besser machen als Roel Moors und Arne Dirks, mit deren Arbeit die Bamberger Vereinsführung offenkundig nicht zufrieden war und daher gehen mussten. Das gleiche Schicksal hatte im Jahr zuvor Coach Ainars Bagatskis und Sportdirektor Ginas Rutkauskas ereilt. Nun stellt sich Brose Bamberg personell ein weiteres Mal neu auf.

Über die Gründe, warum Dirks seinen Posten räumen musste, äußert sich Stoschek nicht. "Es ist Stillschweigen vereinbart worden, und das ist auch gut so. Ich bedauere, das wir die Zusammenarbeit beenden mussten", sagt er. Er lässt sich immerhin die Aussage entlocken, dass der Vertrag mit Dirks aufgelöst worden sei. Der geschasste Geschäftsführer hatte vor Beginn der vergangenen Saison mit Moors und Sportdirektor Leo De Rycke ein Duo aus Belgien verpflichtet, das die Brose-Basketballer im Verfolgerfeld der Branchengrößen Bayern München und Alba Berlin etablieren sollte. Nach einer weiteren enttäuschendem Saison mit dem Viertelfinal-Aus beim Bundesliga-Finalturnier in München sind die Bamberger derzeit aber nur Bundesliga-Mittelmaß. Ein Umstand, den auch De Rycke noch den Job kosten könnte. "Wir werden mit jeder Person sprechen und dann sehen, ob es zu einer weiteren Zusammenarbeit kommt", antwortet Stoschek auf die Frage, ob auch der Sportdirektor zur Disposition steht.

Weitere Abgänge zu erwarten

Zu erwarten sind weitere Abgänge im Trainerstab, da Roijakkers seinen Assistenten Hylke van der Zweep, Teammanager Domenik Theodorou und Statistic Scout Julian Meier aus Göttingen mit nach Bamberg nimmt. Für den langjährigen Co-Trainer Dominik Günther, Athletikcoach Sandro Bencardino und Teammanager Ivan Djerman läuft die Zeit bei Brose wohl ab.

"Sehr gut bestelltes Haus"

Obwohl die Bamberger Basketballer turbulente Tage hinter sich haben, meint Galewski, er habe ein "sehr gut bestelltes Haus" übernommen, in dem er sich schnell zurecht finden werde. "Ich habe ein sehr gutes Gefühl", sagt der 33-jährige. Der gebürtige Ansbacher hat am Dienstag bereits ein erstes Gespräch mit Roijakkers geführt, in dem beide die nächsten Schritte besprachen. Demnach sollen nach den Abgängen von Elias Harris und Louis Olinde zunächst die offenen "deutschen" Plätze im Kader besetzt werden. Ob Bryce Taylor weiter zu diesem, mindestens sechs Spieler umfassenden Kreis gehören wird, ist offen. Roijakkers will sich dazu nicht äußern und verweist auf Galeweski. Dieser meint nur: "Wir müssen zunächst einmal den Medizincheck abwarten." Taylor hatte sich im Februar einer Meniskusoperation unterziehen müssen.

Der 33-jährige Flügelspieler ist nur eine der Baustellen, die der neue Geschäftsführer abarbeiten muss. Auch im Nachwuchsbereich will er "Strukturen wieder aufbauen". Nach der Trennung vom bisherigen Kooperationspartner Baunach Young Pikes ist eine Zusammenarbeit mit dem ProB-Ligisten BBC Coburg geplant. Wie diese jedoch aussehen wird, ist noch offen, da die Coburger kein Farmteam der Bamberger sein wollen. Denkbar ist aber, dass die vielversprechendsten Talente aus dem Nachwuchsprogramm wie Kay Bruhnke oder Elias Baggette an die Coburger ausgeliehen werden oder mit einer Doppellizenz für sie spielen. "Nachwuchsarbeit ist immer ein Thema", sagt Galewski. Er bittet aber um Verständnis, nicht ins Detail gehen zu können, da er erst seit einem Tag im Amt sei.

"Aus Dämmerschlaf erwachen"

Der neue Geschäftsführer, der von 2014 bis 2018 in gleicher Funktion für den Ligarivalen Medi Bayreuth tätig war, will seinen Teil dazu beitragen, dass die Bamberger "aus ihrem Dämmerschlaf erwachen. Es war nicht mehr das Freak City der vergangenen Jahre. Wir müssen diese Marke wieder zum Strahlen bringen." Ähnlich formuliert es Rojjakkers: "Als wir mit Göttingen früher in Bamberg gespielt haben, hatte ich immer das Gefühl, schon mit 0:10 hinten zu liegen, wenn wir in die Halle kamen. Da müssen wir wieder hinkommen."