Er sang in Opernproduktionen und spielte fürs Wiener Salontheater den "Nackten Schubert". Gleich mit seiner Promotion übers "deutsche Dirnenlied" hatte Roger Stein für Aufsehen gesorgt, der mittlerweile auch mit literarischem Hip-Hop punktet. Kompositionen für Film und Fernsehen, Chanson- und Klassikfans schrieb der Wahlberliner, der 2006 den Preis der deutschen Schallplattenkritik für seine "Lieder eines Postmodernen Arschlochs" gewann. Und egal, an was er gerade arbeitet: Stein ist ein Querdenker, der kein Blatt vor den Mund nimmt, was ihm auch auf der Kabarettbühne Auszeichnungen sicherte. Wir sprachen mit dem Mann, der unaufgeregt seinen Weg geht, ohne sich in Schubladen zwängen zu lassen.

"Ungehorsam sein"

"Man sollte jeden Tag ein Stück weit ungehorsam sein, um Veränderungen anzustoßen", meint Roger Stein, der am 20.
März ab 20 Uhr im Club Kaulberg mit seinem Soloprogramm "Lieder ohne mich" zu erleben ist. Sich allen Regeln zu beugen und im Strom treiben zu lassen, kommt für den Sänger, Multiinstrumentalisten und Kabarettisten nicht in Frage, der mit Sandra Kreisler seit 2006 auch die Wortfront bildet: Ein Musikkabarettprojekt, das klassische Kammermusik mit Pop, Rock und Hip-Hop-Metrik verbindet. Auch Steins "Lieder eines Postmodernen Arschlochs" brachte die Wortfront unters Volks: "Das war damals noch radikale Gesellschaftskritik, während ich meine Meinung heute feiner und subtiler äußere", sagt der Komponist. Im 21. Jahrhundert bräuchte man eben neue Formen des Protests im Gegensatz zu Liedermachern der 70er Jahre, die auch auf der Bühne als Revolutionäre standen.

Ohne den Holzhammer

Wogegen wendet sich Stein also, ohne dabei den Holzhammer zu schwingen oder den moralischen Zeigefinger zu erheben? Die Entwicklung der Demokratie zur Lobbykratie beispielsweise. Regierungen, die am Willen des Volkes vorbeiregieren, sind dem Musiker ein Dorn im Auge. "Darüber rege ich mich auf der Bühne auf", sagt Stein, der mehr direkte Demokratie fordert. Wobei sich seine Kritik stets durch hintergründigen Humor auszeichnet, leisen Spott und - Optimismus. Auf diese Weise übt der Schweizer auch Gesellschaftskritik und regt zum Nachdenken an. Nehmen wir nur sein Lied über "Alfred" als Protagonisten, "dessen Leben in strahlendem Postkartenblau erscheint, bis sich der Mann in einen Mann verliebt".
Was brachte den Schweizer eigentlich dazu, sein Album "Lieder ohne mich" zu nennen? "Das liegt daran, dass ich Songs schreibe, die sich entwickeln - auch in Interaktion mit dem Publikum. Wie Kinder gehen die Lieder irgendwann eigene Wege", so Stein. An seinen letzten Bamberger Auftritt erinnert sich der Musiker übrigens noch sehr genau. "Ich war in dieser unglaublich schönen Stadt, in der es so regnete, dass mein Hund beim Spazierengehen fast weggespült wurde." Glücklicherweise gibt's an der Regnitz viele Möglichkeiten, Wolkenbrüchen zu entfliehen: "Ein Schäufele ist dann ein Muss."

Gegen die Vorschrift

Seinen treuen Vierbeiner schleuste Stein übrigens schon ungeniert in Hotels und Theater ein, in denen Hunde "streng verboten" waren. Wobei sich der Chihuahua stets ruhig verhielt und sein Herrchen nicht in Schwierigkeiten brachte. "Auch das ist schließlich ein Weg, ungehorsam zu sein und gegen's System zu opponieren."
br />
br />
br />
br />
br />