Das sind die ersten Ermittlungsergebnisse der Polizei, nachdem am Mittwoch Fahnder in Franken eine rechtsextreme Gruppe hochgenommen hatten.

Die Beschuldigten hätten in zwei Bamberger Unterkünften für Flüchtlinge unter anderem Sprengsätze werfen wollen, um Angst und Schrecken zu verbreiten, sagte Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Polizei und Justiz.


16 Kilo Sprengstoff aus Osteuropa bestellt

Das sogenannte Balkanzentrum in Bamberg stand demnach im Fokus der Anschlagsplanungen. Für die Taten hätten mehrere der 13 Beschuldigten 16 Kilogramm pyrotechnisches Material aus Osteuropa bestellt. Ohlenschlager sprach in diesem Zusammenhang von Kugelbomben. Diese besäßen eine hohe Sprengkraft und seien ein "höchst gefährliches Explosionsmittel", das Menschen schwer verletzen oder sogar töten könne.

Bei den Neonazis handelt es sich um elf Männer und zwei Frauen - im Alter zwischen 21 und 36 Jahren. Drei von ihnen wurden bereits verhaftet, gegen andere Beteiligte beantragte die Anklagebehörde weitere Haftbefehle.
Die Ermittler der Polizei stellten bei ihren Razzien von zwölf Wohnungen in Ober- und Mittelfranken am Mittwoch mehrere Schusswaffen mit Munition, verbotene pyrotechnische Gegenstände, Baseballschläger, Stichwaffen und rechtes Propagandamaterial sicher. Ermittelt wird unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Vorbereitung eines Explosionsverbrechens und gefährlicher Körperverletzung.
Besorgt über dieses Ausmaß an Gewaltbereitschaft äußerte sich auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Er besuchte am Vormittag in Bamberg das Balkanzentrum.

Zu den Hausdurchsuchungen und den Festnahmen sagte de Maizière gegenüber dieser Zeitung: "Es könnte sein, dass damit ein geplanter Angriff verhindert werden konnte." Sogar Lokalpolitiker und in der Flüchtlingshilfe engagierte Ehrenamtliche rücken laut Erkenntnissen des BKA zunehmend ins Fadenkreuz rechtsextremer Gewalttäter. "Wir dürfen das nicht auf die leichte Schulter nehmen", so der Bundesinnenminister.
Er nannte es unerträglich, dass "aus Sorge zunehmend Wut und Hass" werde und kündigte gleichzeitig "klare und harte Antworten des Rechtsstaats" an. "Wo Hass im Land gesät wird, dürfen wir das nicht dulden", stellte der Minister in Bamberg klar.


Lob für Balkanzentrum

De Maizière hat die Stadt Bamberg und die bayerische Staatsregierung für die Einrichtung von Rückführungszentren für Asylbewerber ohne Chance auf ein Bleiberecht zudem gelobt. "Wir brauchen Integrationsmaßnahmen für die, die bleiben werden. Aber wir brauchen schnelle Verfahren für die, die nicht bleiben werden, damit sie Deutschland schnell wieder verlassen", forderte de Maizière bei seinem Besuch des Ankunfts- und Rückführungseinrichtung II (ARE II). Dort sind bislang knapp 500 Migranten aus den westlichen Balkan-Ländern untergebracht.

Ihre Zahl soll bis 2016 auf 1500 steigen. Ziel dieser Einrichtung ist, die Verfahren und später meist auch die Abschiebung jener Flüchtlinge zu beschleunigen, die nur eine geringe Bleibeperspektive in Deutschland haben.