Bamberg
"Längere und schwerere Verläufe"

Klinikum Bamberg führt nur noch Notoperationen durch - Sandkerwa bereitet Sorgen

Das Klinikum Bamberg hat wegen der massiven Corona-Krankheitsfälle beim Personal beschlossen, vorerst nur noch Notoperationen durchzuführen. Weil gleichzeitig schwerere Verläufe wegen BA 5 bei Patienten festgestellt werden, gerät jetzt die Sandkerwa ins Visier des Krisenstabs.
Klinikum Bamberg führt nur noch Not-OPs durch - Sandkerwa-Sorge steigt
Am Klinikum Bamberg hat man die Notbremse wegen der Corona-Sommerwelle gezogen. Foto: Ralf Welz/inFranken.de
  • Klinikum Bamberg führt nur noch Notoperationen durch - akute Personalnot
  • 10 Prozent aller Pflegekräfte haben Corona - Ausfall durch "alle Berufsgruppen"
  • Omikron-Variante BA 5 bringe "längere und schwerere Verläufe"
  • "Ähnliche Entwicklung nach der Sandkerwa" wie nach Erlanger Bergkirchweih befürchtet

Am Klinikum Bamberg und den anderen Gesundheitseinrichtungen in Stadt und Landkreis haben sich nach Informationen aus dem Landratsamt die coronabedingten Ausfälle in den vergangenen vier Wochen ungefähr verdoppelt. Bei pflegendem Personal handle es sich um einen Anstieg auf mehr als zehn Prozent und bei Ärzten auf fünf Prozent, wie es in einer Mitteilung heißt. Das Klinikum zieht daher drastische Konsequenzen - bei einer Krisensitzung haben Stadt und Landkreisvertretungen auch zum Thema Sandkerwa einen Grundstein für mögliche Maßnahmen gelegt. 

Update vom 19.07.2022: Nur noch Not-OPs in Bamberg - Omikron-Variante BA 5 macht Sorgen

"Wir haben am vergangenen Freitag beschlossen, dass wir am Montag, Dienstag und Mittwoch nur Notoperationen durchführen", erklärt eine Klinikumssprecherin gegenüber inFranken.de. Am Mittwoch (20. Juli 2022) solle entschieden werden, wie es weitergehe, heißt es. Hintergrund sei die "Personalnot in allen Berufsgruppen". Diese habe sich im Vergleich zur ersten Juli-Woche nochmals derart verschärft, "dass wir keine andere Möglichkeit gesehen haben", so die Sprecherin. 

Diese Situation werde zusätzlich verschärft durch Patienten, die aus überlasteten Kliniken im Ballungsraum Nürnberg in ländliche Regionen verlegt würden, heißt es aus dem Landratsamt. Die Koordinierungsgruppe, die am Dienstagmorgen tagte, fasste daher einen Beschluss, in dem nun gefordert wird, "wieder eine frankenweite Koordination der Patientenströme" zu installieren. Man müsse die Corona-Pandemie auch "in einer schwierigen weltpolitischen Lage wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen bringen", so die Formulierung im Wortlaut. 

Sorgen macht man sich hier besonders um die Sandkerwa, die bald beginnt. "Nach Großveranstaltungen wie der Erlanger Bergkirchweih konnten rund um Erlangen signifikant steigende Inzidenzen und in der Folge steigende Patientenzahlen und zusätzliche Ausfälle beim Klinikpersonal beobachtet werden", heißt es in der Mitteilung. Man müsse sich "auf eine ähnliche Entwicklung nach der Sandkerwa vorbereiten". 

"Aktuelle Virusvariante ist deutlich ansteckender": Stadt und Landkreis bereiten sich auf massive Spätsommerwelle vor

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Landrat Johann Kalb (CSU) hätten daher die Klinikverantwortlichen beauftragt, die Einrichtungen in Stadt und Landkreis Bamberg "in den nächsten Tagen auf mögliche ähnliche Entwicklungen Ende August/Anfang September einzustellen". 

"Die aktuelle Virusvariante ist deutlich ansteckender als die Variante zu Jahresbeginn. Und wir sehen längere und schwerere Verläufe", daher bleibe nach Informationen der Leiterin des Gesundheitsamtes Bamberg, Susanne Paulmann, der "Sommereffekt" der letzten beiden Jahre aus.

Die aktuell schwierige Situation an Kliniken wegen BA 5 schlage auch bei den Rettungsdiensten in der Region auf. "Wir müssen immer häufiger weitere Strecken fahren, um Patienten in aufnahmebereite Einrichtungen zu bringen", wird Matthias Böhmer, Leiter der Integrierten Leitstelle Bamberg-Forchheim, zitiert. 

Erstmeldung vom 08.07.2022: Klinikum Bamberg verzeichnet "hohen Krankenstand" bei Pflegepersonal 

So lägen die durchschnittlichen Patientenkontakte etwa 10 Prozent über dem Vergleichsjahr 2019, heißt es. "Von einem Sommerloch kann nicht die Rede sein", so die Sprecherin weiter. Gleichzeitig gehe die Anzahl der stationären Coronapatienten nicht wie in den Sommern 2020 und 2021 auf ein einstelliges Niveau zurück. "Auch diese Patienten werden in der Regel in speziellen Bereichen der Notaufnahme mit insgesamt hohem personellen Aufwand behandelt und aufgenommen."

Trotz eines "derzeit hohen Krankenstandes beziehungsweise der fehlenden Mitarbeiter bedingt durch Quarantänemaßnahmen und Urlaubszeit" sei die Notaufnahme aber weiterhin in der Lage, "die Dienstschichten pflegerisch und ärztlich einsatzbereit zu besetzen".  Zu verdanken sei dies vor allem einer Sache: der "hohen Einsatzbereitschaft des vorhandenen Personals", so die Sprecherin. Der zuständige Chefarzt sei deshalb "sehr stolz auf seine hoch engagierte Truppe". Das Klinikpersonal gebe "trotz angespannter Situation Tag für Tag sein Bestes für die Patientinnen und Patienten".

Zumindest bei den Operationen gebe es derzeit keine Verschiebungen. "Was das Gesamthaus betrifft, so sind alle OP-Säle in Betrieb. Die über den letzten Winter stattgefundenen OP-Verschiebungen werden aufgearbeitet." Um tagesgleich auf jegliche Entwicklung reagieren zu können, gebe es im Klinikum Bamberg "täglich Besprechungen der Verantwortlichen, auch an den Wochenenden". In den letzten Tagen habe man außerdem "die Kapazitäten in der Isoliereinheit erweitert, um für die Aufnahme weiterer Coronapatienten gerüstet zu sein", so die Sprecherin.