"Irgendwo muss das Wasser doch geblieben sein!" Andreas Datscheg ist stocksauer. Eine Vielzahl von Fischen ist seit Sonntag jämmerlich verendet, weil der Gründleinsbach kein Wasser mehr führt. Das könne doch nicht sein, denn andere ebenso kleine Gewässer rund um Hallstadt hätten Wasser. Ein zumindest fünf Kilometer langer Abschnitt des Gründleinsbachs hingegen habe keinen Tropfen mehr, schimpft der Vorsitzende des Hallstadter Anglervereins. Er und die Mitglieder sind umso verärgerter, als sie die Mühen von über 20 Jahren sterben sehen. Konkret: die sehr seltene Aalrutte.


Wo ist das Wasser im Gründleinsbach geblieben?

Verzweifelt habe man sich an verschiedene Ämter und Institutionen gewandt, so Datscheg, der sich von allen mehr oder weniger im Stich gelassen sieht. Wo könnte das Wasser geblieben sein? Ein Verdacht fällt auf denjenigen, der viel Wasser braucht und die einzige Ableitungsgenehmigung hat: Der Fischzuchtbetrieb, der die Seehofweiher nutzt. Da sei man tätig geworden und habe kontrolliert, versichert Hans-Joachim Rost, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kronach. Nach dem Hinweis über Datschegs Meldung an die Abteilung Wasserrecht am Landratsamt und dessen Weiterleitung ans Wasserwirtschaftsamt habe man den Flussmeister in Gang gesetzt. "Der konnte kein Fehlverhalten feststellen", erklärt Rost dazu. Freilich nur zu dem Zeitpunkt, als kontrolliert wurde.

Dass Datscheg und die Vereinsmitglieder nun im Kraftakt alle noch lebenden Fische in Gewässer mit mehr Wasser umsetzen, begrüßt Rost. Allerdings haben die Angler deswegen nicht die Zeit, den Bachlauf (Richtung Gundelsheim) weiter abzulaufen, um herauszufinden, ob beziehungsweise wo eventuell Wasser aufgestaut und abgeleitet wurde, wie Datscheg dringend vermutet.

Im Anschluss an das Gespräch mit inFranken.de sichert Rost zu, die Situation weiter untersuchen zu lassen.

Zum Thema Wasserentnahme gibt es eine eigene Mitteilung des Wasserwirtschaftsamtes. Darin heißt es, dass die fortdauernde Trockenheit den Gewässern kräftig zusetzt, in ganz Nordbayern die Wasserabflüsse derzeit im Niedrigwasserbereich liegen. Dadurch können für Fische und andere Wasserbewohner kritische Situationen entstehen.
Auch die Nutzbarkeit durch den Menschen ist zunehmend eingeschränkt. Beispielsweise erzeugen Wasserkraftanlagen weniger Energie. Aber auch die Anlieger an Gewässern sowie die Besitzer von Gewässergrundstücken sind betroffen. Sie können nun nicht mehr Wasser aus dem Bach entnehmen und damit ihre Gärten oder Äcker bewässern, es sei denn, sie haben eine Erlaubnis des Landratsamtes.

Wenn man nicht Anlieger an einem Gewässer ist, gilt unabhängig von den Witterungsbedingungen immer ein Abpumpverbot. "Die zuständigen Behörden wurden angewiesen, verstärkt zu kontrollieren und Verstöße zu ahnden". Das Entnehmen von Wasser ist grundsätzlich nur mit einer wasserrechtlichen Gestattung des Landratsamtes möglich.

Ausnahmen bestehen nur in engen Grenzen, wenn zum Beispiel geringe Mengen mittels Schöpfgefäßen entnommen werden (Gemeingebrauch) oder wenn die Wasserentnahme durch den sogenannten Anlieger- und Eigentümergebrauch gedeckt ist. Dieser gesetzliche Ausnahmetatbestand gestattet den Eigentümern von Gewässergrundstücken und den unmittelbaren Anliegern an Gewässern die erlaubnisfreie Wasserentnahme zur Bewässerung ihrer Gärten und Äcker.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Wasserentnahme zu keinen nachteiligen Veränderungen des Gewässers, insbesondere des Wasserabflusses führen. Bei anhaltender Trockenheit und entsprechend niedrigen Wasserständen können jedoch bereits geringfügige Wasserentnahmen nachteilige Auswirkungen auf die Gewässerökologie haben. Die Wasserentnahme ist dann nicht mehr durch den Anlieger- und Eigentümergebrauch gedeckt und somit unzulässig. Dies gilt auch für den Gemeingebrauch.

Die Auswirkungen der Trockenperiode lassen sich an den kontinuierlichen Abflussmessungen der Wasserwirtschaftsämter ablesen. So nähert sich der Abflusswert des Mains bei Kemmern allmählich dem niedrigsten jemals gemessenen Abflusswert. Kritisch ist die Lage besonders bei den kleineren Bächen. Die ohnehin abflussschwachen Oberläufe können schnell trocken fallen. Für die Gewässerbewohner ist das fatal. Die Regierung von Oberfranken appelliert daher an das Verantwortungsbewusstsein der Bürger, ohne entsprechende Gestattung durch das Landratsamt in der jetzigen Niedrigwassersituation kein Wasser aus den Gewässern zu entnehmen. Zudem sind alle Inhaber von Rechten und Befugnissen zur Nutzung der Gewässer, wie Betreiber von Wasserkraftanlagen oder Fischteichbesitzer, aufgefordert, sich strikt an die Vorgaben ihrer Erlaubnisse zu halten. Mit verstärkten Kontrollen in den nächsten Tagen sei zu rechnen.

Info
Einen Überblick über die Abflüsse der größeren oberfränkischen Fließgewässer ermöglicht der Niedrigwasserinformationsdienst der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung, www.nid.bayern.de.