Wenn man auf den Zug wartet, dann kommt keiner. Nein, es geht hier nicht um die Pünktlichkeit der Bahn. Es ist der erste Eindruck am sonnigen Montagvormittag an der schon weitgehend ausgebauten Bahnlinie durch Breitengüßbach. Nach einer guten viertel Stunde ist es dann doch so weit. Ein roter Regionalzug rollt von Süden heran - und vor der Schallschutzwand vorbei. Kurz darauf rauscht ein ICE auf dem Weg von Berlin nach München durch und verschwindet hinter der Wand. Ein späterer Blick auf den Fahrplan zeigt, dass beide Züge ziemlich pünktlich waren.

Eine viertel Stunde ohne Zug ist also nur ein Zeichen für den Normalfall, der seit gut einer Woche wieder auf der Strecke zwischen Bamberg und Lichtenfels gilt. Aber ist auch das Geräusch der vorbeifahrenden Züge normal? Rollen und rauschen statt rattern und rumpeln. Der neue Normalfall? Ganz offenbar zeigen die neuen Gleise gegenüber den alten deutlich Wirkung, was die Lärmentwicklung betrifft. Die modernen Züge sind darauf jedenfalls ziemlich leise, erscheint es dem Besucher an der Bahnlinie. Wie hört es sich denn für Anwohner an?

"Sie sind leise", stellt auch Lucia de Figueiredo-Huth angenehm überrascht fest. Zumindest die ICE und die Regionalzüge. "Die Güterzüge machen aber ordentlich Lärm", schränkt sie sogleich ein. Ob es lauter ist als vorher, wagt sie angesichts der langen Pause, in der gar kein Zug am Haus vorbeifuhr, nicht zu sagen. Gefühlt jedenfalls schon. Es fehlen auf beiden Seiten der Bahntrasse noch die geplanten fünf Meter hohen Schallschutzwände. Aktuell steht erst die Mittelwand, erst auf Höhe der Bergstraße in Breitengüßbach beginnt und ab dort nur den Lärm der von Norden kommenden Züge schluckt.

Alles in allem erscheint den Huth die Beeinträchtigung ihres Wohnumfeldes durch die Bahn derzeit in etwa so groß wie vor der Vollsperrung. Damals war die Fahrrinne der Bahn schmaler, die Böschung steiler und zudem mit Büschen und Bäumen bewachsen war. Jetzt ist alles weiter und offener, die Hoffnung daher groß, dass die fehlenden Wände bald und auf alle Fälle auch durchgehend gebaut werden. "Wenn es gegen den Lärm was hilft, dann stören mich auch die Wände nicht", sagt de Figueiredo-Huth. Sie ist jedenfalls "sehr gespannt", ob es mit dem Lärmschutz funktionieren wird.

Ruhiger ist derzeit, was den restlichen Baubetrieb betrifft. Nachdem kurz vor der Wiederaufnahme des Zugverkehrs das äußere ICE-Gleis bis auf Höhe des Hauses gelegt wurde, werden zu Zeit nur sporadisch weitere Arbeiten ausgeführt. Teil zwei des großen Festrüttelns und Schienschweißens steht also auch noch an.


Serie Bautagebuch


Folge 1 - Die Ruhe vor dem Sturm
Folge 2 - Der letzte Baum ist gefällt
Folge 3 - Kehraus in Breitengüßbach
Folge 4 - Nach dem Matsch nun der Staub
Folge 5 - Baggern, bohren, rütteln
Folge 6 - Keine Halbzeit-Pause auf der ICE-Baustelle
Folge 7 - Die heiße Phase ist noch nicht vorbei
Folge 8 - Noch viele offene Baustellen an der Bahnstrecke