• Bamberg: Traditionsbäckerei Kapuzinerbeck führt Ruhetag ein
  • Familienbetrieb lässt Geschäft seit Monaten montags geschlossen
  • Der traurige Anlass: Der Bäckerei fehlen die entsprechenden Mitarbeiter
  • "Das ist wirklich schade": Bäckerei-Inhaberin bekommt kein Personal

Egal ob Bäckerei, Metzgerei oder Gastronomie - die Probleme sind oft identisch: Etliche Betriebe leiden unter akutem Personalmangel. In Forchheim musste eine Bäckerei nach 141 Jahren deswegen sogar schließen. Insbesondere Fachkräfte fehlen vielerorts. Davon kann auch Carola Hofmann ein Lied singen. Die Inhaberin der Bäckerei Kapuzinerbeck in der Bamberger Kapuzinerstraße sucht händeringend neue Angestellte - bislang jedoch ohne Erfolg. Die Konsequenz: Der 1962 gegründete Familienbetrieb musste zwangsläufig einen Ruhetag einführen. Schon seit Monaten bleiben Backstube und Ladengeschäft montags zu. 

Kapuzinerbeck in Bamberg muss Laden montags zu lassen: Kundschaft hat Verständnis

"Zum Wohle meiner Mitarbeiter habe ich beschlossen, nur noch an fünf Tagen der Woche zu öffnen", erklärt Carola Hofmann im Gespräch mit inFranken.de. Seit dem 14. Juni 2021 hat der Kapuzinerbeck an den Montagen geschlossen. Der Laden ist dann ganztags zu, die Backstube bleibt kalt. Die Kundschaft der Traditionsbäckerei habe für den drastischen Schritt größtenteils Verständnis. "Unsere Kunden besuchen uns Dienstag bis Samstag und unterstützen uns", berichtet die Chefin der kleinen Bamberger Bäckerei. "Es wird auf jeden Fall sehr gut angenommen."

Auch sie und ihre Familie können nun endlich wieder etwas verschnaufen. "Ich selbst stehe mit meinem Mann und meinem Sohn in der Backstube", schildert Hofmann ihren Berufsalltag. An den Sonntagen sei außerdem oft noch Büroarbeit zu erledigen. "Irgendwann kommt man dann an einen Punkt, an dem man auf einmal kein Licht mehr am Ende des Tunnels sieht", berichtet die Bäckerin offenherzig. Die Corona-Krise habe die Situation zusätzlich verschärft. "Wir hatten zwei Jahre keinen Urlaub", erzählt sie. Durch den freien Montag ist laut Hofmanns Schilderung nun vieles ein wenig entspannter. 

Ursache für den Ruhetag ist indes der fortdauernde Personalmangel. "Wir haben schon überall nach neuen Mitarbeitern gesucht". Doch egal, ob Zeitungsinserat, Arbeitsagentur oder sonstige Kanäle - von keiner Seite kamen neue Angestellte. "Aktuell haben wir zehn Mitarbeiter", hält die Kapuzinerbeck-Inhaberin fest. "Vorher waren es 13 bis 14". Für das Ausbildungsjahr 2021 habe sich nicht ein einziger Auszubildender gefunden. "Das ist wirklich schade", bedauert Hofmann.

"Natürlich gehört immer Leidenschaft und Herzblut dazu" - Branche leidet unter Personalmangel

Die Bäckerbranche leidet schon längere Zeit unter einem massiven Fachkräfte- und Nachwuchsmangel. "Ich weiß nicht, warum das so ist", sagt Hofmann. "Unser Handwerk ist wirklich etwas Schönes. Man kann jeden Tag etwas Kreatives machen." An Gehalt und Lohn liegt es laut Hofmanns Empfinden nicht. "Die Bezahlung ist aus meiner Sicht sehr gut. Vor allem Gesellen, Fachkräfte, aber auch Azubis kriegen ein gutes Bruttogehalt", sagt die Bäckerei-Inhaberin. 

Liegt das schwindende Interesse am Bäckerhandwerk womöglich an den vergleichsweise ungemütlichen Arbeitszeiten? "Natürlich gehört immer Leidenschaft und Herzblut dazu. Das ist ja in den meisten Berufen so", erklärt Hofmann. "Bei uns gibt es aber keinen Schichtbetrieb, sondern eine geregelte Arbeitszeit." Der Dienst in der Backstube beginnt demnach werktags um 1.30 Uhr in der Nacht - Feierabend ist vormittags gegen 10.30 oder 11 Uhr. "Samstags beginnen wir um 0.30 Uhr und arbeiten bis 8 Uhr." Gesucht werden aktuell ein Bäckereifachverkäufer sowie ein Bäcker (beides: m/w/d).

Die Hoffnung vollkommen aufgegeben hat Carola Hofmann gleichwohl noch nicht. Und wer weiß - vielleicht findet sich ja doch noch der ein oder andere junge Mensch, der im Bäckerwesen Fuß fassen will. "Ich finde nach wie vor, dass wir einen sehr schönen Beruf haben", betont Hofmann.

Wie beim Bamberger Kapuzinerbeck bleiben auch die Filialen der Bayreuther Bäckerei Nitschke montags geschlossen. Das Geschäft einer Bäckerei-Kette musste vorübergehend sogar ganz schließen.