Wegen Personalmangel: Bäckerei Nitschke in Bayreuth bleibt montags zu. Viele Bäckereien in Deutschland haben in den vergangenen Jahren aufgeben müssen. Das liegt zum einen an der schier übermächtigen Konkurrenz - Brot und andere Backwaren gibt es schließlich auch im Supermarkt und Discounter. Ein zweites Problem stellt für die Bäckereibetriebe der massive Fachkräfte- und Nachwuchsmangel innerhalb der Branche dar. In Bayreuth muss die Bäckerei Nitschke ihre drei Filialen fortan montags sogar zu lassen, weil es zu wenig Mitarbeiter gibt.

"Wir sind nur noch zu viert in der Backstube", berichtet Bäckermeister Stefan Nitschke inFranken.de. Ein anderer gelernter Bäcker habe unlängst nach zehn Jahren im Betrieb gekündigt. Der 29-Jährige wolle nun umschulen. Die Folge für den 1937 gegründeten Familienbetrieb: Seit September bleiben alle drei Ladengeschäfte der Bäckerei Nitschke am Montag geschlossen. "Das mache ich, um meinen verbliebenen Mitarbeitern einen freien Tag zu ermöglichen", sagt Nitschke.

Bayreuth: Bäckerei bleibt an Montagen zu - Familienbetrieb leidet unter Personalmangel

Insgesamt beschäftigt die Bäckerei etwa 16 bis 17 Angestellte, schätzt Stefan Nitschke. In der Backstube arbeiten neben dem Inhaber nur noch ein 59-jähriger Bäckermeister, ein 40-jähriger Bäcker und eine Aushilfskraft. Die Montage indes verbringt der Inhaber nunmehr allein in seinem Betrieb. "Da mache ich dann nur etwas für meine Metzger, den Dorfladen oder ähnliche Kunden. Die kann ich nicht sitzen lassen", erzählt der 59-Jährige, der die Bäckerei in der dritten Generation führt.

Einen Nachfolger aus der eigenen Familie gibt es allerdings nicht. "Schön ist das nicht. Ich werde jetzt 60. Und mein Sohn kann es nicht machen, weil er eine Hausstaub- und Mehlallergie hat", konstatiert Nitschke. Auch außerhalb der Verwandtschaft gebe es kaum Interessenten für das Bäckerhandwerk. Die Nachwuchssuche in der Branche gestalte sich zugleich immer schwieriger. "In Bayreuth gibt es gar keinen Lehrling - nicht einen einzigen", betont Nitschke. Selbst im ganzen Umkreis gebe es lediglich zwei Auszubildende.

Für die Bäckereien werde es in der Folge immer schwerer, einen Nachfolger zu finden. "Ein Kollege von mir hat drei Söhne - und keiner macht's." Mit seinen Sorgen ist Stefan Nitschke also keineswegs allein. "Das geht den anderen Bäckereien ja genauso. Das ist Wahnsinn." Auch andere Handwerksberufen leiden ihm zufolge unter Personalmangel. "Das höre ich immer wieder."

"Das ist schade": Bayreuther Bäckermeister (59) findet keine Mitarbeiter

Nitschke selbst sucht laut eigenen Angaben regelmäßig über die Arbeitsagentur oder Zeitarbeitsfirmen nach Personal. Im Gegensatz zu früher wollten heutzutage aber nicht einmal ausländische Arbeitnehmer mehr nachts arbeiten, hält der Bäckermeister fest. "Das ist schade." Die Hauptursache für die gravierenden Nachwuchssorgen seiner Zunft sieht er im gesellschaftlichen Wandel an sich.

Für die Betriebe erweisen sich dabei die vergleichsweise ungemütlichen Arbeitszeiten sicher als Nachteil. "Unserer Schicht geht normalerweise von 2 Uhr früh bis 10 Uhr vormittags", sagt Stefan Nitschke. "Dafür hat man dann aber am Nachmittag frei, wenn andere arbeiten müssen." Für den Bäckermeister stellt das frühe Aufstehen indes keine Schwierigkeit dar. "Ich mache das jetzt seit 45 Jahren. Ich habe damit kein Problem."

Derweil hat die Montags-Schließung für den Bayreuther Familienbetrieb auch wirtschaftliche Folgen. "Das wirkt sich natürlich auch finanziell aus. Im Monat fallen ja jetzt insgesamt vier Tage weg. Das spürt man", sagt der 59-Jährige. Andere Geschäfte dagegen profitieren mitunter von den neuen Öffnungszeiten der Familienbäckerei. "Nebendran ist gleich der Lidl", erklärt Nitschke. Insbesondere Handwerker, die montags bislang in der Bäckerei ihren Kaffee oder belegte Brötchen geholt haben, würden nun entsprechend auf den Discounter ausweichen. "Das treibt die Leute jetzt da hinein." Das Fazit des Bäckers: "Das ist nicht schön - aber was will ich machen?"

In Forchheim musste eine Bäckerei unlängst sogar schließen - nach 141 Jahren. Auslöser auch hier: akuter Personalmangel.