• Lärmbelästigung durch Autoposer in Bambergs Innenstadt 
  • Genervte Anwohner wollen Bamberg den Rücken kehren
  • Knallende Auspuffe reißen junge Familie regelmäßig aus dem Schlaf
  • Vater berichtet von Einschlafproblemen seiner Tochter (2)
  • Kritik an Stadt: "Wurden nicht ernst genommen"

Autoposer sorgen in Bamberg immer wieder für Ärger. Mit ihren getunten, PS-starken und vor allem lauten Fahrzeugen stellen sie für Anwohnende eine immense Belastung dar. Ein Anlieger aus der Kapuzinerstraße schildert inFranken sein Leid: Die knallenden Auspuffe stören den Schlaf seiner zweijährigen Tochter, sagt der 40-Jährige. Wegen der "Dauerbeschallung" verlässt die Familie am Wochenende meist die Stadt. Inzwischen plant die Familie sogar, Bamberg ganz den Rücken zu kehren.

Lärm in Bamberg: Zweijährige Tochter "wacht auf und weint"

Die Nachtruhe endet für die junge Familie aus der Kapuzinerstraße bisweilen jäh. "Ich schrecke oft auf, wenn diese Autotuner mit ihren knallenden Auspuffen vorbeifahren. Dann reißt es mich wirklich aus dem Schlaf", berichtet der leidgeprüfte Bamberger, der namentlich nicht genannt werden will. "Diese Kanonenschläge auf der Straße sind extreme Lärmbelastung. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Das hallt wirklich extrem." Seine zweijährige Tochter habe deshalb Einschlafprobleme. Doch damit nicht genug: "Sie wacht auch auf und weint dann." 

An manchen Wochenenden gehe es mit dem Lärm um 19 Uhr los, teilweise auch schon am Nachmittag. "Die drehen dann mit ihren Spezialfahrzeugen ihre Runden. Und das geht dann bis 4 Uhr früh." Mitunter seien nachts "im Fünf- bis Zehn-Minuten-Takt" Knallgeräusche zu hören. Dies stelle vor allem im Sommer ein Problem dar. "Wir haben keine Klimaanlage. Das ist in unserem Altbau auch bautechnisch gar nicht möglich. Deshalb müssen wir lüften. Und wir haben dann wirklich Probleme zu schlafen." Selbst die Schallschutzfenster zur Straßenseite hin könnten gegen die Autoposer nichts ausrichten. 

Den Nachbarn geht es ähnlich. "Viele klagen darüber, dass sie nachts nicht mehr schlafen können." Den Samstag und Sonntag verbringt die Familie aufgrund der Lärmbelästigung häufig bei Verwandten. "Wir verlassen am Wochenende meistens die Stadt, weil das hier eine Dauerbeschallung ist."

"Rapide zugenommen": Autoposer aus Forchheim und Haßfurt in Bamberger Innenstadt

Die Autoposer nimmt der 40-Jährige "so extrem" erst seit den letzten zwei Jahren wahr. Das Phänomen habe "rapide zugenommen". Eine mögliche Ursache für ihn: die Corona-Krise. "Ich glaube, die Pandemie hat das Ganze noch einmal verstärkt." Bei den Fahrern, die ihren Motor so stark aufheulen lassen, handele es sich "definitiv" um Mitglieder aus der Tuning-Szene. Die Autos kämen sowohl aus der Stadt als auch von auswärts. "Das ist ganz unterschiedlich. Die haben Bamberger Kennzeichen, Forchheimer Kennzeichen oder kommen aus Haßfurt. Das ist wirklich der ganze Umkreis." 

Besonders dreist: "Hier ist ja eigentlich Tempo 30. Aber diese Strecke wird halt wirklich zum Beschleunigen genutzt. In Richtung Löwenbrücke werde dann "richtig Gas" gegeben. Die Lärm- und Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Kapuzinerstraße seien inzwischen die Regel, berichtet der Familienvater. Die beiden Ampeln dort seien "Ausgangspunkt für Starts wie bei Autorennen".

Auch Motorradkorsos gebe es immer wieder. Zuletzt hielten ihn und seine Familie feiernde Fußballfans mächtig auf Trab. So seien am vergangenen Sonntag Anhänger der italienischen Nationalmannschaft nach deren EM-Sieg vier Stunden lang "im Kreis gefahren". "Das ging bis 3 Uhr früh. Wenn man am nächsten Tag arbeiten muss, ist das wirklich schwierig, wenn ständig hupende Autos vorbeifahren." In einem Video ist zu hören, wie laut die Fans in der Langen Straße in Bamberg gefeiert haben.

Bamberger Anwohner fühlt sich von Stadt "nicht ernst genommen" 

Den politischen Entscheidungsträgern wirft der 40-Jährige mit Blick auf die Autoposer und die Lärmbelästigung Untätigkeit vor. "Es ist mir ein Rätsel, weshalb die Stadt Bamberg in dem Bereich - mit Uni, Schulen und Kitas in der direkten Umgebung - nichts unternehmen möchte." Seine Familie habe sich mehrfach an die Stadt Bamberg gewendet - "wurden jedoch nicht ernst genommen beziehungsweise an die Polizei verwiesen." Die Polizei wiederum habe an die Stadt Bamberg verwiesen. Die Stadt sieht aktuell keinen Handlungsbedarf, wie sie gegenüber inFranken.de erklärte.

Der Anwohner, der seit mehr als zehn Jahren in der Kapuzinerstraße lebt, sieht in Sachen Lärm ein weiteres Problem. "Es gibt inzwischen viel mehr Fahrzeuge, viel mehr Verkehr." Grünen-Stadtrat Christian Hader bestätigt diese Wahrnehmung. Er hält gegenüber inFranken.de fest, dass Bamberg in den vergangenen zehn Jahren um fast 10.000 Menschen gewachsen sei. Die Folge: "Der Verkehr wird unweigerlich mehr durch Zuzug." 

Beim Thema Autoposer plädiert der Kommunalpolitiker für einen offenen Austausch. "Ich hielte es für sinnvoll, dass wir die Menschen mal an einen Tisch holen und Lösungen erarbeiten." So seien in anderen Städten, etwa im mittelfränkischen Weißenburg, gewisse Straßenzüge zwischen 22 und 5 Uhr seit Kurzem nur noch für Anlieger passierbar, für den Durchfahrtsverkehr dagegen gesperrt. Zwar müsse man diese Regelung nicht eins zu eins für Bamberg umsetzen. "Aber es gäbe zumindest Lösungsansätze, die man mal mit einem Betroffenen diskutieren könnte", so Hader.

Entnervte Familie vor Umzug: "Wir planen, Bamberg komplett zu verlassen"

Für den 40-jährigen Anwohner der Kapuzinerstraße und seine Angehörigen kommt dieser Schritt indes womöglich zu spät. Die leidgeprüfte Familie sucht vielmehr die Flucht nach vorn. "Wir planen tatsächlich, Bamberg komplett zu verlassen - weil die Situation immer schlechter wird. Das muss man leider so sagen."

Auch ein Party-Hotspot sorgte in Bamberg zuletzt wiederholt für Ärger. Nun steht fest: Die Beleuchtung auf der Unteren Brücke bleibt erhalten. Die Brücke wird von 22 Uhr bis 4 Uhr hell ausgeleuchtet, um die Anziehungskraft zu mindern und ie Polizeiarbeit zu erleichtern. 

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