Wie war das vor 30 Jahren, als Deutschland geteilt war, als man von den DDR- Soldaten beobachtet und fotografiert wurde, als Minen und Metallgitterzaun Menschen in Ost und West trennten. Dieser Frage geht seit Beginn dieses Jahres ein Team des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) mit Redakteurin Steffi Peltzer-Büssow, freie Mitarbeiterin, und Kameramann Falk Fleischer sowie Thomas Schulze, zuständig für den Ton, und Simon Roloff, der die Drohne betreut, nach. Gesprächspartner waren unter anderem die "Grabfeldbotschafter aus Franken und Thüringen", Allianzsprecher Jürgen Heusinger (Sulzfeld) und Christian Seeber (Gemeinde Grabfeld), Kreiskulturreferent Hanns Friedrich, aber auch der Aktionskünstler Jimmy Fell und Besucher des Museums für Grenzgänger. "Miteinander grenzenlos - Nachbarn in Thüringen und Franken", ist der 45-Minuten Streifen überschrieben, der am 5. November um 21 Uhr im MDR zu sehen ist.

Begonnen hatte das Team seine Dreharbeiten am ehemaligen Grenzübergang Henneberg-Eußenhausen, als Jimmy Fell seine Europastatue auf die "Goldene Brücke" setzte. Jimmy Fell erzählte in seiner lockeren Art von der Entstehung und der Idee des Skulpturenparks, der in seiner Art einmalig in Deutschland ist. Er soll an die Zeit erinnern, als Deutschland geteilt war, der Schießbefehl galt, und es Tote an der einstigen DDR Grenze gab. Weitere Aufnahmen entstanden im Museum für Grenzgänger in Bad Königshofen und auch auf der Autobahn A 71 auf dem Weg zur Autobahnkirche. Am Wochenende war das Team mit den Grabfeldbotschaftern, unter musikalischer Begleitung der Grabfeld-Bieraten, auf dem Grenzwanderweg bei Schlechtsart, dann in Gleichamberg und schließlich auf dem Großen Gleichberg. Immer wieder gab es Interviews, zum Beispiel mit Jürgen Heusinger, dem Sprecher der Allianz Grabfeldgau, oder auch Kurt Mauer (Alsleben), seinem Vorgänger, und natürlich mit Bürgermeister Christian Seeber von der Gemeinde Grabfeld im thüringischen Grabfeld.

Interviews auf dem Spanshügel

"Bitte zügig an mir vorbei in Richtung Metallgitterzaun... Dankeschön... und das Ganze noch einmal...": Kameramann Falk Fleischer hatte bei den Dreharbeiten mit Steffi Peltzer-Büssow das Kommando. Steil nach oben ging es nach der Wanderung am ehemaligen Grenzzaun am Spanshügel. Oben angekommen, lohnte aber die Aussicht auf das fränkische und thüringische Grabfeld. Natürlich waren dann vor dieser Kulisse einige Interviews angesagt. Weiter ging es nach Gleichamberg, wo man sich am Dorfbrunnen über die gemeinsamen Ziele unterhielt und feststellte, dass man auf dem Land vieles gemeinsam auf den Weg bringen kann, wie Jürgen Heusinger sagte. "Wir müssen es nur gemeinsam wollen und anpacken, dann gelingt es auch."

Erst einmal orientieren

Etwas Verwirrung gab e dann am Großen Gleichberg. Vom sogenannten "Frankenblick" musste man sich erst einmal orientieren. Wo liegt denn Linden, wo Trappstadt, wo Eicha, wo Bad Königshofen, Breitensee und Alsleben. Letztendlich stellte man schnell fest, dass die Grenzsoldaten von hier oben die nähere und weitere Umgebung im Blickfeld hatten. Schließlich war bekannt, dass von hier aus unter anderem der Funkverkehr bis zum Flughafen Frankfurt/Main abgehört werden konnten. Auf dem großen Gleichberg gab es übrigens eine russische Besatzung.

Als Dank für einen Tag Dreh spendierte die Aufnahmeleitung des MDR Bratwürste und Getränke. Nicht schlecht staunten die Grabfeldbotschafter, als sie von Steffi Peltzer-Büssow erfuhren, dass dieser Aufnahmetag wohl gerade mal zehn Minuten des gesamten Streifens füllen wird.

Nachbarschaft zurückgewonnen

Das MDR-Team geht in einem Beitrag bewusst in einer kleinen, weniger bekannten Region, dem Grabfeld, Heldburger Unterland, Thüringer Wald und dem Naturpark Haßberge der Frage nach, wie das vor drei Jahrzehnten war, und ob eine Nachbarschaft wieder zurückgewonnen wurde. So pflegt die Trachtentanzgruppe Behrungen Kontakte mit dem Nachbarort in Franken. "Wir sprechen denselben fränkischen Dialekt Grabfelderisch", sagen sie. Die länderübergreifende Initiative "Grabfeld grenzenlos" hat die Grabfeldbotschafter ins Leben gerufen, die für die Region werben. Die "Grabfeld-Bieraten" zum Beispiel: Fünf Grabfelder Musiker aus Thüringen und Franken, die "hüben und drüben" aufspielen. Als im thüringischen Bedheim ein Dorfladen gegen den Trend überleben konnte, kamen die Nachbarn aus dem fränkischen Grabfeld zu Besuch, um zu lernen. Entstanden ist die Aktion "Tüten packen" nur ein paar Dörfer weiter in Sulzdorf an der Lederhecke.

Kleine Erfolge, kleine Schritte auf dem Weg zu- und miteinander, sagt Grabfeld Allianz Sprecher Jürgen Heusinger aus Sulzfeld. Er hat die Teilung Deutschlands als Kind erlebt. An seinen ersten Besuch im "Osten" nach der Grenzöffnung kann er sich nur ganz schwach erinnern. Steffi Peltzer-Büssow traf bei ihren Recherchen immer wieder Menschen, die dabei waren, als vor 30 Jahren der Eiserne Vorhang fiel und aus Fremden Nachbarn in Thüringen und Franken wurden. Das Team stellte schnell fest, dass sich die einst "grauen DDR-Dörfer" in den letzten drei Jahrzehnten herausgeputzt haben. Beeindruckend ist der fränkische Fachwerkstil, mit historischen Back- und Brauhäusern, die im fränkischen Grabfeld oft "wegmodernisiert" wurden. Als Jürgen Heusinger und Kurt Mauer auf dem großen Gleichberg stehen, sind sie einer Meinung, wenn sie sagen: Wir hätten nie gedacht, dass wir hier einmal stehen können.