Um sieben Uhr bot sich bei einem Gang durch das unterfränkische Thundorf ein festliches, farbenprächtiges Bild. Etwa über zwei Kilometer schlängelte sich nach zweijähriger Corona-Auszeit wieder der legendäre Blumenteppich ohne Lücken durch die Straßen und war am Wegrand über die gesamte Strecke beflaggt mit Fahnen.

Die Beteiligten waren zufrieden, ihr Meisterwerk konnte sich sehen lassen, auch wenn viele Blumen diesmal schon abgeblüht waren.

Die vielen Besucher aus nah und fern waren durchwegs begeistert von der Blütenpracht. Dass es so etwas noch gibt, bei immer leerer werdenden Kirchen und viele mit dem Fronleichnamsfest rein gar nichts mehr anfangen können, ist bewundernswert, sagt eine Besucherin. Ferner fügt sie noch dazu, "Hauptsache ein Feiertag", denken viele, wo ich frei habe und nicht zur Arbeit muss. Dabei ist Fronleichnam mehr als nur Tradition, es ist die Verehrung des Allerheiligsten.

Schon vor fünf Uhr morgens war das halbe Dorf auf den Beinen, um den Teppich zu legen. Die Männer waren für die groben Vorarbeiten, wie Gras und Sägemehl streuen, zuständig, die Kinder halfen begeistert mit und den Frauen waren die Feinheiten und Blumenornamente vorbehalten.

Mit Gras und Sägemehl

Schon Tage vorher werden Blumen und Gräser gesammelt, nicht nur in der näheren Umgebung und den heimischen Gärten, bis in die Rhön fahren manche, um auch genügend Blumen zu sammeln für die Blütenteppiche.

Beim Großteil der Streckenabschnitte wird Gras, in der Esther-von-Rosenbach-Straße gefärbtes Sägemehl als Teppichgrundlage verwendet.

Um acht Uhr begann dann die große Prozession zu den vier Heiligenhäuschen. Angeführt wurde der Zug von Fahnenabordnungen der Vereine, der Musikkapelle, den Kommunionkindern und Ministranten.

Unter dem Himmel (Baldachin) trug Pfarrer Peter Rüb das Allerheiligste (Monstranz), flankiert von der Ersten Bürgermeisterin Judith Dekant und Zweitem Bürgermeister Jürgen Schleier, sowie den übrigen Gemeinderäten, als Träger des Himmels und der Laternen.

Das Fazit einer Ebertshäuser Besucherin: "Mir kommt es so vor, als ob die eigentliche Begegnung und das Hineintragen Gottes in die Straßen, schon bei der Vorbereitung, beim gemeinsamen Gestalten der Wege, geschieht".

Etwas mit soviel Sorgfalt, Hingabe und Gemeinsinn zu tun, ist das eigentliche Geschenk dieses Fronleichnamstages, denn im Miteinander der Menschen geschieht Gottesbegegnung.

"Ich hoffe, die Thundorfer können sich diese einmalige, 74-jährige Tradition, noch lange erhalten". Wenn die Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterhin diese Tradition so unterstützen, wie in diesem Jahr, muss einem für den Fortbestand des Fronleichnamsteppichs nicht bange sein.

Wie sagte doch eine Frau aus der Rhön: "So etwas findest Du in ganz Bayern nicht mehr".