Die Bürger des Dorfes halten seit 74 Jahren diese religiöse Tradition aufrecht, die sich Jahr für Jahr wiederholt.

Vor Corona nur zweimal ausgefallen

Nur zweimal musste eine Pause eingelegt werden. Einmal wurde die Kirche gebaut und erweitert sowie das andere Mal die Ortsdurchfahrt durch den knapp 600 Seelen-Ort gebaut. Bis dann im Vorjahr die Corona-Pandemie kam, und keine Prozession stattfinden durfte. Die Hoffnung, dass es in diesem Jahr wieder möglich sei, hat sich schon frühzeitig zerschlagen. Einige Bürgerinnen und Bürger schmücken trotzdem an den markanten Orten, wie Kirche und Heiligenhäuschen und erinnern an den Blütenteppich.

Andachten

Am Hochfest Fronleichnam finden nun in allen Pfarreien der "Pfarreiengemeinschaft im Lauertal" eucharistische Andachten mit Segen statt: Thundorf: 8 Uhr Messfeier mit eucharistischem Segen in der Kirche (St. Laurentius), Weichtungen: 9.30 Uhr (im Schulhof), Rothhausen: 9.30 Uhr (vor der Kirche), Maßbach: 10.15 Uhr (Pfarrgarten), Theinfeld: 10.15 Uhr (Kapelle vor der Kirche), Wermerichshausen: 10.15 Uhr (Kapelle am Herrntor), Rannungen: 14 Uhr Messfeier mit eucharistischem Segen (Kriegerdenkmal). Für alle Orte gilt: Bei Regen findet ein liturgische Feier in der Kirche statt.

Kriegsgefangene bringen Idee mit

Im Normalfall fängt der Fronleichnamstag für viele Bürger aus Thundorf sehr früh an. Dann gilt es, eine religiöse Tradition vorzubereiten, die in der Region nur noch selten gepflegt wird. Die Thundorfer legen für die Fronleichnamsprozession einen kilometerlangen Blumenteppich durch den Altort. Dieser Teppich wird zur Ehre Gottes gestaltet, weshalb dieser Fronleichnamstag auch als "Herrgottstag" bekannt ist. Dieses katholische Fest wird immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten begangen und soll die Gläubigen an das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern erinnern. Seit 1947 gehört der Blumenteppich an Fronleichnam zum Dorf dazu. "Aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Männer hatten das irgendwo gesehen und mit nach Thundorf gebracht", heißt es. Anfangs lag der Blumenteppich nur in einer Straße des Ortes, aber schon im Jahr darauf machte das gesamte Dorf mit.

Schon im Frühjahr spezielle Blumen angepflanzt

Der Blumenteppich ist circa zwei Kilometer lang und 80 Zentimeter breit. Auf Gras oder eingefärbten, nassen Sägespänen liegen tausende Blüten und bilden religiöse Ornamente wie Kelche, Herzen, Lämmer, Tauben, das Marienzeichen und das Auge Gottes ab, um nur einige zu nennen. Die Männer legen die Basis, die Frauen und Kinder meist die Ornamente. In manchen Haushalten beginnen die Vorbereitungen schon im Frühjahr, wenn speziell für Fronleichnam Blumen im eigenen Garten angesät werden, um so einen Beitrag zur Erhaltung dieser Tradition zu leisten. Hauptsächlich jedoch werden die Blüten auf dem Feld, in den Wiesen, im Wald und sogar Lupinen in der Rhön gesammelt. Es wird jedoch darauf geachtet, dass keine Blumen, die unter Naturschutz stehen, gepflückt werden. Mit Eimern und Kartons ausgerüstet, machen sich die Erwachsenen und Kinder auf zum Sammeln. Schließlich werden vor dem eigenen Haus und Hof auch Blumen zum Schmücken benötigt.

Blumenteppich länger in Nebenstraßen

Der Blumenteppich wird am Morgen des Hochfestes, von 8 Uhr an, die Marschroute für die Prozession durch das Dorf sein. Schon am Mittag, nach dem Gottesdienst, war von dem bunten Blütenmeer nichts mehr zu sehen. Das störte einen Teil der Bevölkerung, deshalb wird seit einigen Jahren der Teppich in Nebenstraßen länger liegengelassen. "In Unterfranken gibt es nur noch eine Handvoll Dörfer, die am frühen Morgen den Teppich zur Ehre Gottes legen", im Gegensatz zum Süden Bayerns so ein Bistumssprecher.