Eine Wohnung in Münnerstadt: Auf 90 Quadratmeter verteilen sich Müll, Geschirr, Kleidung, fast flächendeckend. Die Türen eingeschlagen, die Steckdosen herausgerissen. "Ich konnte das nicht fassen." Das, so sagt Roland Kneuer, war seine erste Reaktion, als er seine Mietwohnung sah. Nur per Gerichtsbeschluss wurde er die Chaos-Mieter los - er war Mietnomaden aufgesessen.

Rückblick: Roland Kneuer (67) gehört ein Haus in Münnerstadt. Sechs Wohnungen vermietet er darin. "Ich habe immer lange Mietverhältnisse, die Atmosphäre unter den Mietern war immer gut." Das endete im Oktober, als ein junges Paar im zweiten Stock einzog.

Ganz normaler Eindruck

Der Mann und die Frau um die 30 machten auf Kneuer zunächst einen "ganz normalen Eindruck", sagt er. "Ich war Informatiker, habe mit vielen Menschen zu tun gehabt, verfüge über Lebenserfahrung und Menschenkenntnis, sie schienen ordentlich und nett." Beide konnten Arbeitsnachweise vorlegen, für ihn war das die Absicherung, dass beide über Geld verfügten und die Miete zahlen konnten. Es ging um monatlich 342 Euro, ein Schnäppchen, wenn man die Größe der Wohnung bedenkt. "Dafür war sie aber auch nicht auf dem neuesten Stand", sagt Roland Kneuer.

Nie Miete gezahlt

Nur: Das Paar zahlte nicht. Nie. Roland Kneuer stellte Nachforschungen an und erfuhr: Das Paar hatte bereits einen Ruf - Mietnomaden, hieß es. Kneuer ist ein überlegter Mensch, der nicht schnell auf Spatzen schießt. Zunächst kontaktierte er die Eltern des jungen Mannes. "Der Vater schien verzweifelt, er sagte: ,Er ist mein Sohn und er wird es bleiben' - aber auch er war gegen das Verhalten des Sohnes machtlos, er wusste auch von Mietschulden in der Vergangenheit." Der 67-Jährige nahm sich einen Anwalt und kündigte form- und fristgerecht das Mietverhältnis.

Das allerdings juckte das Paar scheinbar wenig. "Es sollte insgesamt acht Monate dauern, bis sie auszogen", sagt Roland Kneuer. Im Mietshaus von 1953 sei die Atmosphäre unter den Mietern immer gut gewesen - das schien vorbei zu sein. Vor allem gingen Beschwerden über zu laute Heavy Metal-Musik bei ihm ein. "Den Mietern im ersten Stock habe ich deshalb auch einen Teil der Miete erlassen."

Einrichtung zerstört

Es waren diese Mieter, die ihn im Sommer anriefen und Alarm schlugen: In der Wohnung über ihnen hörten sie Wasser rauschen. Da Roland Kneuer befürchten musste, dass ein Rohr gebrochen war, ließ er die Tür zur Wohnung der Mietnomaden öffnen. "Was wir da sehen mussten, war unglaublich", sagt er. "Dass es so schlimm war, habe ich nicht gedacht." In der Wohnung ein komplettes Durcheinander von Geschirr, Müll, Kleidung, Einrichtungsgegenständen. Geschirr stand selbst im Badezimmer. Die Türen - Glas und Holz - waren teilweise eingeschlagen, Schlitze liefen durch die Mauern, Steckdosen waren herausgerissen. Die Duschabtrennung auf der Badewanne war zerbrochen.

Die gute Nachricht im Chaos: Es war kein Wasserrohrbruch, die Toilettenspülung hing und das Wasser rauschte durch.

Vermieter bleibt auf Kosten sitzen

Es dauerte noch bis Anfang August, bis die Räumungsklage endlich durch war. Einmalig hatte das Paar ihm 600 Euro gezahlt, per Gerichtsentscheid mussten sie ihm noch einmal 1000 Euro zahlen. "Bei ihnen ist nichts zu holen, sie sind mittellos", weiß Roland Kneuer mittlerweile. Und er bleibt auf den Renovierungs-, Anwalts- und Gerichtskosten sitzen. "Die Mietschulden, Rechtsanwalts- und Gerichtskosten belaufen sich auf 8600 Euro, dazu kommt die Renovierung in Höhe von etwa 8000 Euro."

"Völlig hilflos"

"Du fühlst dich vollkommen hilflos, bist auf die Schnelligkeit der Gerichte angewiesen", sagt Roland Kneuer. Dass sich die Gerichtstermine durch Corona verzögerten, kann er allerdings verstehen. Er als Vermieter hat Konsequenzen daraus gezogen: "Künftig verlange ich von jedem potenziellen Mieter die Telefonnummer des vorherigen Vermieters, um mir dort Auskünfte über das Zahlungsverhalten zu holen. Dazu verlange ich eine Schufa-Auskunft sowie eine Gehaltsbestätigung." Er weiß, dass er damit das Risiko nicht auf Null setzen kann. "Aber das gibt wenigstens eine kleine Sicherheit."

Info:

Das Portal immoverkauf24.de hat einige Tipps zusammengestellt, wie sich Vermieter schützen können. So raten auch sie zu einer Bonitätsauskunft vom Mietinteressenten, via Schufa oder Creditreform.Vermieter sollten sich den Ausweis des Mieters zeigen lassen, Mietnomaden hätten häufig keinen.Roland Kneuers Weg, den vorherigen Vermieter anzurufen, hält immoverkauf24.de ebenfalls für richtig.Daneben wird geraten, die Mietkaution als Barzahlung statt als Kautionsversicherung zu fordern - offenbare der Mieter Liquiditätsprobleme,bestehe ebenfalls ein Grund, misstrauisch zu werden. Wer dennoch auf Mietnomaden reingefallen ist, der sollte die Polizei einschalten und die Personen wegen Betrugs anzeigen.

Die Arag-Versicherung listet Fragen auf, die Vermieter Mietern stellen dürfen. Das sind Fragen nach Beruf und Arbeitgeber, aktuelle Arbeitslosigkeit; Nettoverdienst; Gehaltspfändung (auch der Arbeitgeber muss antworten); Sozialleistungen; Insolvenzverfahren; Mietschulden. Nicht zulässig sind nach Angaben der Arag Fragen nach Familienstand; frühere finanzielle Notlagen, Vorstrafen, Arbeitslosigkeit; Kinderwunsch und Schwangerschaft; Gesundheitszustand und Behinderungen; Sportarten und Musikinstrumente; Rauchen; Religionszugehörigkeit.