Gerade einmal zweieinhalb Wochen nach einem schweren Fahrradunfall ist am Dienstag in der inneren Kissinger Straße erneut ein Radfahrer gestürzt. Auch wenn er mit leichteren Verletzungen davon kam, unterstreicht der Vorfall den Handlungsbedarf auf der Strecke. Und: Der Radfahrer war stadtauswärts unterwegs, hat die veränderte Verkehrsführung also offenbar nicht bemerkt oder nicht beachtet. Für Samstag ist eine zweite Fahrraddemo in Hammelburg geplant, kommenden Montag diskutiert dann der Stadtrat über die innere Kissinger Straße.

Nach Angaben der Hammelburger Polizei hat sich ein 68-Jähriger beim Sturz in der Kissinger Straße leicht an der Schulter verletzt und wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Mann fuhr am späten Dienstagnachmittag mit seinem Pedelec trotz Verbotszeichen vom nördlichen Bereich der Dalbergstraße kommend nach links in die Kissinger Straße und wollte weiter in Richtung Kreisverkehr. Er kam laut Polizeiangaben aufgrund eines Fahrfehlers ohne Fremdeinwirkung auf regennasser Fahrbahn mit seinem Vorderrad vermutlich an einen der Randsteine und stürzte. Weil er keinen Fahrradhelm trug, erlitt er laut Polizei zudem leichtere Verletzungen am Kopf. Am Fahrrad entstand geringer Schaden, während der medizinischen Versorgung sperrte die Polizei die Straße.

Unabhängig von dem Unfall hat der Hammelburger Markus Heurung für kommenden Samstag, 17. Juli, erneut eine Fahrraddemo in Hammelburg angemeldet. Beginn ist dieses Mal um 10 Uhr, die Teilnehmer starten erneut vom Bleichrasen aus zu einer kleinen Tour durch die Stadt. Danach hat Heurung gegen 10.30 Uhr eine offene Gesprächsrunde angesetzt. Anders als bei der Premiere findet der Abschluss allerdings nicht vor dem Rathaus statt: "Mit 80 Leuten war es beim letzten Mal auf dem Marktplatz recht eng", berichtet der Initiator, zudem wolle er keine anderen Gruppen stören. Deshalb weiche die Demo er auf den nahen Viehmarkt aus.

"Viele haben Gesprächsbedarf", fasst er die Rückmeldungen nach der ersten, gut besuchten Fahrraddemo am 3. Juli zusammen. Deshalb wolle er einen Austausch moderieren. Wichtig seien ihm dabei kurze Statements, damit viele Bürger zu Wort kommen. Er habe die Demo auch sicherheitshalber bis 11.30 Uhr angemeldet, also eineinhalb Stunden. Zur Demo wolle er auch den Bürgermeister und die Stadträte noch einladen.

"Erschreckend ist, wie viele Fahrradfahrer wirklich Angst vor der Kissinger Straße haben", erzählt Markus Heurung von Gesprächen. Viele würden die Straße meiden, in beide Richtungen. Die jetzige Lösung einer Sperrung hält Heurung für falsch. "Zum einen stimmt nicht, dass es gar nicht anders geht, zum anderen muss man auch die Folgen bedenken." Mit der Sperrung wird aus seiner Sicht der Unfall-Schwerpunkt lediglich auf die Altstadt verteilt. Heurung sieht in den engen Gassen viele Gefahrenpunkte an Einmündungen oder durch unvorsichtig geöffnete Autotüren. "Dooring-Unfälle" seien eine besonders häufige Ursache für schwere Verletzungen.

Markus Heurung favorisiert einen verkehrsberuhigten Bereich für die Kissinger Straße. "Das wäre die fairste Lösung für alle Verkehrsteilnehmer", sagt er, und: "Dem Autofahrer muss einfach klar sein, dass in der Straße auch Fußgänger und Fahrradfahrer unterwegs sind." Zudem könnten in einem verkehrsberuhigten Bereich aus seiner Sicht auch die Parkplätze erhalten bleiben.

Die Verwaltung hatte am 30. Juni Fakten geschaffen, indem die Kissinger Straße stadtauswärts für den Radverkehr gesperrt wurde. Bisher hing am Marktplatz das Schild "Radfahrer frei", der Behinderten- und Seniorenbeirat hatte gefordert, diese Schilder abzuschrauben. Eigentlich sollte über den Antrag im Stadtrat entschieden werden. Allerdings handelte die Verwaltung nach einem erneuten schweren Unfall am 26. Juni: Im Herbst war bereits eine Frau an der Gehweg-Kante gestürzt und hatte sich die Schulter gebrochen, Ende Juni brach sich nun eine 61-Jährige den rechten Arm, als sie versuchte, einem entgegenkommenden Pkw auszuweichen.

Seine Ankündigung, am Montag, 19. Juli, im Stadtrat über die künftige Verkehrsführung in der inneren Kissinger Straße abstimmen zu lassen, hat Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) mittlerweile zurückgenommen. "Ein Beschluss, der der Straßenverkehrsordnung nicht entspricht, kann von der Verwaltung nicht umgesetzt werden", legt sich Warmuth fest und verweist unter anderem auf Haftungsfragen.

Deshalb sei in der Sitzung kein Beschluss, sondern lediglich eine Information vorgesehen: Der Bürgermeister will von seinem Gespräch zur Kissinger Straße mit der Polizei, dem Verein für Wirtschaft und Stadtmarketing, seinen Stellvertretern und Vertretern des Seniorenbeirats berichten. Die Polizei habe darin deutlich gemacht, "dass es aufgrund der aktuell vorherrschenden Situation alternativlos war, so zu handeln wie es die Verwaltung getan hat".