Das Gerücht macht zur Zeit in Jägerkreisen die Runde. Ein Wolf soll im Landkreis gesichtet worden sein, heißt es hinter vorgehaltener Hand - wie diese Zeitung aus zwei Quellen erfuhr. Öffentlich möchte das niemand sagen, denn es gibt keine Beweise: Kein gerissenes Tier, keine Haarbüschel oder Abdrücke auf weichem Boden. Dennoch: Ein erfahrener Jäger will das Tier vor etwa zwei Wochen im Neuwirtshauser Forst nachts über die B 27 laufen haben sehen.
Auch am Kreuzberg sei in dieser Zeit ein Wolf gesichtet worden, heißt es.

Wirklich überraschend wäre das nicht. Im Hessischen ziehen schon seit einigen Jahren Einzeltiere durch die Wälder. Im März 2015 wurde eine Wölfin auf der A66 bei Bad Soden-Salmünster überfahren. Erst diesen April rückten das Forstamt Hofbieber und der Verein Umweltzentrum Fulda den Wolf ins Zentrum der Waldbiologischen Wochen. Das erklärte Ziel: Die Bevölkerung informieren und die Angst vor dem Raubtier abbauen.

So ist es auch kein Wunder, dass die Experten zunächst den Wolf vermuteten, als der Luchs erstmals in der bayerischen Rhönnachweislich auftauchte. Im November riss ein Luchs drei Tiere im Damwildgehege von Familie Belz in Schönderling. Im April folgten zwei Vorfälle im Gehege von Olaf Neun in Weißenbach, bei dem jeweils ein Tier getötet wurde, und einer im Gehege der Familie Karg in Detter. Neun gerissene Stück <%TBR from="editor"%> Damwild, vier davon tragend, hinterließ der Angreifer.


Experten vom Luchs überrascht

Inzwischen ist eindeutig klar, das es der Luchs war, der im Gehege der Kargs gewütet hat. Weitere Untersuchungen des beauftragten Labors liefen aber noch, teilt das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) mit. "Wir hoffen auf nähere Erkenntnisse zur Herkunft des Tieres, insbesondere zu der Frage, ob es sich um dasselbe Individuum handelt, das bereits früher in Damwildgehege in der Region eingedrungen war", sagt Präsident Claus Kumutat.

Die Experten überraschte das Auftauchen des Luchses: "Die Distanz zur Luchspopulation in Ostbayern ist ziemlich groß", erklärt Kumutat. Außerdem stagniere diese Population, unter anderem aufgrund illegaler Nachstellung. Für einen Luchs bestehe daher kaum eine Notwendigkeit, von dort abzuwandern, da es dort noch und immer wieder freie Reviere gebe. "Beim Wolf haben wir die Situation, dass es in den umliegenden Ländern Wolfspopulationen gibt, von denen immer wieder Einzeltiere abwandern. Junge Wölfe können dabei erhebliche Distanzen zurücklegen, wie Untersuchungen mit besenderten Tieren belegen", sagt Kumutat.

Was die Verbreitung des Wolfes hierzulande angeht, so gibt das LfU einen Überblick: In Bayern wurden in der Vergangenheit immer wieder einzelne Wölfe nachgewiesen, so in diesem Jahr im Bayerischen Wald, im Landkreis Starnberg sowie jüngst im Landkreis Nürnberger Land. Dabei handelt es sich nach bisherigen Erkenntnissen um durchziehende Einzeltiere. Eines aber ist für Kumutat klar: "Eine Aussage, ob und wann ein Wolf in der bayerischen Rhön auftaucht, wäre rein spekulativ."


Netzwerk Große Beutegreifer als Ansprechpartner vor Ort

Sollten die Berichte über den Wolf also (noch) Gerüchte sein, so tun Einheimische, Touristen und Nutztierhalter gut daran, sich langsam mit dem Gedanken anzufreunden, dass auch dieses Raubtier in der Rhön heimisch werden könnte. Das LfU will vorbereitet sein: In Bayern gebe es spezielle Strukturen für das Wildtiermanagement. Ein wesentliches Augenmerk liege dabei auf dem Monitoring sowie der Information und Beratung - vor allem der Nutztierhalter.

Die Behörde sitzt in Augsburg, Kumutat weist aber darauf hin, dass das Netzwerk "Große Beutegreifer" das LfU unterstützt. Das bayernweite Netzwerk aus Jägern, Förstern, Landwirten und Naturschützern zähle mittlerweile rund 150 geschulte Ehrenamtliche, die konkreten Hinweisen nachgehen. "Verursacht der Wolf Schäden an Nutztieren, gibt es einen unbürokratischen und fairen Ausgleich über einen freiwilligen Ausgleichsfonds", verspricht Kumutat.