Einmal knipsen und schon ist es hell. Aus dem Dunkel ins Licht zu kommen war noch nie so einfach wie heute. Licht beeinflusst jedes Leben, aber erst mit der Entwicklung des künstlichen Lichts gehen richtig große Veränderungen der Gesellschaft einher. Gerade jetzt, in der dunklen Jahreszeit, fällt Licht noch mehr ins Gewicht, sehr zum Leidwesen der Sternengucker und Sternenguckerinnen: Aufgrund der breiten Streuung der Lichtquellen, die auch durch kleine Gartenlämpchen oder die Weihnachtsbeleuchtung entstehen, kommt es zu gesteigerter Lichtverschmutzung, die die Sterne verblassen lässt.

Im Sinn einer öffentlichen Versorgung im Rahmen einer Beleuchtung ging den Kissingern im Jahr 1905 das Licht auf oder an. Ein Jahr zuvor, am 29. Juli 1904, hatte der Rat der Stadt Bad Kissingen entschieden, ein Elektrizitätswerk zu bauen und vergab den Auftrag an Oskar von Miller, einen Münchner Ingenieur mit Weltruf. "Das Elektrizitätswerk startete 1905 mit rund hundert Kunden", blickt Manfred Zimmer, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Kissingen GmbH, in die Vergangenheit.

1907 zählte die Stadt gerade mal 4757 Einwohner, ganz genau: 2140 Männer und 2617 Frauen, heute sind es rund 23 000 Einwohner. Um zu jeder Zeit genügend Strom und damit auch Licht zu erzeugen, setzt die Stadt auch auf Eigeninitiative. "Die Stadtwerke betreiben verschiedene Eigenerzeugungsanlagen", erklärt Zimmer, "beginnend mit der Wasserkraftanlage Lindesmühle, aber auch den Blockheizkraftwerken im Bereich ehemalige amerikanische Kaserne und an der KissSalis Therme sowie weitere kleine Anlagen."

Kurtheater erstrahlte

Als erstes öffentliches Gebäude erstrahlte vor über 115 Jahren das Kurtheater in Bad Kissingen. "Weitere Quellen sagen aber auch, dass es vereinzelt Anlagen gab wie zum Beispiel im Bereich Kaiserhof Victoria, die bereits seit 1890 elektrischen Strom erzeugten", führt Zimmer aus. Mit diesen Anlagen betrieben die Verantwortlichen einen Personenaufzug und die Beleuchtung des Kurhotels, in dem auch Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin von Bayern, besser bekannt als Sisi, gastierte.

Oskar von Miller lag von Anfang an am Herzen, den ländlichen Raum mit Strom zu versorgen - dafür erntete er damals Hohn und Spott, denn elektrische Beleuchtung galt als Luxus. Natürlich versanken Landkreis und Stadt vor der Elektrifizierung nicht in tiefster Dunkelheit, auf den Straßen gab es Tran- oder Gaslampen, die in Bad Kissingen von der Thüringer Gas-Gesellschaft mit Gas beliefert wurden, daheim erhellten Kerzenlicht oder Petroleumlampen die Räume.

Noch früher glühte glimmender Kienspan als leuchtender Punkt in der Düsternis. Richtig gut dran waren Leute, die sich Lampen an ihrer Kutsche leisten konnten, sie konnten zu jeder Zeit fahren. Dank einer Metallfeder, die die herabbrennende Kerze nach oben drückte und sie direkt vor einem Reflektor zum Leuchten brachte, lenkte der Kutscher seine Pferde samt Wagen sicher durch Feld, Wald und Flur. Der Clou: Die Lampen konnten abgesteckt und als überdimensionale Taschenlampe dienen.

Um 17 Uhr daheim

Ansonsten hieß es damals, daheim bleiben, wenn sich die Nacht über das Land legte. Bis spätestens 17 Uhr mussten Kinder und Frauen im Winter im Haus sein, denn wer wusste schon, wer oder was sich in der Dunkelheit auf den Gassen herumtrieb. Anfang des 19. Jahrhunderts änderte sich das, die ersten Gaslaternen tauchten europäische Städte zaghaft ins Licht. Es ist nicht vergleichbar mit der heutigen Beleuchtung, die Lampen damals verbreiteten höchstens Funzelhelligkeit, die reichte aber, um nachts den Weg zu finden. Bei Vollmond schalteten die Verantwortlichen aus Sparsamkeit das Licht gar nicht erst an - der Mond schien schließlich hell genug.

In den Kirchen herrschte bis auf Kerzenlicht im finsteren Mittelalter noch überwiegend Dunkelheit, im Barock änderte sich das. Üppige Dekorationen, Formenvielfalt, kunstvolle Decken- und Wandgemälde zierten Kirchen, Paläste, Schlösser und Residenzen. Adel, Fürstbischöfe und sonstige Herrscher stellten ihren Reichtum zur Schau, Prunk und Herrlichkeit sollten richtig erstrahlen, so wurde entsprechend beleuchtet. In Kirchen tragen heute noch bunte Glasfenster, die biblische Geschichten darstellen, dazu bei, dass sich gerade bei Sonnenschein faszinierende Lichtblicke ergeben.

Von Lasershow bis Kerzenlicht

Ohne Zweifel lässt sich mit Licht gestalten, die Stimmung beeinflussen, man denke nur an die Lasershow in einer Diskothek. In Verbindung mit Musik versetzen die wilden Zuckungen der Strahlen, geschaffen von Lichtdesignern, nicht wenige Tänzerinnen und Tänzer in Ektase. Für romantische Abende dagegen wählt man schummriges Kerzenlicht.

Nicht nur Esoteriker und Esoterikerinnen schwören auf Farblichttherapie, um die Seele ins Gleichgewicht zu bringen. Architekten positionieren an grandiosen Bauwerken gerne Lichtpunkte, um Akzente zu setzen.

Und, ausreichend künstliche Beleuchtung macht aus der dunkelsten Bude einen hellen Arbeitsplatz. Das erkannten schon die Fabrikbesitzer am Anfang der Industrialisierung: Damit die Menschen Tag und Nacht an den Maschinen arbeiten konnten, brauchte es viel Licht. Da kam die Elektrifizierung genau richtig.

"Wenn es ums Arbeiten geht", sagt Zimmer, "ist ein modernes LED Licht unschlagbar." Gerade in der Vorweihnachtszeit zaubert aber Kerzenlicht noch immer eine ganz besondere Atmosphäre in diese dunkle Jahreszeit.