Ohne eine Lösung verlief die Diskussion um die Schließung des Horts in der jüngsten Sitzung des Stadtrats. "Dass Kindergartenkinder und Hortkinder unterschiedlich behandelt werden, sehe ich nicht ein!", sagte Stadträtin Birgit Poeck-Kleinhenz (PWG), die das Thema auf die Tagesordnung gebracht hatte. Hintergrund ist, dass der Stadtrat im Rahmen der Haushaltsberatungen für das laufende Jahr die Gebühren für den Hort um 20 Prozent angehoben hatte. Die Beiträge für den Kindergarten zogen dagegen nur um fünf Prozent an.

Enge Personalplanung

Das Ergebnis dieser Entscheidung liegt nun auf dem Tisch: Für das kommende Schuljahr haben sich zu wenig Kinder für den Hort angemeldet, nämlich insgesamt fünf. Aktuell nutzen 20 Kinder das Angebot. Deshalb wird es den Hort ab September nicht mehr geben. Damit fällt eine Wahlmöglichkeit für Familien, ihre Kinder zu flexiblen Zeiten betreuen zu lassen, weg. "Wenn wir die Gebühren nicht erhöht hätten, dann wären jetzt 13 Kinder angemeldet", ist sich Poeck-Kleinhenz sicher.

In der sich anschließenden Diskussion wurde mehr als deutlich, dass die enge Personalplanung der städtischen Kindergärten der Grund dafür ist, dass das Angebot nicht für so wenige Kinder aufrechterhalten werden kann. "Die Gebührenerhöhung spielt gar nicht die große Rolle", machte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) klar. Es gehe vielmehr um die unterschiedlichen Buchungszeiten. "Wenn im Durchschnitt zweieinhalb Stunden gebucht werden, und das zu unterschiedlichen Zeiten, das trägt sich nie und nimmer!"

Eltern zeigen kein Verständnis

Alexandra Wirth, Leiterin des Kindergartens Regenbogenland, schlüsselte den Stadträten die Personalverteilung auf. An die Eltern im Publikum gerichtet sagte Wirth: "Es muss Ihnen klar sein, dass die Qualität des Hortes nicht mehr dieselbe sein wird" - sollte doch noch ein Hort zu Stande kommen. Kämmerer Leo Romeis überschlug in einem Rechenbeispiel, dass erst mit 15 Kinder zu je vier Stunden Buchungszeit der Hort für die Stadt zu halten sei.

"Es geht nur ums Geld, nicht um Pädagogik", machte Erwin Miller (FB) seinem Unmut Luft. Auf die Frage, wie viel Geld die Stadt durch die Gebührenerhöhung einspare, nannte Romeis eine Summe von 4500 Euro. Da ging ein Lachen durchs Publikum. "Wenn es tatsächlich um 4500 Euro geht, dann ist das eine Lachnummer", sagte Mutter Heike Lang, nachdem der Tagesordnungspunkt abgehandelt war. "Die Stadt hat kein Geld, ausgetragen wird das auf dem Rücken der Kinder", ergänzt ihr Mann Jürgen Lang.

Offener Ganztag nicht möglich

Von den Eltern, die ihr Kind für den Hort angemeldet hatten, wollte niemand stattdessen das gebundene Ganztagsangebot an der Grundschule nutzen. Ein Grund: Im gebundenen Ganztag haben die Kinder Anwesenheitspflicht bis 16 Uhr. "Mein Kind soll Kind sein dürfen", erklärt Heike Ziegler, warum das für sie nicht in Frage kommt.

Emanuel Fritschka (PWG) fragte, ob ein offenes Ganztagsangebot nicht eine Lösung wäre, da dort die Betreuungszeiten flexibler gestaltet werden können. Doch laut Aussage der Stadtverwaltung wurde eine offene Ganztagsbetreuung für das kommende Schuljahr in Bad Brückenau nicht genehmigt.

Elterninitiative gründen?

"Wir werden das nächsten Jahr noch einmal versuchen", versprach Meyerdierks. Für die aktuelle Situation schlug sie vor, mit Hilfe einer Elterninitiative eine flexible Kinderbetreuung auf die Beine zu stellen. "Würden die Eltern denn da mitmachen?", fragte Heike Kötzner (CSU) in die Runde. Draußen vor der Tür sind die Eltern unschlüssig, was sie von dieser Idee halten sollen. "Wir sind doch alle berufstätig", sagt zum Beispiel Gerald Küntzel.

Drinnen endet die Diskussion ohne Ergebnis. "Für eine relativ kleine Minderheit sollen wir eine Entscheidung treffen, die die Stadt sehr, sehr viel Geld kostet", sagt Karlheinz Schmitt (CSU) zum Abschluss. "Können wir uns das leisten?"