Die kreiseigene Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen: Der in Hammelburg ansässige Träger von Senioreneinrichtungen hatte seinen Schwerpunkt ursprünglich im Westen des Landkreises, mittlerweile betreut die Stiftung acht Einrichtungen mit insgesamt 567 Plätzen im gesamten Kreis und hat rund 500 Mitarbeiter. "In der Pflege wird eine bestimmte Größe immer wichtiger", betont Vorstand Marco Schäfer, und: "Die Pflege ist Spielball der Gesetzgebung, wir kommen als Betreiber fast nicht mehr hinterher."

Gesellschaft aufgelöst

In seiner letzten Sitzung 2019 hat der Kreistag den Betrauungsakt der kreiseigenen Heß'schen Sozialstiftung neu gefasst. Auslöser war die Auflösung der Juliusspital gGmbH zum Jahresende 2019: "Wir hatten die gemeinnützige GmbH bei der Übernahme 2013 als hundertprozentige Tochter der Stiftung gegründet", berichtet Schäfer. Nun seien die Beschäftigten im Juliusspital in die Heß-Stiftung übernommen worden. Damit seien alle Einrichtungen gleich organisiert, lediglich die Reinigungskräfte sind seit 2017 in eine GmbH ausgelagert.

"Die Juliusspital-Stiftung in Münnerstadt besteht weiterhin", stellt Schäfer klar. Die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung habe lediglich die Gebäude und den Betrieb übernommen, der Wald sei bei der Stiftung geblieben, und: "Der einzige Zweck der Stiftung ist die Unterstützung des Juliusspitals."

Schäfer kehrte 2009 zur Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung zurück und übernahm 2010 die Leitung. Damals habe die Stiftung rund 270 Plätze angeboten. Seitdem ist viel passiert: 2011 übernahm die Stiftung das Zeitlofser Seniorenheim "Haus Raphael" mit 40 Langzeit- und zwei Kurzzeitplätzen. Der Betrieb laufe "sehr stabil", sagt der 43-jährige Vorstand zufrieden. Gleich viele Plätze hat das 2015 eröffnete Seniorenhaus "Thulbatal" in Oberthulba. Die kleine und familiäre Einrichtung sei zu 99 Prozent belegt.

Die kleinste Einrichtung der Stiftung ist das Ende 2017 übernommene Seniorenhaus in Euerdorf mit 29 Langzeit- und zwei Tagespflegeplätzen. "Das ist eine besondere Herausforderung", kommentiert Schäfer die wenigen Plätze dort. Besonderheit in Euerdorf ist, dass das Gebäude nicht dem Betreiber, sondern der Philippi'sche Altenheim-Stiftung gehört.

23,5 Millionen Euro investierte die Stiftung ins 2016 eröffnete neue Haus Waldenfels in Bad Brückenau mit 90 Pflege- und 15 Tagespflegeplätzen sowie 17 Plätzen im betreuten Wohnen. "Für uns ist die Baumaßnahme abgeschlossen", berichtet Schäfer, allerdings gehe der Rechtsstreit um den Hangrutsch weiter: Das Landgericht Schweinfurt habe einen Gutachter bestellt, der im November 2019 vor Ort gewesen sei.

Aktuell baut die Stiftung in Hammelburg und Münnerstadt: Das Dr.-Maria-Probst-Heim und das Juliusspital werden erweitert. In beiden Fällen werden neue Plätze und ein Veranstaltungsraum angebaut. In Hammelburg war der Auslöser aber vor allem die Haustechnik: Bei der Privatisierung des Hammelburger Krankenhauses wurde keine eigene Heizung gebaut und nur ein Küchen-Container aufgestellt. "Das Probst-Heim war früher ein Anhängsel des Krankenhauses", berichtet Schäfer.

Fünfstöckiger Erweiterungsbau

Nach dem Verkauf sei der Verbindungsgang zugeschüttet worden. Nun werde das nachgeholt, was bei der Generalsanierung 1999 versäumt wurde: Der rund 25 Meter lange Anbau ist unterkellert, ganz unten soll später ein Blockheizkraftwerk stehen, vorerst kommt die Wärme aber noch von den Stadtwerken. Im Stock darüber entsteht eine neue Küche, dann kommen zwei Stockwerke mit insgesamt 14 rollstuhl-geeigneten Zimmern und ganz oben ein großer Veranstaltungsraum. Baustart war im Frühjahr 2017, im Sommer 2019 war der Rohbau, aktuell läuft der Innenausbau. Vor allem durch die viele Technik rechnet die Stiftung mit sechs Millionen Euro Kosten.

In Hammelburg hat Schäfer auch eine Baustelle im übertragenen Sinn: Nach einer schlechten Bewertung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen macht der 43-Jährige das Probst-Heim zur Chefsache und ordnete eine Reorganisation an: Bianca Reiß (46) kam vor kurzem als neue Heimleiterin, Anfang 2020 wird nun die Pflegedienstleitung neu besetzt. Die Stiftung reduzierte zudem die Zahl der Pflegeplätze von 119 auf 96. "Wir hätten das nicht machen müssen, aber wir machen das freiwillig, um mal Luft zu holen", stellt Schäfer klar. "Das war eine sehr gute Entscheidung, da hat die Stiftung Verantwortung bewiesen", lobt die neue Heimleiterin den Schritt. Nach der Einarbeitung der neuen Pflegedienstleitung werden die Plätze wieder aufgestockt. Nach Ostern soll zudem der Anbau in Betrieb gehen.