Mehr junge Männer unter Flüchtlingen? Ja, aber...

Betrachtet man die Gesamtzahlen, so waren zwei Drittel der Asyl-Erstantragssteller im Jahr 2014 männlich. Der Anteil männlicher Flüchtlinge schwankt jedoch stark nach Herkunftsland. So sind 79,9 Prozent der Antragssteller aus Eritrea männlich gewesen, aus Mazedonien waren es jedoch nur 50,1 Prozent. Dies ergibt sich aus Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf).

Insgesamt ist das Geschlechterverhältnis bei Flüchtlingen vom Balkan ausgeglichener als bei Asylsuchenden aus Afrika und dem nahen Osten. Weltweit ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen auf der Flucht übrigens ausgeglichen. Von weltweit etwa 60 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind, sind ziemlich genau 50 Prozent männlich, wie die UNHCR in einem Bericht über das Jahr 2014 mitteilt.


Warum kommen so viele männliche Flüchtlinge aus Kriegsgebieten?

Viele Familien fliehen aus Syrien und anderen Kriegsgebieten zunächst in eine Nachbarland. In Ländern wie dem Libanon, der zum Beispiel etwa vier Millionen syrische Flüchtlinge beherbergt, sind die Lebensumstände dramatisch - die Familien wollen also weiter fliehen, in Sicherheit und um in menschenwürdigen Verhältnissen zu leben.

Von den Zwischenlagern in den Nachbarländern aus machen sich vor allem junge Männer auf den Weg. Für die gefährliche Reise nach Europa rechnen sie sich größere Chancen aus, lebend anzukommen. Dazu kommt, dass Männer in Ländern wie Syrien oder Somalia meist besser ausgebildet sind als ihre Frauen und somit auch leichter Arbeit finden.


"Ich würde meine Familie nicht zurücklassen"

Diesen Vorwurf liest man häufig. Männlichen Flüchtlingen wird oft unterstellt, sie würden ihre Familien im Stich lassen und egoistisch handeln. Vielmehr ist ihre Hoffnung, ihre Familien in Sicherheit und Frieden nachholen zu können und zwar nicht direkt aus dem Kriegsgebiet, sondern wie oben beschrieben zumeist aus halbwegs sicheren Zwischenlagern in Nachbarländern.
Fliehen Menschen direkt aus dem Kriegsgebiet und stehen vor der Entscheidung, wer gehen soll, fällt die Wahl außerdem häufig auf den Mann der Familie, da diese als erste in Gefahr sind, als potenzielle Gegner und Kriegsteilnehmer festgenommen oder von Regimen im Bürgerkrieg rekrutiert zu werden.