Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich kurz vor Jahresende die regionalen Energieversorger zu Wort melden und vorsorglich auf potenzielle Preiserhöhungen hinweisen. Diesmal ist es anders: Bevor sie ihre Kunden informieren, machen 14 fränkische Stadt- und Gemeindewerke Dampf mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Horst Seehofer. Ihre Forderung: "Strom darf nicht zum Luxusgut werden."

Weil sie sich und die Verbraucher zum Jahresende mit einem Anstieg der Strompreise auf ein neues Rekordniveau konfrontiert sehen, haben sich die Stadt- und Gemeindewerke aus Bamberg, Coburg, Ebermannstadt, Ebersdorf, Erlangen, Fürth, Helmbrechts, Lichtenfels, Miltenberg-Bürgstadt, Rödental, Stammberg, Hollfeld, Neustadt (Coburg) und Weiden für diesen ungewöhnlichen Schritt zusammengeschlossen.



Online-Petition

Gemeinsam haben die Energieversorger die Initiative "Energiewende bezahlbar" ins Leben gerufen. In ihrem offenen Brief an die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung fordern die Vorstände und Geschäftsführer der 14 kommunalen Unternehmen, dass die Kosten für die Energiewende reduziert und solidarisch auf alle Stromkunden verteilt werden. Ihren Brief haben sie bereits an die politischen Adressaten abgeschickt, ihn aber auch auf einer eigens eingerichteten Internetseite veröffentlicht. Auf diesem Portal gibt es neben Hintergrundinfos zum Strompreis auch eine Online-Petition: Kunden können die Forderung nach bezahlbarem Strom unterstützen, indem sie die Petition an den Deutschen Bundestag unterzeichnen.


Steuern, Abgaben und Entgelte

Als Ursache für den Preisanstieg nennen die Energieversorger massiv steigende Steuern, Abgaben und Entgelte. "Bayerische Stromkunden sind besonders betroffen", sagen stellvertretend Klaus Rubach und Michael Fiedeldey, Geschäftsführer der Stadtwerke Bamberg. Ulrike Hörchens, Sprecherin des Übertragungsnetzbetreibers Tennet, bestätigt die Erhöhung. Nach einem Anstieg um 1,16 Cent pro Kilowattstunde in diesem Jahr gehe der Preis 2017 noch einmal um 2,07 Cent nach oben. Ausgaben für netzstabilisierende Maßnahmen wirkten sich im gesamten Tennet-Netz aus, weshalb auch die bayerischen Verbraucher von der Erhöhung betroffen seien.

"Und die jeweiligen Stadtwerke stehen dann beim Kunden und müssen ihm diese staatlichen Mehrbelastungen erklären und verrechnen", sagen Rubach und Fiedeldey. Für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von durchschnittlich 2500 Kilowattstunden kämen da im Jahr leicht 60 Euro zusammen.


EEG-Umlage steigt stetig

Darüber, dass die Energiewende nötig ist, besteht bei den Initiatoren Einigkeit. Der Knackpunkt liegt woanders: "Die Kosten sind ungleich verteilt und die Preisverschiebungen sind die Folge von politischen Entscheidungen", sagen Rubach und Fiedeldey. "Es heißt immer, die Kunden könnten ja durch einen Anbieterwechsel sparen. Aber es ist nicht richtig, das auf die Verbraucher abzuwälzen." Diese wüssten oft nicht, dass es fast egal sei, bei welchem Energieversorger sie den Vertrag unterschreiben - über 75 Prozent des Strompreises machten Steuern und eine ständig steigende EEG-Umlage aus.

Allein diese Umlage steige am Jahreswechsel auf ein neues Rekordniveau von 6,88 Cent je Kilowattstunde. Diese staatliche Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien trage rund ein Viertel zur Stromrechnung bei und belaste den durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2500 Kilowattstunden mit 204 Euro inklusive Mehrwertsteuer.


"Die Zeche zahlt der kleine Mann"

In der Folge würden die privaten Haushalte über ihre Stromrechnung mit einem mehrstelligen Milliardenbetrag belastet, während besonders energieintensive Unternehmen von diesen Kosten verschont blieben. "Am Ende zahlt die Zeche der kleine Mann. Das führt zunehmend zu einer sozialen Verschiebung und muss gesellschaftlich diskutiert werden", fordern Rubach und Fiedeldey.


Klare Forderungen

Deshalb haben die fränkischen Energieversorger in ihrer Petition geschrieben: "Mit großer Sorge nehmen wir wahr, dass immer weniger Bürger ihre Stromrechnung bezahlen können. Strom darf nicht zu einem Luxusgut werden. Deshalb müssen die Kosten reduziert und solidarisch auf alle Stromverbraucher verteilt werden." Weil die Initiatoren nach eigenen Worten nicht anklagen, sondern "ein Ventil für eine Weiterentwicklung der Energiepolitik" schaffen wollen, stellen sie klare Forderungen:

- Das Entgelt für die Stromübertragungsnetze in Deutschland soll für alle Regionen in Deutschland gleich sein.
- Der Ausbau von Stromtrassen und die Errichtung von Offshore-Windparks müssen besser koordiniert werden.
- Über eine Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetzes muss die Umlagefinanzierung für erneuerbare Erzeugungsanlagen beendet werden.
- Energieintensive Unternehmen dürfen nicht weiter von den Kosten der Energiewende befreit werden.


Spartipps

Stadtwerke Die Stadt- und Gemeindewerke vor Ort bieten für ihre Kunden Energieberatungen an, die in den meisten Fällen kostenlos sind.

Beratung Eine telefonische Energieberatung und Termine vor Ort gibt es auch bei der Energieagentur Nordbayern mit Geschäftsstellen in Kulmbach, Tel. 09221/82 39-0 und Nürnberg, Tel. 0911/ 994396-0 sowie unter www.energieagentur-nordbayern.de. Auch die Verbraucherzentrale hat eine (kostenpflichtige) Energieberatung u.a. in Erlangen, Coburg, Lichtenfels und Bad Kissingen. Infos telefonisch unter 0800/809802400 sowie auf www.verbraucherzentrale.de.

Spartipp Besonders effektiv ist der Wechsel auf energiesparende LED-Lampen. Sie verbrauchen im Durchschnitt nur ein Zehntel des Stroms einer normalen Glühbirne. Wer beispielsweise eine 60-Watt-Glühbirne gegen eine gleich helle LED-Lampe austauscht, kann jährlich mehr als 20 Euro Stromkosten sparen.

Hier geht es zum Internetportal und der Online-Petition der Gemeinschaftsinitiative der fränkischen Energieversorger.