Nürnberg
Sicherheit in Nürnberg

Nach Messerattacken: In Nürnberg geht die Angst um - Problemstadtteile im Fokus

Das Sicherheitsgefühl der Nürnberger hat in den letzten vier Jahren deutlich abgenommen. Vier von fünf Frauen haben Angst, nachts alleine durch den Park zu gehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Sicherheitsgefühl der Nürnberger hat in den letzten vier Jahren deutlich abgenommen. Vier von fünf Frauen haben Angst, nachts alleine durch den Park zu gehen.  Symbolbild: NEWS5/Desk
Das Sicherheitsgefühl der Nürnberger hat in den letzten vier Jahren deutlich abgenommen. Vier von fünf Frauen haben Angst, nachts alleine durch den Park zu gehen. Symbolbild: NEWS5/Desk

Eigentlich hätte die Pressekonferenz zum schwindenden Sicherheitsgefühl der Nürnberger schon am Freitag stattfinden sollen. Nach den Messerattacken sind die Zahlen nun erst am gestrigen Dienstag vorgestellt worden. Keine Frage: Durch die Taten des Messerstechers bekommt der neue Lagebericht zum Sicherheitsgefühl der Nürnberger eine erhöhte Brisanz. Nach den wahllosen Messerattacken auf drei Frauen ist das Sicherheitsgefühl der Nürnberger mit ziemlicher Sicherheit noch weiter gesunken. Dabei sind die aktuellen Zahlen bereits alarmierend genug.

Unsicherheit in Nürnberger Wohngebieten wächst

Immer mehr Bürger sind demnach unzufrieden mit der öffentlichen Sicherheit und dem Schutz vor Kriminalität in Nürnberg. Fast 40 Prozent fühlen sich in der Nacht in ihren Wohngebieten nicht mehr sicher. Damit hat sich das Sicherheitsgefühl der Nürnberger in den letzten vier Jahren um rund zehn Prozentpunkte verschlechtert. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Wohnungs- und Haushaltserhebung der Stadt, an der rund 4000 Nürnberger teilgenommen haben. "Der Vergleich der Ergebnisse von 2013 und 2017 ergibt, dass sich der Anteil derer, die sich eher oder sehr unsicher fühlen, bei den Männern von 20 Prozent im Jahr 2013 auf 27 Prozent im Jahr 2017 und bei den Frauen von 37 Prozent im Jahr 2013 auf 45 Prozent im Jahr 2017 erhöht hat", erklärt Wolf Schäfer, Leiter des städtischen Statistikamtes.

Besonders hart sind die Frauen von der Ausbreitung der Unsicherheit in Nürnberg betroffen. Vier von fünf Frauen fühlen sich sogar sehr unsicher, wenn sie nachts allein in Parks unterwegs sind. Bei den Männern sind es immerhin drei von fünf. Während Wolf Schäfer, der Leiter des Amtes für Stadtforschung und Statistik, die endlosen Zahlenreihen der allgemeinen Verunsicherung in Nürnberg am Dienstag vorträgt, versuchen die Vertreter der Verwaltung offensichtlich möglichst unerschrocken in die Augen der Journalisten zu blicken.

"Königstorpassage nie richtig schön": Schüßler mit ernüchterndem Ausblick

Gleich mehrere Experten hat die Stadt auf das Podium geschickt, um die schlechten Zahlen zu erklären. Kathrin Kurr, Leiterin des Ordnungsamtes, würde gerne noch mehr Geld für die Verschönerung von Kriminalitätsbrennpunkten wie der berüchtigten "Königstorpassage" zwischen dem Bahnhof und der Innenstadt ausgeben, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern. Christine Schüßler, Leiterin des Bürgermeisteramts von Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), ist sich dagegen sicher, dass die "Königstorpassage nie richtig schön" werden wird. Schüßler verweist vielmehr auf das sinkende Sicherheitsgefühl in ganz Deutschland. Damit will Schüßler wohl die schlechten Zahlen aus Nürnberg relativieren.

Besonders dramatisch hat sich das Sicherheitsgefühl in Stadtteilen wie Eberhardshof rund um das ehemalige Quelle-Versandhaus oder dem angesagten Gostenhof rund um den Jamnitzer Platz verschlechtert. Hier hat das ohnehin schon hohe Unsicherheitsgefühl in den letzten vier Jahren eine neue Stufe erreicht. Mittlerweile geben beispielsweise 45 Prozent der Befragten in Eberhardshof an, sich zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang nicht mehr sicher zu fühlen. Ob nicht der gestiegene Ausländeranteil in Nürnberg an dem gesunkenen Sicherheitsgefühl schuld sei, will eine Journalistin wissen und erntet von den versammelten Verwaltungsangestellten der Stadt beredtes Schweigen. Der Blick in eine andere Statistik der Stadt würde freilich genügen, um die Entwicklung der Ausländeranteile in den Umfragegebieten festzustellen.

Ebenfalls in Nürnberg: Junge Frau mit Kinderwagen sexuell belästigt - Jugendlicher flüchtet

In dem besonders verunsicherten Stadtteil Eberhardshof ist der Ausländeranteil beispielsweise um über fünf Prozent von 36,6 Prozent im Jahr 2013 auf 41,8 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. In Gostenhof fast das gleiche Bild: Auch hier hat sich der Ausländeranteil deutlich erhöht in den letzten vier Jahren und liegt mittlerweile ebenfalls bei über 40 Prozent. Die Stadt verweist freilich auf zunehmende Ordnungswidrigkeiten wie Lärmbelästigung und Müllablagerungen, die in diesen besonders betroffenen Wohngebieten zur Verunsicherung geführt hätten. Sogar Falschparker müssen als Ursache für das gesunkene Sicherheitsgefühl herhalten.

Bei der Suche nach Erklärungen für das deutlich verschlechterte Sicherheitsgefühl ihrer Bürger ist die Stadt offensichtlich noch nicht allzu weit gekommen. Vor diesem Hintergrund dürfte es Beobachter kaum überraschen, dass keine gewählten Vertreter der Stadt bei der Präsentation der schlechten Zahlen wenige Tage nach den Messerattacken in Nürnberg dabei gewesen sind.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren