Nürnberg
Interview

"Queen of Metal": Doro Pesch über Musik, Tierliebe und die Flüchtlingskrise

Mit ihrer Band "Doro" tourt sie dieses Jahr durch Europa. In Franken ist sie als nächstes bei Rock meets Classic in Nürnberg und Würzburg zu sehen.
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Doro Pesch, "Queen of Metal".Foto: Silvia Gralla
Doro Pesch, "Queen of Metal".Foto: Silvia Gralla
Rock meets Classic - drei Worte, ein Programm: Altrocker spielen zusammen mit einem Orchester ihre größten Hits. Mit dabei ist diesmal auch Doro Pesch. Die 51-jährige Sängerin, Spitzname Queen of Metal, ist seit der Trennung von Warlock 1988 mit einer Band, die schlicht ihren Vornamen trägt, unterwegs.

Frage: Queen of Metal - mal ehrlich, können Sie das noch hören?
Doro Pesch: Wenn es schön gemeint ist, dann gerne. Ich freue mich schon, wenn die Leute das so sehen. Das gibt gute Energie. Habe auch schon Tattoos mit diesem Schriftzug gesehen, ich hoffe nur, dass das keiner bereut. Aber gutes Feedback ist wichtig, um jedes Konzert zu geben, als wenn es das letzte wäre.

Eine Metal-Legende hatte im November letzten Jahres ihren letzten Auftritt: Lemmy Kilmister.
Er fehlt. Es gab zwei Menschen, die mir in der Musik am meisten bedeutet haben: Ronnie James Dio, der ja schon länger tot ist, und Lemmy. Ich bin total fassungslos und traurig. Nie mehr kann ich mich mit ihm unterhalten oder 'ne SMS schicken. Oder auf Tour gehen. Wir haben ja ganz viele Duette gemacht. Da habe ich wieder gemerkt, wie endlich das Leben ist. Nach einem seiner letzten Konzerte habe ich ihm noch zur ausverkauften Tour gratuliert, doch er sagte nur: "I am too old to enjoy it," ich bin zu alt, um noch Spaß daran zu haben. So traurig. Ich war auch auf seiner Beerdigung. Ein schrecklicher Verlust.

Ihr Terminkalender sieht nach Stress aus. Wie schaffen Sie das?
Ich mache Martial Arts, bin ein großer Kampfsport-Fan. Da bringe ich meinen Körper in die Balance. Das Herumreisen ohne viel Schlaf ist schon eine Herausforderung. Aber ich mache das wirklich gerne, denn wenn die Menschen sich freuen, ist das das Schönste für mich. Nur: Auf Tour auch noch eine Platte zu schreiben, das ist fast unmöglich. Ich kann und will mich nur auf eine Sache konzentrieren.

Da Sie 2016 ausgiebig touren, heißt das also, dass die Fans auf neues Material warten müssen.
Nein, ein paar Songs haben wir schon. Und einen davon spielen wir als Weltpremiere bei Rock meets Classic in Würzburg. Er heißt "Love gone to hell". Aber das Erscheinen des neuen Albums wird in der Tat noch ein Jahr dauern.

Rock meets Classic - eine spannende Sache?
Absolut. Ich habe noch nie mit so vielen Künstlern auf einmal zusammengearbeitet. Aber mit Orchester habe ich schon Erfahrung. Da hören sich die Songs immer so schön an. Da gehen sie einem noch tiefer ans Herz. In Würzburg werden wir drei Nummern spielen: "All we are", "Für immer" und eben "Love's gone to hell". Vielleicht dann noch mit anderen zusammen spontan ein, zwei weitere Lieder.

Die Zeiten in hautengem Leder sind vorbei. Heute steht der Name Doro für vegane Lebensweise und die Tierschutzorganisation PETA.
Man sollte sich immer für die Dinge einsetzen, die einem am Herzen liegen. Und ich bin nun mal totaler Tierfreund, obwohl ich selbst keine halte. Ich habe lediglich zwei Pferde adoptiert. Wir haben auch schon Benefizkonzerte wie "Rock für Tiere" gespielt. Klar habe ich früher gerne Leder getragen, gehört ja vermeintlich zum Heavy Metal dazu. Ich habe mich aber nach Alternativen umgesehen, und ich muss sagen, die Sachen aus Kunstleder sehen genauso gut und knackig aus. Irgendwann habe ich dann auch das PETA-Ding gemacht. Nur gegen Pelz musste ich mich nie ausdrücklich positionieren, das war nie meine Sache. Aber wenn ich angefragt werde, etwas für einen guten Zweck zu machen, dann tue ich das normalerweise auch.

Auch bei der aktuellen Flüchtlingsthematik?
Ja, das haben wir jetzt gemacht. Das Video zum neuen Song "Love's gone to hell" handelt davon. Der Macher des Films ist selbst Flüchtling gewesen und hat sich super integriert. Wir wollten auch in einem echten Flüchtlingscamp drehen, aber das war nicht zu realisieren. Wir gehen jetzt auf Tour auch in die Ukraine. Das sind wir den von der politischen Situation gezeichneten Fans dort irgendwie schuldig. Ich glaube sowieso, dass in jedem Musiker auch ein kleiner Weltverbesserer steckt. Ich weiß selbst, wie sich Verlust anfühlt. In Amerika habe ich schon zweimal durch Hurricanes alles verloren. Möbel oder Elektrogeräte sind verschmerzbar, doch es waren auch persönliche Dinge dabei wie etwa Briefe von Ronnie James Dio. Alle Memories waren weg.

Ärgert Sie, dass vielen wichtiger als die Flüchtlingsproblematik ist, wer Dschungelkönig oder Top-Model wird, oder wer den Bachelor abbekommt?
Diese Sachen gibt's ja auf der ganzen Welt. Ich finde solche Fernsehformate nicht mehr zeitgemäß. Seine Zeit so zu verdaddeln, finde ich unmöglich. Die Zeiten, einfach so dazusitzen und nichts zu tun, sind vorbei. Wir müssen alle aktiv werden. Ich bin ein Macher-Typ. Ich war erst wieder wegen meiner Mutter im Krankenhaus und habe erleben müssen, wie einfach zu wenig Pflege-Personal da ist. Die meisten von uns haben, was sie brauchen, haben aber trotzdem zu wenig übrig für Menschen, die in Not sind. Auch von offizieller Seite wird nach Katastrophen immer schnelle Hilfe angekündigt, und dann dauert es Jahre.

Schippert Doro auch mal in ganz anderen musikalischen Gewässern?
Wir decken ja eigentlich eine ganz gute Bandbreite ab. Harte und schnelle Sachen, aber auch Balladen. Gerne auch mal in anderen Sprachen. Ich liebe auch Blues oder Pink Floyd. Aber auch Hartes wie Amon Amarth. Wir verarbeiten viele Einflüsse. Wichtig ist nur, dass man voll hinter dem steht, was am Ende dabei herauskommt. Die Musik muss aus tiefster Seele kommen. Dann kann ich das den Fans auch anbieten.

Das Gespräch führte Michael Bauer


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