Kulmbach
Präsentation

Forschung und Lehre statt Industriebrache: So soll der Uni-Campus werden

Kulmbach wird Standort einer siebten Fakultät der Uni Bayreuth. Was das bedeutet, darüber informierten Stadt und Hochschule die Bürger.
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Knapp 50 Hektar groß ist das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Es ist das favorisierte Areal für den neuen Uni-Canpus in Kulmbach.BR-Archiv
Knapp 50 Hektar groß ist das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Es ist das favorisierte Areal für den neuen Uni-Canpus in Kulmbach.BR-Archiv
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Applaus gab es für Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU), sogar "Bravo"-Rufe aus der vollbesetzten Stadthalle. Die öffentliche Präsentation der Planungen für einen Uni-Campus in Kulmbach am Montagabend begeisterte die Zuhörer hörbar. In rund eineinhalb Stunden rekapitulierten der Rathauschef zusammen mit Bayreuths Uni-Präsidenten Stefan Leible und dem designierten Gründungsdekan der neuen, siebten Fakultät der Hochschule, Stephan Clemens, den Weg von der Vision eines Studiums in Kulmbach über den wegweisenden Kabinettbeschluss im Juni vergangenen Jahres im Rathaus bis zum zum geplanten Start der Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2020. Und sie legten dar, welche Schritte noch zu gehen sind, ehe der "Life Science Campus" vollendet ist.

1.Was steckt hinter dem Campus in Kulmbach?
Es handelt sich dabei um die siebte Fakultät der Universität Bayreuth. Der Vorlesungs- und Forschungsbetrieb soll im Herbst 2020 auf verschiedenen Flächen in Kulmbach übergangsweise starten und dann auf den neu zu bauenden Campus umziehen. Schwerpunkte sind die interdisziplinäre Forschung und Lehre rund um die Themen Lebensmittel, Nährstoffe und Gesundheit. Die Fakultät VII trägt daher auch den Titel "Food, Nutrition and Health".

2. Wo soll der Campus entstehen?
Als bevorzugtes Areal hat sich das ehemalige Güterbahnhofsgelände herauskristallisiert. Auf einer Fläche von 49 000 Quadratmetern bietet sich hier Platz, den Traum vom Studium in Kulmbach zu verwirklichen - ein Traum, der in einigen Jahren bis zu 1000 Studenten anlocken soll. 15 000 Quadratmeter habe die Stadt bereits erworben, sagte Schramm, der betonte: "Natürlich soll auch die Brauerei ihre Wünsche erfüllen können. Es geht um ein gutes Miteinander."

3. Was tut sich, bis der Campus bezugsfertig ist?
Laut Schramm sind mehrere Interimslösungen geplant. Bereits bezogen hat der Geschäftsführer des "Science Campus Kulmbach", Matthias Kaiser, sein Büro im Pförtnerhaus der alten Spinnerei. Zusätzliche Flächen wird das zweite Obergeschoss über dem Jugendzentrum bieten, das die Stadt erworben hat und für dessen Ausbau bereits drei Millionen Euro bewilligt sind. Erworben wurde auch die ehemalige Verwaltungsvilla. Für Labore werde es womöglich zunächst Container-Lösungen geben. Unter anderem ließen sich auch Räumlichkeiten in der sanierten Volkshochschule belegen. Weitere Gebäude könnten für wissenschaftliches und nichtwissenschaftliches Personal genutzt werden.

4.Was lässt sich wann in Kulmbach studieren?
Ab Herbst 2020 soll der Vorlesungs- und Forschungsbetrieb starten. Dafür sind 20 Professuren geplant. In einem interdisziplinären Ansatz dreht sich alles um die großen Themenkomplexe Lebensmittel, Nährstoffe und Gesundheit. Nach den Worten von Stephan Clemens, dem designierten Gründungsdekan der Fakultät, sind als erste Angebote ein Bachelor-Studium im Bereich "Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften" vorgesehen sowie ein Master-Studiengang "Lebensmittelqualität und -sicherheit". Es werde deutsch- und englischsprachige Veranstaltungen geben.
Clemens betonte die Vernetzung mit den Global Playern Raps, Ireks und Kulmbacher Brauerei, aber auch den Behörden wie dem Kompetenzzentrum für Ernährung und dem Max-Rubner-Institut. "Kulmbach bekommt deutschlandweit den ersten Lehrstuhl für Lebensmittelrecht", betonte der Professor die Bedeutung für Stadt und Hochschule gleichermaßen.
Präsident Stefan Leible ergänzte: "Das wird ein national wie international anerkanntes Lebensmittel-Cluster mit exzellenter Ausrichtung, das enorme Strahlkraft entwickeln wird."
Um den Campus Kulmbach für Studierende, insbesondere aus dem Ausland, attraktiv zu gestalten, ist geplant, in unmittelbarer Nähe der Forschungs- und Lehrgebäude ein Studentenwohnheim zu bauen. Dafür zeichnet das Studentenwerk Oberfranken verantwortlich. Auch bei der Verpflegung will man auf dem Campus Kulmbach neue Wege gehen: In einer eigenen Mensa auf dem Gelände soll es nicht nur ums Essen gehen, sondern auch die Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten.

5.Wie steht es um die Finanzierung?
"Der Blick richtet sich auf den bayerischen Doppelhaushalt der Jahre 2019 und 2020", sagte Stefan Leible. Ein wichtiger Faktor - nicht nur, um die erforderlichen Mittel für den Campus-Betrieb zu bekommen, sondern auch die Bautitel für die notwendigen Gebäude. In diesem Jahr sollen bereits Mittel für die ersten Mitarbeiter bewilligt werden. Was noch fehlt, ist demnach die Bereitstellung der nötigen Summen im Bauhaushalt des Freistaats. OB Schramm setzt dabei auf die Unterstützung der CSU-Landtagsabgeordneten Martin Schöffel und Ludwig Freiherr von Lerchenfeld.

6.Was bedeutet der Campus für die Kulmbacher Stadtentwicklung?
"An anderen Standorten sehen wir, dass sich meist auch neue Firmen im Bereich solcher universitärer Einrichtungen ansiedeln", bekundete Henry Schramm und überraschte mit einer Zahl: "Wir haben schon jetzt Anfragen für 1200 Wohneinheiten - das ist Wahnsinn, auch wenn sich sicher nicht alles verwirklichen lassen wird." Stadtbaudirektor Gerd Belke sprach von "Synergieeffekten" durch die Campus-Ansiedlung. "Diverse Gebiete in der Stadt werden davon profitieren, nicht nur das unmittelbare Umfeld."

7. Welche zusätzlichen Aufgaben und mögliche Probleme ergeben sich?
Ein Thema ist der Straßenverkehr. Laut Schramm sei an eine Entlastungstangente entlang der Bahnlinie gedacht. "Natürlich müssen wir auch an den Ausbau und die Attraktivierung der Rad- und Gehwege denken." Seine Hoffnung setze er weiterhin in das Einlenken der Bahn, endlich die Sanierung des Bahnhofs in Angriff zu nehmen.
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