Kronach
Einsatz

Mutter lässt dreijähriges Kind in Kronach im heißen Fahrzeug zurück

Sie ließ ihr dreijähriges Kind am Dienstagmittag im aufgeheizten Auto zurück. Dann war die Mutter zunächst nicht aufzufinden.
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Eine Mutter ließ ihr Kind im heißen Auto zurück. Wie gefährlich das ist, erklärt die Polizei Oberfranken.  Symbolbild: Christopher Schulz
Eine Mutter ließ ihr Kind im heißen Auto zurück. Wie gefährlich das ist, erklärt die Polizei Oberfranken. Symbolbild: Christopher Schulz
Weil ein dreijähriges Kind von seiner Mutter im parkenden Auto zurückgelassen wurde, mussten am Dienstagmittag die Polizei, die Kronacher Feuerwehr und das Bayerische Rote Kreuz (BRK) in die Kronachallee ausrücken. "Für das Kind ist glücklicherweise alles gut ausgegangen", sagte ein erleichterter Beamter der Polizeiinspektion Kronach.

Als das Kind nach rund 25 Minuten das Fahrzeug verlassen konnte, sei es gleich medizinisch untersucht worden, die Körpertemperatur habe aber im Normalbereich gelegen. Wie heiß es im Fahrzeug genau war, habe nicht ermittelt werden können, da die Einsatzkräfte kein Thermometer dabei hatten, so der Polizist.


Polizei ermittelt nun

"Das Fahrzeug stand in der Sonne", beschrieb der Kronacher Feuerwehrkommandant Martin Panzer die Situation, die sich bot, als er und 14 Kollegen den Einsatzort erreichten. "Die Scheibe war zwar ein Stück unten, das Kind hatte aber schon geschwitzt." Die Mutter war aber nicht aufzufinden. Hinzugerufen wurde die Polizei gegen 15.20 Uhr von Passanten, die auch mit dem Kind redeten, bis die Einsatzkräfte eintrafen.

Die Feuerwehr versuchte schließlich mit einer Drahtschlinge den Türgriff durch den Spalt zu öffnen. "Ich weiß gar nicht, ob wir es waren, die die Tür geöffnet haben oder ob das aus der Entfernung die Mutter mit dem Autoschlüssel war", so Panzer. Letztlich war es allen Beteiligten auch egal - Hauptsache, die Tür war offen. Die bisher von der Polizei eingeholten Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass es sich um etwa 25 Minuten handelte, die das Kind allein im Fahrzeug saß.

Die Polizei ermittelt nun, ob der Straftatbestand der Aussetzung gegeben ist. Die entsprechenden Ergebnisse würden der Staatsanwaltschaft Coburg vorgelegt, die dann darüber entscheidet, ob das Verfahren eingestellt wird oder zur Anklage kommt.


Die richtige Reaktion

Es passiere im Sommer immer wieder, dass Kinder oder Tiere im Fahrzeug zurückgelassen werden, erklärte Jürgen Stadter von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken unserer Redaktion bereits bei einem ähnlichen Fall im vergangenen Jahr. "Meist vermutlich aus Unwissenheit. Viele unterschätzen die ganzen Glasflächen in einem Auto. Das heizt sich dann ganz schnell auf."

Kommen dadurch Tiere zu Schaden, wartet auf den Halter eine Anzeige wegen Sachbeschädigung. Außerdem könnte er auch noch durch das Tierschutzrecht zur Verantwortung gezogen werden (Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren). Werden Kinder im Fahrzeug bei großer Hitze alleine gelassen und dadurch verletzt, ist dies eine Körperverletzung, erklärte Stadter.

Doch wie sieht eigentlich die richtige Reaktion aus, wenn jemand bei großer Hitze ein Tier oder wie am Dienstag gar ein Kind in einem geschlossenen Auto bemerkt? "Als Erstes sollte man die Polizei und den Rettungsdienst verständigen", so der Pressesprecher. "Wenn man der Ansicht ist, dass es auf Sekunden ankommt, weil die Kinder etwa nach Luft schnappen oder bereits bewusstlos sind, darf man selbstverständlich die Scheibe einschlagen."


Halter ausrufen lassen

Weil somit eine Notsituation vorläge, müsse man keine Sorge haben, wegen einer Sachbeschädigung des Fahrzeugs belangt zu werden. "Man sollte aber natürlich aufpassen, dass im Inneren des Fahrzeugs niemand durch die Scherben verletzt wird", betonte der Polizeisprecher.

Meist kämen solche Situationen vor Parkplätzen von Einkaufsmärkten vor. Daher könne es oft schon helfen, den Halter des Fahrzeugs im Markt ausrufen zu lassen. "Falls weitere Personen vor Ort sind, ist es ratsam diese hinzuzuziehen und sich mit ihnen zu besprechen, wie weiter vorgegangen wird."

So habe man anschließend auch Zeugen. "Erwachsene können eine solche Situation vor Ort schon ganz gut einschätzen", ist er überzeugt, dass Fahrzeuge nicht voreilig beschädigt werden. "Wenn die Kinder etwa lachen und im Auto rumspaßen, besteht sicherlich kein Grund, sofort einzugreifen."

Die beste Möglichkeit, eine kritische Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen: kein Lebewesen im geschlossenen Fahrzeug zurücklassen!


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