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LKR Coburg
Virus-Eindämmung

Maschinen rattern gegen Corona

Wo normalerweise Polstermöbel hergestellt werden, laufen die Nähmaschinen derzeit. In den Betrieben werden Mund-Nasen-Schutzmasken produziert. Von dieser Aktion können viele profitieren.
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Maskenproduktion bei der Firma Arco Polstermöbel in Weidhausen Fotos: privat/Unternehmen
Maskenproduktion bei der Firma Arco Polstermöbel in Weidhausen Fotos: privat/Unternehmen
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Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) hatte angekündigt, Landkreise und kreisfreie Städte im Freistaat mit zertifiziertem Material zu versorgen, aus dem Nähereien Schutzmasken herstellen können, um damit den Engpass bei den Masken zu beseitigen. Einige dieser versprochenen Vliesstoff-Rollen sind auch in Coburg angekommen und wurden beziehungsweise werden bei Eintreffen an Industriebetriebe verteilt, die eben diese Mund- und Nasenschutzmasken zuschneiden und nähen.

Die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung in der Stadt und im Landkreises Coburg haben hierfür Kontakt zu Industriebetrieben aufgenommen, die Stoffe normalerweise für andere Produkte zuschneiden und nähen. Polstermöbelfabriken beispielsweise.

Eine davon ist die Firma Ponsel in Weidhausen. Die Geschäftsführer Sabine und Axel Faber haben gar nicht lange überlegen müssen, beim Herstellen der dringend benötigten Masken ihre Unterstützung anzubieten. Im Gegenteil: "Das Thema geht uns doch alle an. Jeder hat in seinem Umfeld jemanden, der möglicherweise zur Risikogruppe gehört, und treffen kann das Virus jeden von uns." Also war für sie gleich klar, sofern möglich, mitzuhelfen, um die Weiterverbreitung dieses Virus einzudämmen.

Umstellung der Maschinen

Worauf müssen wir achten? Wie sollen die Masken aussehen? Unter anderem diese Fragen haben sie schnell und unkompliziert mit den Mitarbeitern der Wirtschaftsförderung im Coburger Landratsamt klären können. Daraufhin wurden die Nähmaschinen, die sonst die Bezüge für Sofas und Sessel produzieren, entsprechend umgestellt und die ersten Masken-Muster genäht.

Und dann, als die ersten von Aiwanger versprochenen Stoffrollen da waren, ging es mit der Produktion so richtig los: Aus einer solchen Rolle haben die Näherinnen von Ponsel Polstermöbel 3600 Masken fertigen können. Nachschub folgt mit jeder weiteren Rolle, die in der Fabrik ankommt.

Das Geschäft, das den Fabers durch die der Corona-Krise geschuldeten stagnierenden Auftragslage verloren geht, holten sie damit nicht rein, sagen sie. Aber immerhin könne man so zumindest einen Teil der Belegschaft weiterhin beschäftigen, weiß auch Dieter Wolf, Geschäftsführer von Gruber Polstermöbel. Doch nicht nur das war für ihn ein Grund, bei der Produktion des Mund-Nasen-Schutzes mit anzupacken. "Die Weiterverbreitung muss gestoppt werden - das schadet sonst ja der Wirtschaft immer mehr."

Das sind auch die Beweggründe von Alexandra Frey von Arco Polstermöbel in Weidhausen. Und man habe schließlich auch eine soziale Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber: "Da wir wissen, dass viele Mitarbeiter mit dem Kurzarbeitergeld nicht zurechtkommen, hoffen wir, damit deren finanziellen Verlust etwas abzufedern."

Auch für Thomas Ebert, Geschäftsführer der Firma Matratzen Dehler in Coburg, ein Beweggrund, die Maskenproduktion zu unterstützen: "Damit können wir die sinkenden Auftragseingänge etwas kompensieren und unsere Mitarbeiter weiterhin beschäftigen." Er sei seinen Mitarbeitern für deren Engagement und Einsatz sehr dankbar. Und Ebert sieht in der Unterstützung bei der Maskenproduktion sogar noch einen ganz anderen Aspekt: "So können wir den Einkäufern, die sonst in China kaufen, zeigen, dass es in Deutschland auch funktioniert."

Auch das in dritter Generation geführte Familienunternehmen W. Schillig hat im Eiltempo seine Produktion umgestellt: neben Polstermöbelstoffen und -ledern näht der Frohnlacher Polstermöbelhersteller ab sofort im Auftrag des Landkreises Coburg Mund- und Nasen-Masken. Obwohl W. Schillig als einer der wenigen Polstermöbelhersteller seine Produktion im Moment noch zu 100 Prozent aufrechterhalten kann, kommt Erik Stammberger der Anfrage vom Landkreis gerne nach und fertigt ab sofort Mund- und Nasen-Masken. "Gerade in der aktuellen Situation ist es besonders wichtig, dass wir jetzt alle zusammenhalten und diese Zeit gemeinsam bewältigen", sagt CEO Erik Stammberger.

Landrat Sebastian Straubel (CSU/Landvolk) freut sich über die Unterstützung der heimischen Unternehmen in der aktuellen Krisen-Situation. "Das ist eine riesige Hilfe in der aktuellen Lage, in der der Bedarf an Schutzmaterial - wie überall derzeit - größer ist als der Bestand. Der Zusammenhalt, den ich gerade jetzt in dieser Krisensituation im Coburger Land spüre, ist unbeschreiblich. Mein herzlicher Dank geht wirklich an alle, die - in welcher Form auch immer - dazu beitragen, die Weiterverbreitung dieses gefährlichen Virus einzudämmen." Dem schließt sich auch Martin Schmitz, Leiter der Wirtschaftsförderung im Landkreis Coburg an: "Wir haben die besten Unternehmer der Welt!"red