Kriminalität

Der Kaltenbrunner Mädchenmörder ist frei

Nach 43 Jahren hinter Gittern konnte Manfred W. aus Kaltenbrunn jetzt das Gefängnis verlassen - unter strengen Auflagen. Er hatte 1968/69 drei Mädchen grausam ermordet und wird den Rest seines Lebens wohl in einem Betreuungsheim verbringen.
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Manfred W. (dunkle Haare) vor über 40 Jahren bei seiner Festnahme Foto: Archiv Norbert Niermann
Manfred W. (dunkle Haare) vor über 40 Jahren bei seiner Festnahme Foto: Archiv Norbert Niermann
Nach monatelangem juristischen Tauziehen ist die lebenslange Haftstrafe für Manfred W. aus Kaltenbrunn in Oberfranken nun vorbei: 43 Jahre seines Lebens verbrachte der inzwischen 70 Jahre alte Mann hinter Gittern, dessen grausame Mordtaten dem Dorf im Itzgrund Ende der 60er Jahre zu trauriger Berühmtheit verholfen. Und bis heute wie ein Trauma auf der Region lasten.

Am Montag hat das Oberlandesgericht (OLG) in Nürnberg hat die letzte Beschwerde gegen die Haftentlassung verworfen, wie Michael Hammer, der Pressesprecher des OLG, bestätigt. "Herr W. war damit unmittelbar aus der Haftanstalt in Straubing zu entlassen", sagt Hammer.

Bedenken

Die Staatsanwaltschaft in Coburg hatte Bedenken dagegen angemeldet; zunächst gegen das Ende der Haftstrafe überhaupt, zuletzt dagegen, dass W. nach seiner langen Zeit in Haft übergangslos in das Leben in Freiheit entlassen werden könnte. "Man kann einen Menschen, nicht einfach mit dem Täschchen unter dem Arm auf die Straße lassen", sagt Anton Lohneis, der Leitende Oberstaatsanwalt in Coburg.

Als sich hinter W., damals Mitte 20, das Gittertor schloss, gab es weder Handy noch Internet; heute ist er greis und mittellos und wohl kaum in der Lage, sich alleine in einer für ihn fremden Welt zurecht zu finden.

Recht auf Menschenwürde

Trotzdem: "Jeder Mensch hat nach unserem Rechtsverständnis ein Recht auf seine Würde, auch ein Mörder, wenn er seine Strafe verbüßt hat", erklärt Hammer, warum das OLG in Nürnberg die Türen für W. nach mehr als vier Jahrzehnten geöffnet hat. Die Anwältin des Mädchenmörders aus dem 500-Einwohner-Dorf im Itzgrund, Gerlinde Groß (Parkstetten), hatte bei der Strafvollstreckungskammer in Regensburg 2011 die Freilassung W.s beantragt. Der Täter saß so lange in Haft, weil die Justiz 1971 die besondere Schwere der Schuld betont und dreimal "lebenslänglich" für die drei Morde an den minderjährigen Mädchen aus Kaltenbrunn und Umgebung verhängt hatte.

Die Freiheit, die der Mann, der vor 44 Jahren eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzt hat, jetzt bekommt, ist freilich keine grenzenlose. "Es gibt einen ganzen Katalog von Auflagen, eine Entlassung aus lebenslanger Haft erfolgt immer auf Bewährung", sagt Hammer. Und dieser Katalog ist es auch, der Anton Lohneis in Coburg zu dem Schluss kommen lässt, "dass die Entlassung von Manfred W. unter diesen Bedingungen schon in Ordnung geht."

Dauerhaft in Betreuung?

W. wird wohl dauerhaft in einer Betreuungseinrichtung leben müssen, die sich jetzt doch gefunden hat; weit weg von Kaltenbrunn, wo die Angehörigen W.s und seiner Opfer bis heute leben. In diesem Haus bleibt W. sicher während der fünfjährigen Bewährungszeit - wahrscheinlich auf Dauer.

Ein Bewährungshelfer kümmert sich um ihn und seine Alltagsgeschäfte. W. ist mittellos und krank. Für seinen Lebensunterhalt kommt der Bezirk Oberfranken aus den Sozialhilfe-Mitteln auf. Und dies in der Tat lebenslänglich.


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