Coburg
Ausschreibung

Regionalzüge nach Coburg auf der ICE-Strecke?

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hat europaweit bekannt gemacht, dass sie Züge auf der Neubaustrecke zwischen Coburg und Nürnberg einsetzen will. Aber entschieden sei in dieser Hinsicht noch lange nichts, betont ein Sprecher.
Artikel drucken Artikel einbetten
Regionalexpress auf der ICE-Strecke, das gibt es schon in Bayern, nämlich zwischen Nürnberg und München (hier bei Offenbau). Nun hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) vorsorglich angezeigt, dass sie möglicherweise auch auf der Neubaustrecke Nürnberg-Coburg Regionalexpresszüge bestellen würde. Foto: Claus Weber/Deutsche Bahn AG
Regionalexpress auf der ICE-Strecke, das gibt es schon in Bayern, nämlich zwischen Nürnberg und München (hier bei Offenbau). Nun hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) vorsorglich angezeigt, dass sie möglicherweise auch auf der Neubaustrecke Nürnberg-Coburg Regionalexpresszüge bestellen würde. Foto: Claus Weber/Deutsche Bahn AG
Es klingt alles sehr eindeutig: "Die RE-Leistungen auf der Linie ,Nürnberg - Coburg - Landesgrenze (Sonneberg)‘ über die Neubaustrecke sollen zum Dezember 2017 vergeben werden", heißt es in der "Vorabinformation ohne Aufruf zum Wettbewerb", die seit Samstag im Mitteilungsblatt der Europäischen Union zu lesen ist. Unter der Nummer 2015/S 250-457927 ist ein Dokument der Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) zu finden, wonach ab 2017 Doppelstockzüge auf der ICE-Neubaustrecke zwischen Coburg und Nürnberg unterwegs sein sollen. Die BEG ist für die Bestellung des Schienenregionalverkehrs im bayerischen Eisenbahnnetz zuständig, also für die Regional, Regionalexpress- (RE) und Nahverkehrszüge.

Die Neubaustrecke ist in erster Linie für den Fernverkehr gedacht. Nun kündigt die BEG an, dort Regionalexpresszüge einsetzen zu wollen, die nicht überall halten. Die BEG fordert Doppelstockzüge, "die in zweigleisigen Tunnels südlich von Coburg dem Begegnungsverkehr mit ICE standhalten müssen". Auch Gebrauchtfahrzeuge wären der Ausschreibung zufolge zulässig, wenn sie die Sicherheitsvorschriften erfüllen. "Da nach unserer Kenntnis nur die DB Regio AG über geeignete Fahrzeuge verfügt, kommt nur die DB Regio AG für die Erbringung der Leistungen in Betracht", heißt es in dem Ausschreibungstext weiter. Außerdem betreibe die DB Regio das "E-Netz Franken", und die Vergabe der RE-Züge auf der Neubaustrecke würde genauso lange laufen wie der Vertrag übers E-Netz, nämlich bis zum Dezember 2023, also über sechs Jahre.


Europaweite Richtlinien

Doch was da so eindeutig klingt, steht noch lange nicht fest, sagt Andreas Schulz, Abteilungsleiter Planung bei der BEG. Ja, es gebe Überlegungen, Regionalexpresszüge zusätzlich zum ICE auf der Neubaustrecke einzusetzen. Aber ob es dazu kommt, sei noch lange nicht entschieden und hänge vor allem von dem Preis ab, den die DB Regio dafür verlangt. Da wiederum komme die DB Netz mit ins Spiel, die Entgelte für die Benutzung der Neubaustrecke festsetzen kann. Diese Entgelte stehen aber auch noch nicht fest, sagt Schulz, weil da noch die Regulierungsbehörde mitzureden habe.

Dass diese Überlegungen nun indirekt europaweit bekannt gemacht wurden, begründet Schulz mit dem europäischen Vergaberecht. Was jetzt veröffentlicht wurde, sei eine europaweite Aufforderung zur Interessenbekundung: Unternehmen, die nachweisen können, dass sie über die erforderlichen Züge verfügen, können dies bis 25. Januar der BEG mitteilen. Danach werde mit den in Frage kommenden Unternehmen verhandelt.

Nach allen Vorgesprächen, die die BEG geführt habe, komme derzeit nur die DB Regio als Betreiber von RE-Zügen auf der Neubaustrecke in Frage, weil sie über den notwendigen Fuhrpark verfüge, sagt Schulz. Die Hersteller seien gar nicht in der Lage, die erforderlichen Züge bis 2017 zu liefern. Kurz: Ein anderer Verhandlungspartner als die DB Regio ist für die BEG offenbar gar nicht in Sicht. Aber aus Zeitgründen und damit die Verhandlungen bis zum möglichen Start Ende 2017 abgeschlossen werden können, musste das Vorhaben nun europaweit angekündigt werden.

Deshalb sei es für die Frage, ob da RE- als Ersatz für ICE-Züge zwischen Coburg und Nürnberg unterwegs sein sollen, viel zu früh, betont Schulz. Allerdings hatte der Coburger Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) schon vorige Woche anklingen lassen, dass es Verhandlungen mit "Eisenbahngesellschaften" gebe, um mehr als zwei ICE-Halte in jede Richtung pro Tag in Coburg herauszuholen. Mehr hat die Bahn bislang nicht angeboten.

Doch es scheint tatsächlich Bewegung in die Angelegenheit gekommen zu sein: "Der Freistaat Bayern und die Deutsche Bahn AG suchen derzeit gemeinsam nach Lösungen, wie Coburg von der Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Nürnberg - Erfurt profitieren kann. Erste Ergebnisse im Hinblick auf eine Fernverkehrsanbindung werden wir voraussichtlich im Frühjahr 2016 vorstellen können. Wir bitten um Verständnis, dass wir bis dahin keine Zwischenergebnisse veröffentlichen, da sämtliche Ideen zunächst eingehend geprüft werden müssen", teilte ein Sprecher der DB AG am Montag auf Anfrage mit.

Michelbach hatte davon gesprochen, dass Ende März bekannt gegeben werden solle, ob und wie viele ICE-Halte es zusätzlich geben werde. Vertreter von (Kommunal-)Politik und Wirtschaft im westoberfränkischen und südthüringer Raum bemühen sich darum, dass Coburg ICE-Systemhalt wird mit Zughalten alle zwei Stunden.

Die Überlegungen der BEG in Sachen Regionalexpress auf der Neubaustrecke seien davon völlig unabhängig, betont Andreas Schulz: "Unser vorrangiges Ziel ist der ICE." Da sei sich die BEG mit dem zuständigen Innenminister und den Politikern im Raum Coburg einig: "Wir bemühen uns, dass wir von der DB Fernverkehr ein besseres Angebot bekommen, weil die zwei Zugpaare am Tag völlig ungenügend sind."


Ergänzung zum ICE

Michelbach zufolge wären die zusätzlichen Regionalexpresszüge eine Ergänzung zu dem, was beim Fernverkehr - vielleicht - dazukommt. Allerdings wurden bislang lediglich von bayerischer Seite solche Überlegungen konkret angestellt. Die Thüringer, sagt Schulz, hätten kein Interesse, ihrerseits Regionalzüge auf der Neubaustrecke fahren zu lassen. Entgegen den ersten Planungen gibt es keinen Bahnhof bei Ilmenau; zwischen Coburg und Erfurt würde der Zug mangels Gelegenheit kein einziges Mal halten.

Auf bayerischer Seite würden maximal sieben Zugpaare pro Tag zwischen Sonneberg und Nürnberg auf der Neubaustrecke fahren, zusätzlich zum jetzt vorhandenen Angebot, wie Schulz betont. Lichtenfels dürfe nicht benachteiligt werden, und die Neubaustrecke führt an Lichtenfels vorbei.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren