Bamberg
Diskussion

Kann die Stadt das Klima retten?

Das Leiden der Bäume im Stadtgebiet verdeutlicht, welche extremen Folgen der Klimawandel mit sich bringt. Die Frage ist: Soll Bamberg den Klimanotstand ausrufen? Zwei Stadträte streiten sich. Ein Pro & Contra.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Birken an der Memmelsdorfer Straße in Bamberg sind laut Gartenamtsleiter Robert Neuberth innerhalb kürzester Zeit  abgestorben.  Foto: Ronald Rinklef
Die Birken an der Memmelsdorfer Straße in Bamberg sind laut Gartenamtsleiter Robert Neuberth innerhalb kürzester Zeit abgestorben. Foto: Ronald Rinklef

Wie dramatisch die Lage im Sommer 2019 in Bamberg ist, wird derzeit in der Memmelsdorfer Straße auf drastische Weise augenscheinlich: Eine zweistämmige Birke am Dientzenhofer Gymnasium ist innerhalb von nur 14 Tagen abgestorben.

Weitere stattliche Bäume machen in der sengenden Hitze und anhaltenden Trockenheit schlapp. Auch robuste Linden und Eichen bekommen inzwischen Schwierigkeiten. Es fehlt schlichtweg Wasser und das bereits im zweiten Jahr. "Es könnte bis Ende des Jahres regnen, es wäre immer noch ein Defizit vorhanden", erklärt Gartenamtsleiter Robert Neuberth.

Auch mit Blick auf die massiven Schäden im Forst habe es eine solche Situation bisher nicht gegeben. "Es ist alles andere als lustig." Inzwischen hilft sogar die Feuerwehr beim Gießen der darbenden Stadtbäume. Ein Novum.

Antrag im Stadtrat

Der Kampf gegen Hitze, Trockenheit und den Klimawandel erfordert Kreativität - und darum ringt derzeit auch der Stadtrat. Die Frage ist, was kann die Kommune tun? Geht es nach Heinrich Schwimmbeck (Bamberger Linke), dann sollte die Stadt unverzüglich den Klimanotstand ausrufen (siehe Pro-Kommentar). Seinen Antrag hat das Stadtparlament vor der Sommerpause behandelt.

Die Erklärung des Klimanotstands soll zeigen, dass sich eine Kommune zu den Pariser Klimazielen bekennt, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Das klingt technokratisch, hätte aber bei entsprechendem Beschluss die Folge, dass alle Entscheidungen unter Beachtung der Klimafreundlichkeit getroffen werden müssten.

In Konstanz, wo als erstes in Deutschland der Klimanotstand ausgerufen wurde, kündigte etwa der Oberbürgermeister den Leasingvertrag für seinen Dienstwagen. Möglich, dass die Kosten fürs Parken in der Innenstadt drastisch teurer werden.

In Erlangen, der ersten bayerischen Stadt im Klimanotstand, soll der Anteil an vegetarischen Gerichten in Schulen und städtischen Kindertagesstätten erhöht werden. Dort gibt es auch Überlegungen, mehr Parkplätze in Fahrradstellflächen umzuwandeln, um den Radverkehr zu fördern, oder neue Kriterien für nachhaltiges Bauen zu entwickeln.

In anderen Kommunen ist die Anerkennung des Klimanotstands politisch umstritten. So tut man sich auch in Bamberg nicht besonders leicht, diesen auszurufen. Zwar ist man sich über Parteigrenzen hinweg einig, dass beim Klimaschutz mehr geschehen muss. Doch stoßen sich viele am Wort "Klimanotstand". CSU-Fraktionschef Helmut Müller sieht darin gar einen Kampfbegriff. Dieter Weinsheimer (Bamberger Allianz) kritisiert, dass wieder eine Resolution gemacht werde zu Dingen, die letztlich die eigenen Möglichkeiten überschreiten. Größte Skeptikerin ist Daniela Reinfelder (BuB): Sie sieht keinen Klimanotstand in Bamberg (siehe Contra-Kommentar).

Grüne und SPD unterstützen dagegen vollumfänglich den Antrag von Schwimmbeck. Es sei höchste Zeit, aktiv zu werden. Wäre es nach ihnen gegangen, hätte Bamberg inzwischen den Klimanotstand erklärt.

Doch auch die Verwaltung ist zurückhaltend. "Dass man was machen muss, ist unbestritten", erklärt Umweltreferent Ralf Haupt. Doch anstatt den Klimanotstand auszurufen, will die Verwaltung nun einen eigenen Aktionsplan ausarbeiten und diesen dem Umweltsenat im November vorlegen. Dann könnte auch über eine eigene Resolution entschieden werden.

Möglich wäre unter anderem, dass die Stadt sich einen externen Gutachter holt, der Vorschläge macht, was über die bisherigen Anstrengungen hinaus getan werden kann. Die Stadt ist laut Haupt etwa in der Klimaallianz mit dem Landkreis schon bei den regenerativen Energien auf einem guten Weg. Außerdem wolle man den Anteil an E-Mobilität weiter ausbauen. Auch wäre die energetische Sanierung von städtischen Gebäuden denkbar. Doch müsse alles ineinander greifen. "Es gibt immer limitierende Faktoren", sagt Haupt mit Blick auf die Finanzierung.

Die Abteilung von Robert Neuberth muss derweil weiter gegen die Dürrefolgen kämpfen. Sein Gartenamt ist zum Gießamt mutiert und trotzdem: Für den Zeitraum von Oktober 2018 bis zum Ende des Jahres rechnet er damit, dass insgesamt 100 Bäume aufgrund von Trockenschäden gefällt werden müssen.

Streitfall Klimanotstand: Ein Pro und Contra

Pro von Heinrich Schwimmbeck (Bamberger Linke): Klimanotstand anerkennen

Der Klimawandel unserer Zeit ist menschengemacht, durch Zerstörung der Erdatmosphäre durch CO2, das beim Verbrennen von Kohle und Öl entsteht. Folglich kann die Menschheit mit CO2-einsparenden Maßnahmen - noch - aufs Klima einwirken. Das muss sofort und massiv und schnell erfolgen. Wenn die Erderwärmung nicht auf zusätzliche 1,5°C bis 2050 begrenzt wird, wird die zunehmende Erderwärmung nicht mehr umkehrbar sein. Über all das sind sich fast alle Klimaforscher weltweit einig. In dieser besorgniserregenden, dramatischen Situation, in diesem "Klimanotstand" befinden wir uns also. Es ist eine Minute vor zwölf.

Es ist elementar und unverzichtbar, dass auch Stadtrat und Stadtverwaltung diesen Klimanotstand anerkennen, dass sie ein Bewusstsein für den Ernst der Lage haben und dass sie sich als Kommune mitverantwortlich fühlen. Wie sollen sie sonst die nötigen Konsequenzen daraus ziehen? Freilich reichen Erklärungen und Resolutionen allein noch nicht aus. Es müssen auch Taten, d.h. wirksame Maßnahmen folgen. Es gibt eine Fülle geeigneter Maßnahmen zur Eindämmung des CO2-Ausstoßes auf verschiedensten Gebieten, auf manche davon hat die Kommune Zugriff. Es reicht nicht, die eine oder andere davon ein bisschen zu ergreifen, wir müssen viele davon umsetzen. So viele, dass 2050 nur noch eine Tonne pro Person in die Atmosphäre gelangt, nicht mehr zehn Tonnen. Dazu können und müssen wir auch in Bamberg beitragen. Und alle anderen Kommunen und Länder tun das hoffentlich genauso!

Contra von Daniela Reinfelder (BuB): Klimanotstand gibt es in Bamberg nicht

Die Ausrufung des Klimanotstands bringt - kurz und knapp - nix! Die angedachten Maßnahmen kosten uns allen erst mal viel Zeit - und Geld ! Statt immer neue bürokratische Abläufe einzuführen sollten wir auf Kreativität und Bürgerbeteiligung setzen und etwas tun. Statt einen Klimamanager zu etablieren und immer neue Petitionen zu stellen, sollten wir auf sinnvolles HANDELN umschalten. Unsere Partnerstadt Villach zeigt uns ein wunderbares Beispiel mit "Grünen Bushaltestellen", Leipzig oder Utrecht in den Niederlanden haben das schon umgesetzt.Wir müssen unsere Städte mehr begrünen. Warum sitzen wir bei großer Hitze so gerne "auf dem Keller"? Unter anderem weil Bäume die besten Schattenspender sind. Daneben sind sie Sauerstoffproduzenten, Kohlenstoffspeicher und Staubfilter. Jeder für sich kann vor der Haustür, auf dem Balkon oder Fensterbrett sein eigenes Biotop gestalten oder die Verkehrsinsel vor der Wohnung bepflanzen. Wir brauchen neue Ideen, wie wir mit unseren Ressourcen bewusster umgehen, wie wir Hitzewellen begegnen oder die Artenvielfalt erhalten können. Wir brauchen gesunde, bezahlbare Häuser anstatt teurer klimaneutraler Neubauprojekte. UND wir brauchen unkonventionelle und mutige Entscheidungen, die aus Ideen Fakten schaffen. Klimawandel ist Fakt, der Klimanotstand aber in Bamberg ist zu hinterfragen. Gibt es Klimanotstand bei uns in Bamberg überhaupt? Nein, sagt die Statistik der Deutschen-Wetterdienst-Station in Bamberg (Monatsgrafik vergangene zehn Jahre, abrufbar hier).

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren