Steinach
Spieler der Woche

Der Steinacher Lukas Wenzel möchte in Liga 3

Der 20-Jährige aus Steinach wurde diese Saison Stammtorhüter beim ostdeutschen Traditionsverein Lok Leipzig. Wie sich das anfühlt und warum die Regionalliga Nordost nicht der Endpunkt sein soll, erzählt er im Interview.
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Lukas Wenzel aus Steinach hat es vor seiner kürzlichen Fußverletzung als Stammkeeper ins Tor des Nordost-Regionalligisten Lokomotive Leipzig geschafft. Mit dem Traditionsverein möchte der 20-Jährige die Rückkehr in den Profifußball schaffen. Foto: Elke Bahrdt
Lukas Wenzel aus Steinach hat es vor seiner kürzlichen Fußverletzung als Stammkeeper ins Tor des Nordost-Regionalligisten Lokomotive Leipzig geschafft. Mit dem Traditionsverein möchte der 20-Jährige die Rückkehr in den Profifußball schaffen. Foto: Elke Bahrdt

Unverhofft kommt oft: Als sich Torwart Benjamin Kirsten von Lok Leipzig Anfang der Saison verletzte, schlug die Stunde von Lukas Wenzel. Der 20-Jährige aus Steinach, der in der Jugend in Großbardorf und beim Club in Nürnberg spielte, stieg zum Stammkeeper des Traditionsvereins auf. Der will unbedingt raus aus der Regionalliga Nordost, zurück in den Profifußball. Im Interview berichtet Wenzel über seinen persönlichen Aufstieg, Ziele, einen altbekannten Trainer und warum ihm der Kontakt in die Heimat sehr wichtig ist.

Lukas, Du stehst seit 2018 in Leipzig unter Vertrag, warst vergangene Saison meist Ersatz. Dann standest Du plötzlich als Nummer eins im Tor. Das muss doch ein erhebendes Gefühl sein, oder?

Lukas Wenzel: Zunächst einmal finde ich es schade, dass Benni Kirsten sich verletzt hat. Es ist natürlich schön zu spielen, was immer mein Ziel war. Dem Verein war das Risiko zu hoch, nur mit zwei einsatzfähigen Keepern in die Saison zu gehen. Also wurde neben mir und Lukas Kycek Herbert Schötterl nachverpflichtet. Die Konkurrenzsituation im Tor wurde auf Null gesetzt. Ich habe mich wohl leistungsmäßig durchgesetzt.

Haben die Mitspieler Dich gleich als neuen Stammkeeper akzeptiert?

Am Anfang waren einige noch skeptisch. Aber wenn man Leistung bringt, wird man durch die Mannschaft respektiert. Das fühlt sich gut an.

Letzte Spielzeit war die Lage ähnlich: Kirsten verletzte sich; Du hast aber nur fünf Spiele gemacht. Was war anders?

Es war mein erstes Jahr im Männerbereich; da fehlte mir noch die Erfahrung. Nach Bennis Verletzung stand Christopher Hanf im Tor. Leider lief es in der Mannschaft nicht so, sodass ich dann zwischen die Pfosten kam.Trotzdem habe ich da das bisher schönste Spiel meiner bisherigen Laufbahn erlebt.

Und das war?

In Chemnitz. Wir haben dort zwar mit 1:3 verloren. Aber es waren 7000 Zuschauer da, davon 1500 Leipziger. Es war das erste große Spiel für mich, in einem schönen Stadion, auf einem guten Platz. Und meine Familie war auch da.

Nun hast Du diese Saison schon 13 Einsätze hinter Dir, bist die klare Nummer eins. Was hat sich im Vergleich zur Vorsaison geändert?

Du wirst als Stammkeeper ganz anders wahrgenommen, hast andere Abläufe. Als Ersatzkeeper fehlte mir vergangenes Jahr die Spielpraxis; auch nach Spielen musste ich trainieren. Als Stammtorwart dient der Tag nach dem Spiel der Regeneration. Ich werde von Partie zu Partie sicherer. Die Mannschaft wird mir immer vertrauter. Wenn du weißt, dass du jedes Match spielst, kannst du dich vom Kopf her besser darauf vorbereiten, als wenn du zwei Stunden vorher von deinem Einsatz erfährst. Spielpraxis ist das A und O.

Nun kannst Du es ja aus Erfahrung sagen: Wie ist das Niveau in der Regionalliga?

Sehr verschieden. Es macht einen großen Unterschied, ob du in Cottbus vor 6000 Zuschauern spielst oder in Bischofswerda vor 400. Und die Atmosphäre macht viel aus. Ähnlich ist es mit einigen anderen Sachen: die Größe des Stadions, die Ausstattung der Kabine.

Und das spielerische Niveau?

Da gilt dasselbe. Wenn du in Bischofswerda spielst, kannst du dir ein, zwei Fehler mehr erlauben als zum Beispiel gegen Energie Cottbus, wo jeder Fehler sofort bestraft wird. Die Schnelligkeit des Spiels, die Qualität der Einzelspieler; da haben beispielsweise bei Cottbus und Wacker Nordhausen viele bereits höherklassig gespielt.

Deine "Loksche" steht aber auch nicht schlecht da: Platz vier nach 14 Spielen, 29 Punkte. Das Ziel Aufstieg bleibt realistisch.

Mit Hertha II, Cottbus und Nordhausen hast du Qualität in der Liga; da musst du mithalten. Dazu kommt Überraschungs-Tabellenführer Altglienicke. Diese Mannschaften spielen um den Staffelsieg mit. Der wird kein Selbstläufer. Da wird sich wohl keiner entscheidend absetzen, anders als Chemnitz vergangene Saison.

Zurück zu Dir und Benjamin Kirsten. Wie würdest Du euer Verhältnis beschreiben?

Er spricht sehr viel mit mir. Nach den Spielen gibt er mir Ratschläge, was ich noch ändern könnte. Ich habe mir aber auch immer im Training Bewegungen und Abläufe angeschaut und versucht, sie umzusetzen. Benni ist für mich einer der besten Torhüter in der Regionalliga und gehört für mich zu den Führungsspielern, so wie Nicky Adler und Sascha Pfeffer. Von denen kannst du sportlich und menschlich viel lernen. Die anderen dürfen und sollen aber auch den Mund aufmachen, ihre Meinung sagen.

Mit Wolfgang Wolf coacht Euch seit kurzem ein bekannter Trainer. Er war unter anderem Übungsleiter in Wolfsburg, Kaiserslautern und beim Club. Wie ist er so?

Unter Wolfgang Wolf trainieren wir ein Stück weit härter als unter Vorgänger Björn Joppe. Die Regeneration ist aber auch länger. Der Coach haut auch mal dazwischen, wenn es nicht läuft. Die Mannschaft ist ein Stück weit aufmerksamer und kann von seiner Erfahrung aus der Bundesliga profitieren. Und die Ergebnisse haben in den letzten vier Wochen ja auch gestimmt.

Mit Patrick Wolf gehört auch der Sohn des Trainers zum Kader...

Der Trainer hat uns gebeten, Patrick einfach nur als Mitspieler zu sehen. Er wird von Wolfgang Wolf respektiert und behandelt wie andere Spieler auch. Das Vater-Sohn-Verhältnis ist kaum zu spüren. Ich habe sogar den Eindruck, dass Patrick vom Trainer eher noch kritischer gesehen wird als die anderen.

Dummerweise hast Du Dich nun selbst im Training verletzt.

Ja, leider. Ich war wirklich gut drauf; es lief auf dem Platz. Die Ergebnisse haben gepasst. Aber es ist wahrscheinlich zu gut gelaufen.

Was genau ist kaputt gegangen?

Das vordere Außenband im rechten Fuß ist gerissen. Und ich habe ein Knöchelödem, das heißt Flüssigkeit im Gelenk.

Wie lange fällst Du damit aus?

Das kann ich noch nicht einschätzen. Der Arzt sagt, es dauert sechs Wochen. Aber ich würde gern gegen Hertha BSC II (am 6. Dezember, d.R.) wieder spielen. Die Reserve des Bundesligisten ist Zweiter; es wird ein wichtiges Spiel. Außerdem kenne ich einige Spieler von Jugendturnieren, zum Beispiel Palko Dardai und Florian Back.

Lok Leipzig gilt als Traditionsverein. Der Vorläufer VfB Leipzig wurde 1903, 1906 und 1913 Deutscher Meister; 1987 stand die "Loksche" im Finale des Europapokals der Pokalsieger, spielte wiederum als VfB ein Jahr Bundesliga. Spürt man davon heute noch etwas?

Das Bruno-Plache-Stadion mit seiner überdachten Holztribüne (Baujahr 1932, d.R.) ist nicht das neueste, hat aber seinen Charme. Auch hat mir jemand erzählt, dass der Naturrasen noch nie ausgetauscht wurde. Es ist also kein Rollrasen wie in modernen Bundesliga-Stadien.

Deine fußballerischen Wurzeln liegen beim TSV Steinach; in der Jugend spieltest Du beim TSV Großbardorf. Bestehen da noch Verbindungen?

Ich versuche, einmal im Monat in die Heimat zu kommen. Wenn ich da bin, versuche ich immer, die Steinacher Spiele anzuschauen - egal, ob sie daheim oder auswärts sind. Die alten Kollegen zu sehen, macht Spaß.

Hast Du zu bestimmten Spielern besonders viel Kontakt?

Zu Niklas Otter und auch Niklas Koch. Ersterer hat mich auch zwei- bis dreimal in Leipzig besucht.

Und wie steht es mit Bardorf?

Da habe ich in der Sommerpause, also noch vor der Vorbereitung bei Lok, mit Otto Dietz meist viermal in der Woche trainiert.

Welche Ziele setzt Du Dir kurz- und welche langfristig?

Zunächst möchte ich wieder gesund und fit werden. In den acht Monaten bis Saisonende will ich mich als Nummer eins im Tor durchsetzen. Was langfristig geschieht, kann ich schwer beurteilen. Im Fußball geht es ja viel auf und ab. Aber ich würde schon gern 3. Liga spielen.

Mit Lokomotive Leipzig?

Gern. Aber man weiß nie, wohin es einen führt. Grundsätzlich freue ich mich, dass ich als 20-Jähriger rund 20 Spiele in der Regionalliga machen durfte. Es ist nicht selbstverständlich, als junger Keeper in der 4. Liga im Tor zu stehen. Ich bin stolz, diese Chance bekommen zu haben.

Das Gespräch führte Steffen Standke

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