Sanierung

Graf-Luxburg-Museum in Aschach wird erst zur Saison 2020 eröffnet

Das Graf-Luxburg-Museum wird erst im Frühjahr 2020 wieder zugänglich sein. Museumsleiterin Josefine Glöckler arbeitet am museumspädagogischen Konzept.
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Seit 1. Juni hat Josefine Glöckler als neue Museumsleiterin die Schlüsselgewalt über die Museen Schloss Aschach.  Foto: Sigismund von Dobschütz
Seit 1. Juni hat Josefine Glöckler als neue Museumsleiterin die Schlüsselgewalt über die Museen Schloss Aschach. Foto: Sigismund von Dobschütz
Eigentlich sollte das Graf-Luxburg-Museum im Schloss Aschach nach der Generalsanierung zum Saisonbeginn 2019 wiedereröffnet werden. Doch die Arbeiten im 450 Jahre alten fürstbischöflichen Gebäude brauchen doch einige Monate mehr, weshalb sich die museumspädagogische Neuausrichtung verzögert. Als neuer Eröffnungstermin wird das Frühjahr 2020 genannt. Bis dahin ist unverändert das Parkgelände mit Volkskundemuseum, Schulmuseum und Restaurant für alle Besucher zu den üblichen Zeiten geöffnet. Die Fachleute rechnen mit dem Abschluss aller Arbeiten im Schloss im Spätherbst 2019, doch soll das umgestaltete Luxburg-Museum erst im nachfolgenden Frühjahr öffnen.

Grund für die mehrmonatige Verzögerung sei in erster Linie die vergebliche Suche nach einem Elektriker, erklärte der für die Sanierung verantwortliche Architekt Klaus-Jürgen Edelhäuser vom Rothenburger Architekturbüro Konopatzki und Edelhäuser in der Sitzung, die der Kulturausschuss des Bezirks Unterfranken in der Aschacher Museumsscheune abhielt. Erst als eine Firma gefunden war und ihre Arbeit erledigt hatte, konnten andere Gewerke folgen. Edelhäuser: "Der Motor kam am Anfang ins Stottern, aber jetzt läuft er."

Wegen guter Konjunkturlage bei Fachkräftemangel sei die Suche nach Handwerksbetrieben schwierig, setzte der Architekt nach, weshalb deren Angebote bei Ausschreibung über dem geplanten Budget liegen. Zu den zwischenzeitlich um 14 000 Euro über Plan liegenden Kosten für die Bauarbeiten hieß es: "Das müssen wir in der Folgezeit einsparen." Das festgesetzte Gesamtbudget liegt bei 2,6 Millionen Euro und werde aktuell um 32 000 Euro unterschritten.

Die Sanierung soll im Frühsommer 2019 abgeschlossen sein. Dann kann die Einrichtung des Museums nach neuem museumspädagogischer Konzept erfolgen. "Dazu brauchen wir ein paar Monate", sagt Volkskundlerin Birgit Speckle. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Kulturarbeit und Heimatpflege beim Bezirk Unterfranken gab dem Kulturausschuss einen Einblick in die Ausstellungskonzeption. So soll in den 14 historischen Wohnräumen "eine Atmosphäre von Lebendigkeit geschaffen werden".

Für den jeweiligen Raumtyp typische Geräusche sollen eine Raumatmosphäre schaffen, als wenn "am Mittagstisch eine Gabel fällt oder Fürst Bismarck um Butter bittet". Wer die Texttafeln nicht lesen will, "darf hören und staunen". Auch die Kunstsammlung wird neu sortiert: "Wir wollen das Mittelmaß beiseite stellen und das Besondere hervorheben." Deshalb wird für die Ostasiatika-Sammlung eine Spezialistin herangezogen. Auch soll die Originalität ursprünglicher Raumnutzung wiederhergestellt werden. Aus dem Bismarck-Zimmer soll wieder das Rauchzimmer werden. Speckle: "Bismarck war ja kaum auf Schloss Aschach." Eine Besonderheit im Museumskonzept ist die Darstellung des Dienstboten-Alltags. Speckle: "Ich kenne kein Schlossmuseum, in dem die Dienstboten eine Rolle spielen."

Die neue Museumsleiterin Josefine Glöckler sieht nicht nur in der umfassenden Generalsanierung des Schlosses, sondern vor allem der museumspädagogischen Neuausrichtung der Dauerausstellung "den besonderen Reiz" ihrer Aufgabe. Sie kann auf vergleichbare Erfahrungen aus früheren Tätigkeiten in den Museen des brandenburgischen Landkreises Oberspreewald-Lausitz sowie im Schlossmuseum der mittelalterlichen Wehranlage und im ehemaligen Bahnhof von Schwarzenberg im sächsischen Erzgebirgskreis zurückgreifen.

Wichtig für die Museumsplaner ist die Schaffung eines Museums für alle. Also muss an die Bedürfnisse von Behinderten und in ihrer Bewegung eingeschränkten Senioren gedacht werden. Viele zu den Räumen passende Sitzmöbel werden aufgestellt und die weiträumigen Absperrungen abgeschafft. Speckle sagt: "Ein Rollstuhlfahrer muss an die Exponate heranfahren können." Zu den 7000 zu katalogisierenden Exponaten sagte Birgit Speckle dem Kulturausschuss: "Das kann die Museumsleiterin nicht leisten. Das ist mönchische Tätigkeit für mehrere Monate."

In Zahlen

7000 Exponate müssen nach Abschluss der Neueinrichtung des Schlosses nach jeweiligem Standort genau katalogisiert werden.

2,6 Millionen Euro sind als Gesamtbudget veranschlagt. Hier liegt das Projekt nach Aussage des Architekten derzeit um 32 000 Euro niedriger.

14000 Euro mehr kosten die Bauarbeiten nach aktuellem Sachstand. Mit 1,3 Millionen Euro waren die Baukosten kalkuliert worden.

Kulturausschuss richtet den Blick auf den Internetauftritt der Museen

Nach umfassender Information über den Sachstand der Generalsanierung im Schloss Aschach und der Neukonzeptionierung der Dauerausstellung des Graf-Luxburg-Museums befasste sich der Kulturausschuss des Bezirks Unterfranken in seiner Sitzung in der Aschacher Museumsscheune mit der Verbesserung des digitalen Marketings und der Förderung ausgewählter Projekte im Regierungsbezirk.

Zur Verbesserung digitaler Strukturen hatte im April der Bezirk Unterfranken im Referat Kulturarbeit und Heimatpflege ein neues Sachgebiet Museum eingerichtet, das mit Anne Kraft besetzt wurde. Ihre Aufgabe ist es, alle unterfränkischen Museen und historischen Sammlungen fachlich zu beraten und sich dabei vor allem auf digitale Strukturen zu konzentrieren.

Konkret für das Museum Schloss Aschach verdeutlichte Kraft dem Ausschuss anhand von Statistiken, dass Internet und soziale Medien für eine erfolgreiche Vermarktung immer wichtiger werden - dies umso mehr nach aufwendiger Sanierung und Neugestaltung des Schlosses.
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Zwar seien 95 Prozent aller bayerischen Museen "auf irgendwelchen Websites" im Internet vertreten, doch nur 40 Prozent haben eine eigene Homepage - "heute eine absolute Notwendigkeit". Auch Schloss Aschach ist nur auf den Seiten des Bezirks Unterfranken präsent. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Website nicht zur Nutzung auf mobilen Smartphones eingerichtet ist. "Dabei steigert doch gerade die Nutzung durch Smartphones die Zugriffszahl auf Websites."


Kriterien für die Gestaltung

Beides ist nach Aussage der Sachgebietsleiterin jetzt in Arbeit. Als wichtige Kriterien bei der zeitgemäßen Gestaltung einer eigenen Homepage nannte Kraft die Mehrsprachigkeit, Barrierefreiheit, Nutzerorientierung und Suchmaschinenoptimierung.

Ebenso wichtig ist die Präsenz der Aschacher Museen in sozialen Medien wie Facebook und Instagram, wo Schloss Aschach noch nicht mit eigener Seite, sondern nur auf Fremdseiten zu finden ist, auf die die Museumsleitung keinen Zugriff hat. Kraft: "Warum nutzen wir nicht die Chancen zum Austausch mit Nutzern?" Deshalb schlug sie vor, die Förderrichtlinien des Bezirks Unterfranken um die Position "Digitale Kommunikation" zu ergänzen.

Um finanzielle Förderung ging es in den ürbigen Tagesordnungspunkten der Ausschusssitzung. Bezirksheimatpfleger Klaus Reder stellte sechs unterfränkische Sanierungsprojekte vor, die mit dem Förderpreis der unterfränkischen Kulturstiftung unterstützt werden sollen. Der Ausschuss stimmte einstimmig zu ebenso wie der Freigabe von im Haushalt bereits eingeplanten Stiftungsmitteln zur Unterstützung von vier anderen Projekten.


Für Museum Obere Saline

Zuletzt ging es um förderrechtliche Einzelfallentscheidungen, für die im Stiftungshaushalt nur pauschale Ausgabeansätze eingeplant waren. Zu den zehn Projekten, die nach jetzt Zustimmung des Ausschusses mit insgesamt knapp 50 000 Euro unterstützt werden, gehört mit 12 700 Euro das Museum Obere Saline in Bad Kissingen, dies allerdings unter Vorbehalt der noch ausstehenden, aber erwarteten positiven Empfehlung der Museumsfachkommission.


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