• Der Ausbruch eines Supervulkans wäre einer globalen Naturkatastrophe gleichzusetzen
  • Eine neue Studie zeigt, dass die Eruptionswahrscheinlichkeit derzeit falsch eingeschätzt wird
  • Kritiker*innen fordern ein neues Bewertungssystem für Vulkanausbrüche

Rund 20 Supervulkane existieren derzeit weltweit. Die Eruption eines einzelnen Riesenvulkans könnte dramatische Folgen für den Planeten haben. Ein Ausbruch kann ein mehrere hundert Kubikkilometer Lava zutage fördern und mehrere tausend Kubikkilometer Asche und Gesteinsmaterial in die Atmosphäre schleudern. Doch die Wahrscheinlichkeit, den Ausbruch eines Supervulkans zu erleben, galt bisher als verschwindend gering. Wie web.de berichtet, liegt die derzeitige Chance einer Eruption des Yellowstone, einem der bekanntesten Supervulkane, lediglich bei 1 zu 700.000. Doch die bisherige Risikobeurteilung von Vulkanen wurde nun infrage gestellt. Neuste Vermutungen gehen davon aus, dass eine Eruption weitaus wahrscheinlicher sein könnte, als wir bisher dachten.

Studie zeigt: Bisherige Beurteilung von Vulkanausbrüchen unzuverlässig

Bislang untersuchten Forscher*innen das flüssige Magma unter einem Vulkan, um seine Eruptionswahrscheinlichkeit zu prognostizieren. Da die Menge an Magma leicht zu messen ist, war das Erstellen von Prognosen bisher sehr einfach.

Dass es doch etwas komplizierter sein könnte, zeigt eine Studie eines Forschungsteams aus Australien im Wissenschaftsmagazin Nature. Der australische Geologe Martin Danisik warnt davor, dass zwischen flüssigem Magma und der Eruptionswahrscheinlichkeit kein Zusammenhang bestehe. Grundlage für seine Annahme sind die Beobachtungen am Toba Caldera See auf Sumatra, welcher im Kessel eines gigantischen Vulkans liegt. Dort entnommene Proben gaben Rückschlüsse auf den Zeitpunkt des letzten Ausbruchs: "Mithilfe dieser geochronologischen Daten, statistischer Schlussfolgerungen und thermischer Modellierung konnten wir zeigen, dass das Magma noch 5000 bis 13.000 Jahre nach dem Superausbruch in der Caldera, einer durch den Ausbruch entstandenen Vertiefung, ausströmte und dann eine Platte aus verfestigtem Rest-Magma wie ein riesiger Schildkrötenpanzer nach oben gedrückt wurde", erklärt Professor Danisik dem TV-Sender Sky News. Bisher wurde angenommen, dass der Berg vor rund 74.000 Jahren das letzte Mal Feuer gespuckt hatte. Die Messungen beweisen jedoch, dass der dortige Tiba-Vulkan auch 5000 bis 13000 Jahre nach seinem Ausbruch noch aktiv war und somit zumindest für seine nähere Umgebung eine Gefahr darstellte.

Es zeigt sich außerdem, dass Vulkane auch dann ausbrechen, wenn sich das Magma durch die Risse einen Weg in die Erdkruste bahnt. Das feste Gestein gibt irgendwann nach und  lässt das Feuer aus dem Berg sprudeln. Dazu braucht es keine direkte Nähe zur Oberfläche.

Neues Bewertungsmodell für Vulkanausbrüche nötig

"Wir müssen unser Verständnis von Vulkanen diesbezüglich anpassen", betont Dr. Shanaka de Silva von der Oregon State University in Amerika, ebenfalls Experte auf dem Gebiet der Vulkane. "Um eine vulkanische Eruption vorherzusagen, versuchen wir normalerweise anhand von geophysikalischen Methoden zu bestimmen, ob sich unterirdisch geschmolzenes Gestein angesammelt hat. [Die] Studie zeigt, dass Vulkane auch ausbrechen können, wenn das Magma direkt unter dem Vulkan fest ist. Das bedeutet, dass wir unsere Überwachungs- und Frühwarnsysteme für aktive Vulkane anpassen und auch ihr Gefährdungspotential anders bewerten müssen."

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Die Forscher fordern nun ein neues Bewertungsschema zur Beurteilung von Vulkanen. Man stehe unter Zeitdruck, da im Schnitt alle 17.000 Jahre ein Super-Ausbruch unvermeidbar sei. Der letzte liegt knapp 28.500 Jahre zurück und geschah in Neuseeland. Die Naturkatastrophe ist so gesehen "überfällig". 

"Die Vorhersage eines bevorstehenden Ausbruchs würde einen Unterschied machen, obwohl es eine riesige Operation wäre, Menschen aus dem Gebiet zu evakuieren", erklärt der Vulkanforscher George Cooper laut dem European Scientist.

Nach dem Ausbruch des "Todesvulkan" im Kongo haben wir mit dem Bayreuther Vulkan-Experten Martin Doevenspeck gesprochen. Er erklärte, wie es zu dem Ausbruch kam.

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