Komfort-Extra zum Laden startet bei Luxus-E-Auto – doch es gibt einen Haken

2 Min

Einfach parken und das E-Auto lädt von selbst. Induktives Laden kennt man schon vom Smartphone und jetzt kommt es mit 11 kW für Autos auf den Markt. Wie die Technik funktioniert, was sie kostet und was noch fehlt, damit sie im Alltag ankommt.

Bereits seit Mitte September können Käufer des elektrischen Porsche Cayenne ein kabelloses Ladesystem mitbestellen, wie Porsche mitteilt. Das Prinzip ist dabei denkbar einfach: Das E-Auto muss einfach über einer fest installierten Bodenplatte geparkt werden, woraufhin der Ladevorgang automatisch startet.

Müssen E-Autofahrer also bald keine Kabel mehr einstecken und ist dies ein neuer Durchbruch bei der Ladetechnologie? „Letztlich ist es eine Frage des Komforts“, sagt ADAC-Sprecher Fabian Faehrmann auf Nachfrage von inFranken.de. Beim induktiven Laden könne man sich schließlich vor allem das Ein- und Abstecken sowie das Aufwickeln des Ladekabels sparen. Wann sich generell der Wechsel auf ein Elektroauto vom ersten Tag an finanziell rechnet, hat ein Experte kürzlich gegenüber der Mediengruppe Bayern erklärt. Bis zu 6.000 Euro Zuschuss gewährt der Staat aktuell beim Kauf oder Leasing eines Elektroautos. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hat unserer Redaktion einen häufigen Denkfehler von Familien mit Kinder erklärt.

So funktioniert induktives Laden beim E-Auto

Beim induktiven Laden erzeugt eine Spule in der Bodenplatte ein Magnetfeld, woraufhin eine im Unterboden des Autos platzierte Empfängerspule die Energie zurück in Strom umwandelt. Das Porsche-System besteht laut Hersteller aus drei Bauteilen: der Vorrüstung am Fahrzeug, einer Empfangseinheit im Unterboden und der Bodenplatte am Stellplatz. Letztere ist wetterfest und kann auch im Freien platziert werden. 

In puncto Sicherheit ist das System mit Bewegungssensoren und einer Fremdkörpererkennung ausgestattet. Falls sich also eine Katze unter das Auto schleicht oder ein Metallteil auf der Platte liegt, wird der Ladevorgang unterbrochen.

Die Technik hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt

Neu ist diese Technik nicht: Für den 530e iPerformance bot BMW bereits 2018 induktives Laden an, damals jedoch nur mit 3,2 kW und rund 85 Prozent Wirkungsgrad. Seitdem hat sich einiges getan: Mit 11 kW sei die induktive Ladeleistung inzwischen mit einer normalen Wallbox vergleichbar, sagt Prof. Florian Risch, der am Fraunhofer IISB in Hallstadt bei Bamberg das E|Road-Center für kontaktlose Energieübertragung leitet.

Außerdem werde mit Hochdruck an 22 kW und mehr sowie an der dazugehörigen Standardisierung gearbeitet. „Induktives Laden ist technisch so weit entwickelt, dass es im Alltag eine komfortable Alternative zur klassischen Wallbox ist“, so Risch. 

Kabelloses Laden beim Porsche Cayenne hat seinen Preis

Laut Porsche-Konfigurator kommt man für das Porsche-System auf einen saftigen Aufpreis von knapp 7.000 Euro. Ausgeliefert wird die Bodenplatte frühestens Ende November 2026 und wer das System später nutzen möchte, muss die Vorrüstung ab Werk für 226,10 Euro mitbestellen, da sie sich nicht nachrüsten lässt. 

Da das System derzeit noch von keiner anderen Marke angeboten wird, ist laut ADAC unklar, welcher Standard sich zukünftig durchsetzt. Risch sagt zudem, die größte Hürde sei weniger die Technik als die wirtschaftliche Einführung. Dafür brauche es „sinkende Kosten, mehr entsprechend ausgestattete Fahrzeuge und herstellerübergreifend kompatible Systeme“.

Lesen Sie dazu auch: Wallboxen: Das günstigste Modell wird Testsieger

Kabellos oder Wallbox: Wie viel Strom geht beim Laden verloren?

Eines der größten Bedenken gegenüber induktivem Laden ist häufig ein zu geringer Wirkungsgrad. Doch mit rund 90 Prozent ist letzterer beim Porsche-System durchaus gut, so der ADAC, auch wenn ein induktives System „immer mehr Verluste aufweisen“ werde „als ein kabelgebundenes Ladesystem“.

Allerdings entsteht ein Großteil der Verluste beim Laden mit Wechselstrom ohnehin erst im Bordladegerät während der Umwandlung zu Gleichstrom, wovon kabelgebundenes Laden dem ADAC zufolge genauso betroffen ist. Dabei lagen die Verluste einer Wallbox mit voller Leistung in einer aktuellen ADAC-Messung bei maximal sieben Prozent.

E-Auto laden während der Fahrt: Teststrecke in der Oberpfalz

Das von Risch an der Universität Erlangen-Nürnberg geleitete Projekt E|MPOWER auf der A6 bei Sulzbach-Rosenberg geht sogar noch einen Schritt weiter. Dort testet man „unter realen Autobahnbedingungen“ das kabellose Laden von E-Autos während der Fahrt. Dies ist Risch zufolge vor allem „für Fahrzeuge mit hoher Fahrleistung auf regelmäßig genutzten Strecken“ interessant, „weil sich Ladepausen, Batteriegröße und Gesamtbetriebskosten reduzieren lassen“.

Mit immer mehr E-Lkw würden Netzanschlüsse und die begrenzten Flächen an Rastplätzen zudem immer wichtiger. „Hier kann dynamisches induktives Laden gemeinsam mit kabelgebundenem Schnellladen zu einer insgesamt effizienteren Verkehrs- und Energieinfrastruktur beitragen“, so Risch. Für private E-Auto-Fahrer bleibt das induktive Laden vorerst jedoch ein teures Komfortextra.  

Lesen Sie dazu auch: Bidirektionales Laden: So funktioniert Vehicle-to-Grid

Vorschaubild: © CC0 / Pixabay / MabelAmber