Nach dem Vorbild der Schülerproteste in Frankreich ruft die Initiative "Gen Z regelt" am Samstag zu Demonstrationen auf. Auch in Nürnberg ist eine Protestaktion geplant.
"Wir sind nicht allein", schreibt die Initiative "Gen Z regelt" auf ihrer Website. Die Protestwelle junger Menschen in Frankreich wirkt über die Landesgrenzen hinaus. Neben Belgien und Spanien sei "der Funke" jetzt auch nach Deutschland übergesprungen. Nach dem französischen Vorbild der Schülerbewegung wollen die Organisatoren nun auch hierzulande ein Zeichen setzen. Am 31. Oktober sind Kundgebungen in 23 Städten geplant, darunter Nürnberg.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) warnte in diesem Zuge vor ähnlichen Gewalttaten wie im französischen Nachbarland. Dass am 31. gleichzeitig Halloween ist, bereitet dem Minister zusätzliche Sorgen. "Wir sehen, dass es da Aufrufe auch besonders aus der linksradikalen Szene gibt", sagt der CDU-Politiker gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Potsdam. Konkret befürchtet Redmann, dass der Tag ausgenutzt werden könnte. Hintergrund ist, dass sich die Menschen an Halloween in allen möglichen Kostümen verkleiden. Brandenburgs Innenminister sieht deswegen die Gefahr von Straftaten und Körperverletzungen "im Schutz der Maskerade". In Frankreich kam es im Zuge der Proteste bisher auch immer wieder zu Gewalt.
Protest in Nürnberg: "Wer auf Straftaten aus ist, muss sich einen anderen Ort suchen"
Während Brandenburgs Innenminister vor französischen Verhältnissen warnt, sieht die Polizei Mittelfranken dem Protest in Nürnberg mit einer routinierten Distanz entgegen. "Wir werden die Versammlung genau so behandeln und gewährleisten wie jede andere auch", teilt die Pressestelle auf Anfrage von inFranken.de mit. Einzige Einschränkung sei, dass es nicht zu Straftaten komme.
Weiter heißt es, dass derzeit knapp 40 Menschen vom Veranstalter angemeldet wurden und erwartet sind, die sich am Ludwigsplatz versammeln sollen. Die Polizei weist allerdings darauf hin, dass die Teilnehmerzahl immer höher oder niedriger ausfallen kann. Ein Blick auf die Website des Veranstalters zeigt derweil eine potenziell deutlich höhere Zahl. Dort haben bislang rund 4900 Menschen (Stand: 26. Oktober um 14.50 Uhr) zugesagt. Nürnberg wäre damit derzeit auf Platz sieben der teilnehmerreichsten Städte Deutschlands.
Die Polizei Mittelfranken setzt auf Routine und ihre Erfahrung im Umgang mit Versammlungen und Protesten, die es "in Nürnberg jedes Wochenende" gebe. Vor dem Hintergrund der Bilder aus Frankreich könne man mögliche Sorgen der Bevölkerung allerdings nachvollziehen. "Wir sehen die Sorge bei Anwohnern und Gewerbetreibenden", sagt die Pressestelle. Man gehe derzeit jedoch von einer "friedlichen Versammlung" aus, sei aber auch auf andere Szenarien vorbereitet. Mit ausreichender Mannstärke vor Ort werde man sich Straftaten "konsequent und vehement" entgegenstellen. "Wer auf Straftaten aus ist, muss sich einen anderen Ort suchen", teilt die Polizei mit.
Die Forderungen der Gen Z: "Ohne uns läuft die Zukunft nicht"
Doch wer ist die Initiative "Gen Z regelt" und was fordert sie? "Wir sind junge Menschen, die nicht länger zusehen wollen, wie über unsere Zukunft entschieden wird, ohne dass wir gehört werden", heißt es auf der eigenen Website. Im dort einsehbaren Positionspapier werden mitunter kaputte Schulen, Einsparungen in der Bildung, Wehrpflicht und steigende Lebenserhaltungskosten als Beweggründe für den Protest aufgeführt.
Man wolle am 31. Oktober politische Differenzen zurückstellen und zusammen "für die Menschen einstehen". In diesem Zuge formuliert die Initiative auch klare Forderungen an die politischen Entscheidungsträger: "Wir fordern eine Politik, die in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und bezahlbares Leben investiert – statt bei der jungen Generation zu sparen. Wir wollen mitbestimmen, wenn über unsere Zukunft entschieden wird." Viele junge Menschen haben mittlerweile auch mit Hinblick auf die Rente Zukunftsängste.
Im Positionspapier werden außerdem weitere Proteste in Aussicht gestellt – der 31. Oktober sei erst der Beginn. In einem abschließenden Aufruf wirbt die Initiative auch um potenzielle Unterstützer. Die Botschaft: "Ohne uns läuft die Zukunft nicht".